Formel 1 in Südkorea: Fragezeichen hinter Expansionspolitik von Ecclestone

Formel 1 in Südkorea: Fragezeichen hinter Expansionspolitik von Ecclestone

Der Große Preis von Südkorea ist ein gutes Beispiel dafür, welche Blüten die Strategie von Bernie Ecclestone treiben kann. Ob die Formel 1 im nächsten Jahr wiederkommt, ist äußerst fraglich.

"Hier gibt's ja nichts", sagt Sebastian Vettel und schickt ein freundliches Lächeln hinterher. Er meint das nicht böse, die Rennstrecke des Großen Preises von Südkorea gefällt ihm durchaus. Aber auf die Frage nach Freizeitaktivitäten will er dann doch nicht mit einer Lüge antworten. "Es ist leider ein bisschen langweilig drumherum", sagt der Formel-1-Weltmeister deshalb - und beschreibt damit ein Hauptproblem der defizitären Veranstaltung, die am Sonntag (8.00 Uhr/RTL und Sky) zum vierten und vielleicht letzten Mal Bestandteil des WM-Kalenders ist.

Der Große Preis von Südkorea in der abgelegenen Provinz Süd-Jeolla steht vor dem Aus, er ist ein gutes Beispiel dafür, welche Blüten die Expansions-Politik von Formel-1-Promoter Bernie Ecclestone treiben kann. Was zählt, sind vor allem neue Märkte. Um Wirtschaftlichkeit für die Veranstalter, um Durchführbarkeit geht es erstmal nicht.

Seit seiner Premiere 2010 schreibt das Rennen rote Zahlen, unter anderem deshalb, weil sich die Südkoreaner kaum für die Königsklasse interessieren. "Wir können gerade überleben", sagt Rennpromoter Park Won-Hwa, "aber leben können wir mit den Ergebnissen nicht." Zudem hat sich an Infrastruktur und Organisation seit 2010 wenig geändert, attraktiver ist die Gegend entgegen der Pläne nicht geworden.

"Die Formel 1 ist am Arsch der Welt" - mit diesen wenig schmeichelhaften Worten kommentierte die Schweizer Zeitung Blick damals den Start in Südkorea. 400 km südlich der Hauptstadt Seoul liegt der Kurs gleich am Gelben Meer zwischen gigantischen Werften und riesigen Kiesgruben, etwa 15 km entfernt von der Industriestadt Mokpo. Und auch dort gibt es nichts, was Touristen anziehen könnte.

Zudem fehlt es an Grundlegendem. So müssen die internationalen Gäste während des Rennens in fragwürdigen Unterkünften wohnen, die normalerweise anderen Zwecken dienen: Stundenhotels, die koreanische Teenager gerne für ihre ersten Liebesabenteuer nutzen, werden während des Grand Prix zu "Formel-1-Motels" umfunktioniert.

Nun ist die Königsklasse auch sonst nicht ausschließlich an glamourösen Orten zu Gast. "Wenn man ehrlich ist", sagt etwa Force-India-Pilot Adrian Sutil bei motorsport-magazin.com, "ist es in Japan rund um Suzuka auch nicht schöner." Dort aber gebe es Formel-1-Tradition, Begeisterung, viele Fans - "während das Rennen hier keinen interessiert". Der südkoreanische Markt will sich nicht so recht erschließen lassen. Und im nächsten Jahr bekommt er wohl auch nicht mehr die Chance dazu.

Der vorläufige Formel-1-Kalender 2014 ist voll, viele Rennställe sagen, er ist zu voll. Ecclestone expandiert munter weiter, die Rekordzahl von 22 Läufen soll stattfinden - gut möglich, dass Südkorea noch gestrichen wird. Das gleiche Schicksal ereilte nach der Saison 2011 die Türkei, 2014 wird Indien fehlen. Die Formel 1 zieht weiter, was bleibt, sind die teuren Rennstrecken.

Fragt man Rennpromoter Park, liegen die Chancen auf eine Fortsetzung im Jahr 2014 derzeit bei "50:50. Wir möchten die Veranstaltung sehr gerne behalten." Doch dazu wären Nachverhandlungen nötig: "Wir wollen den Vertrag verbessern und verhandeln mit Mr. Ecclestone", sagt Park. Eine Idee, wie das Rennen attraktiver werden könnte, hat der Veranstalter auch - und macht dabei aus der Not der abgelegenen Strecke eine Tugend: "Ein Nachtrennen wäre doch toll. Die Strecke ist ja weit von der Stadt entfernt - Lärmprobleme hätten wir also nicht."

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