Formel 1: Vettel rast zum vierten WM-Titel in Serie

Formel 1: Vettel rast zum vierten WM-Titel in Serie

Der Red-Bull-Pilot hat sich mit 26 Jahren zum mit Abstand jüngsten Vierfach-Weltmeister der Geschichte gekürt. Michael Schumacher war bei seinem vierten Titel bereits 32 Jahre alt.

Vettel ist zudem nun Mitglied eines ganz elitären Fahrer-Zirkels: Bisher konnten überhaupt erst drei Fahrer vier oder mehr WM-Titel in der Formel 1 gewinnen: Rekordweltmeister Schumacher (sieben Titel), Juan Manuel Fangio (fünf) und Alain Prost (vier). "Yes, yees, yeeees", brüllte Vettel nach der Zieldurchfahrt um 16.43 Uhr Ortszeit: "Unglaublich!"

Der Triumph vor den Toren der Millionenmetropole Neu-Delhis ist für Vettel die Krönung einer beeindruckenden Saison, in der der Heppenheimer spätestens nach der Sommerpause als absoluter Dominator auftrat und der Konkurrenz um Fernando Alonso (Ferrari) nicht den Hauch einer Chance ließ. Auf eine ganz große Party und einen Streifzug durch die Nachtklubs der Millionenmetropole wollte Vettel dennoch verzichten und stattdessen am Abend noch zurück in die Schweiz fliegen, wo er mit seiner Freundin Hanna einen Bauernhof bewohnt.

Dem alten und neuen Champion hätte im 16. von 19 Saisonrennen schon ein fünfter Platz sicher zur vorzeitigen Titelverteidigung gereicht - doch damit wollte sich Vettel einfach nicht zufrieden geben. Der Indien-Experte, der bisher alle Rennen in Greater Noida gewonnen hat, bewies einmal mehr, dass er in einer anderen Liga als der Rest des Feldes fährt. Wie auf Schienen preschte er seinem 36. Sieg der immer noch jungen Karriere entgegen - mit 115 Punkten Vorsprung liegt er nun uneinholbar und einsam an der Spitze.

Alonso, vor dem Rennen Vettels letzter verbliebener WM-Rivale, fiel nach einer kleinen Kollision am Start mit Vettels Teamkollegen Mark Webber (Australien) weit zurück und kam am Ende nicht über Platz elf hinaus. Webber musste seinen Wagen später wegen Problemen am Getriebe vorzeitig abstellen.

Hinter Vettel machte Mercedes-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) den deutschen Doppelsieg perfekt, Lotus-Pilot Romain Grosjean (Frankreich) fuhr von Startplatz 17 am Ende auf Rang drei. Dank Vettels Sieg sicherte sich Red Bull ebenfalls zum vierten Mal in Serie den Konstrukteurs-Titel.

Lewis Hamilton (England) landete mit dem zweiten Silberpfeil nur auf Platz sechs. Adrian Sutil (Force India/Gräfelfing) musste sich bei dem Heimrennen seines Teams mit Platz neun zufrieden geben. Nico Hülkenberg (Sauber/Emmerich) schied kurz vor Schluss aus.

Vettel jagt jagt nach seinem sechsten Sieg in Serie und dem zehnten der Saison weiter zwei Bestmarken von Rekordweltmeister Schumacher. Der 44 Jahre alte Kerpener hatte 2004 die ersten sieben Rennen der Saison und insgesamt 13 gewonnen. Shooting-Star Vettel kann seine beeindruckende Serie nächste Woche in Abu Dhabi und danach noch bei den Rennen in Austin (USA) und beim Saisonfinale in São Paulo (Brasilien) ausbauen und den Schumacher-Rekord der Saison-Triumphe einstellen.

Der legendäre Alberto Ascari gewann in den 50er Jahren sogar neun Rennen in Folge - allerdings nicht in einem Jahr. Der Italiener holte die ersten sechs Siege 1952 und weitere drei in der darauffolgenden Saison. Vettel hat weiter die Chance, dieses Kunststück als erster Formel-1-Pilot in einem Jahr zu schaffen.

Während die Tribünen an der Strecke weitestgehend leer blieben und von einer weltmeisterlichen Atmosphäre nichts zu spüren war, löste Vettel mit seinem Triumph Jubelstürme in seiner Heimatstadt aus - Heppenheim verwandelte sich wieder einmal zu "Vettel-Heim". Ein Fanclub hatte zum Public-Viewing auf einer riesigen Leinwand eingeladen, das Bier floss in Strömen und hunderte Anhänger aus der ganzen Republik feierten ihren "Seb".

Dessen Erfolge in diesem Jahr hatten aber auch dunkle Seiten. Immer öfter wurde der Seriensieger zuletzt ausgepfiffen. Der Bruch der Stallorder gegen seinen Teamkollegen Mark Webber war für den Sympathieträger ein Imagedesaster. Für viele Fans hat er in dieser umstrittenen Szene seine Maske fallen lassen und sein wahres Gesicht gezeigt - rücksichtlos wie einst Schumacher. Dabei wird Vettel ja nicht müde zu behaupten, wie wichtig ihm Integrität im Leben ist. Seit dem Vorfall in Sepang kämpft Vettel darum, Fans zurückzugewinnen. Keine leichte Aufgabe. Die Buhrufe berühren ihn mehr, als er zugeben will.

Doch mehr als die Liebe der Fans interessiert ihn das Gewinnen. Selbst Schumacher geht davon aus, dass er eines Tages von seinem Erben Vettel vom PS-Thron gestoßen wird. "Rekorde sind da, um gebrochen zu werden - das habe ich ja auch gemacht. Warum sollte er nicht sieben schaffen?", sagte "Schumi" zuletzt. Den vierten Titel hat sich Vettel nun auf beeindruckende Manier gesichert. Und wer den Blondschopf kennt, weiß: Vettel bleibt hungrig.

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