Formel 1: Red Bull-Pilot Webber steigt nach Saison aus WM aus

Formel 1: Red Bull-Pilot Webber steigt nach Saison aus WM aus

Mitten im WM-Kampf hat Mark Webber endlich die Katze aus dem Sack gelassen. Der Australier steigt wie erwartet nach dieser Saison aus der Formel 1 aus und wechselt zu Porsche ins Sportwagenprogramm. Erster Kandidat auf seine Nachfolge als Red-Bull-Teamkollege des deutschen Weltmeisters Sebastian Vettel ist der Finne Kimi Räikkönen.

"Ich freue mich sehr auf diese neue Herausforderung nach meiner Zeit in der Formel 1. Ohne Zweifel wird Porsche sich sehr hohe Ziele setzen. Ich kann es kaum erwarten, einen der schnellsten Sportwagen der Welt zu pilotieren", erklärte Webber am Donnerstag auf seiner Website.

Webber twittert: "Happy boy"

Für den designierten Aussteiger Webber beginnt nach aktuell 203 Grand Prix-Rennen und dem Einstieg in die Königsklasse des Motorsports 2002 schon an diesem Wochenende beim GP von Großbritannien die Abschiedstournee. Von Wehmut aber vorerst keine Spur. "Happy Boy", twitterte der bald 37 Jahre alte Pilot aus Down Under, nachdem er seine Zukunftspläne auf seiner Homepage bekanntgegeben hatte. Für Porsche will er auch bei den legendären 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen, auch dort ist mit Projektleiter Fritz Enzinger sein "Boss" ein Österreicher.

"Es ist mir eine Ehre, Porsche bei seiner Rückkehr in die Top-Kategorie in Le Mans und in die Sportwagen-Weltmeisterschaft zu begleiten und ein Teil des Teams zu sein", erklärte Webber, der damit auch zu seinen Anfängen zurückkehrt; vor seiner Formel-1-Karriere war er bereits zweimal bei dem Motorsport-Klassiker an den Start gegangen.

Allerdings hatte Webber auch einen seiner schwersten Unfälle in Le Mans. 1999 war er in einem Mercedes bei 300 Stundenkilometern in die Luft geschleudert worden und hatte sich mehrmals überschlagen. Er überlebte den spektakulären Crash damals unbeschadet, arbeitete danach aber auf eine Karriere in der Königsklasse hin.

In der Formel 1 hatte er vor elf Jahren mit seinem Heimrennen in Australien in einem Minardi begonnen. Über Jaguar (2003 und 2004) führte ihn sein Weg zu Williams (2005 und 2006) und letztlich zu Red Bull. 2010 und 2011 wurde er WM-Dritter, an Vettel kam er letztlich aber nie wirklich vorbei. Das Verhältnis zum deutschen Überflieger wurde dabei nicht besser.

Keine Liebesbeziehung zwischen Webber und Vettel

Webber, der nicht vor Konflikten zurückschreckt und gern auch unbequem ist, leistete sich mit dem megaehrgeizigen Deutschen Duelle in absoluten Grenzbereichen. Unvergessen ist der Unfall in der Türkei, als Vettel Webber in den Wagen krachte. Und dann auch noch der "gestohlene" Sieg von Vettel in dieser Saison in Malaysia, als er entgegen der ausdrücklichen Teamanweisung den eingebremsten Webber überholte.

Für seinen zehnten Formel-1-Sieg hat Webber nun noch zwölf Rennen Zeit. Am 24. November steht in Sao Paulo der letzte WM-Lauf 2013 auf dem Programm.

Nachfolger gesucht

Mit Webbers Abschied ist nach wochenlangen Spekulationen nun der Kampf um das derzeit begehrteste Cockpit endgültig entbrannt. Red Bull will sich mit der Entscheidung über den künftigen Teamkollegen von Vettel aber Zeit lassen. "Eine Entscheidung über den Nachfolger von Mark Webber wird erst später in der Saison getroffen", teilte der Rennstall am Donnerstag in Silverstone mit. "Wir stehen hinter Marks Entscheidung", versicherte Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Ich bin sicher, Mark hat lange und hart über diesen gewiss sehr schweren Entschluss nachgedacht", fügte der Brite hinzu.

Als heißester Anwärter auf den zweiten Platz neben Dreifach-Weltmeister Vettel im kommenden Jahr gilt dessen Kumpel Räikkönen. "Kimi wäre sicher eine Option, wenn er verfügbar wäre", wurde Horner am Donnerstag von britischen Medien zitiert. Auch Red-Bull-Besitzer Dietrich Mateschitz hatte den Finnen, dessen Lotus-Vertrag zum Saisonende ausläuft, bereits als Kandidaten genannt. Am Freitag bestätigte Horner dann in Silverstone: Lotus-Fahrer Kimi Räikkönen und die beiden Toro-Rosso-Piloten Daniel Ricciardo und Jean-Eric Vergne sind die Anwärter auf das Cockpit des am Saisonende scheidenden Mark Webber. "Unser Fokus richtet sich hauptsächlich auf diese drei Jungs", sagte Horner dem britischen TV-Sender Sky Sports.

Räikkönens aktueller Teamchef Eric Boullier sieht einen Wechsel des Weltmeisters von 2007 jedoch nicht als beschlossene Sache. "Red Bull versucht alles, ihn zu bekommen. Aber ich bin nicht sicher, ob es bequem und logisch für Kimi wäre, dorthin zu gehen", sagte der Franzose. Für Räikkönen sei neben einem siegfähigen Auto auch ein entspanntes Umfeld wichtig. "Wenn er überzeugt ist, dass wir unseren Aufwärtstrend fortsetzen und ein Titelanwärter werden, hat er keinen Grund zu wechseln. Das hat er uns bestätigt", sagte Boullier.

Nach Webbers Abschied bei Red Bull zum Jahresende sind bei drei der fünf Top-Teams der Formel 1 für die kommende Saison Planstellen offen. Auch bei Ferrari läuft der Vertrag von Felipe Massa aus.

Die Situation bei den Top-Rennställen im Überblick:

Red Bull: Kurz vor dem Rennen in Silverstone bestätigte Mark Webber, was alle längst vermuteten. Der 36 Jahre alte Australier wechselt zum Saisonende ins Sportwagenprogramm von Porsche. Sebastian Vettel hat gerade erst seinen Vertrag bis 2015 verlängert. Nun wird ein neuer Teamkollege für den Dreifach-Weltmeister gesucht.

Ferrari: Bei der Scuderia könnte am Saisonende die Zeit von Felipe Massa nach acht Jahren enden. Der Vertrag des Brasilianers läuft aus. Schon länger fährt der 32-Jährige auf Bewährung. Ein Nachfolger müsste allerdings die Zustimmung von Platzhirsch Fernando Alonso finden. Der Spanier ist bis 2016 an Ferrari gebunden.

Mercedes: Im Silberpfeil ist vorläufig kein Platz frei. Lewis Hamilton kam vor der Saison und unterschrieb bis 2015. Auch Nico Rosberg hat sich langfristig verpflichtet. Die Kart-Kumpels gelten als derzeit stärkstes Duo der Formel 1.

Lotus: Kimi Räikkönens Zweijahresvertrag läuft nach der Saison aus. Er gilt als erster Anwärter auf den Platz neben Vettel. Der zweite Lotus-Fahrer Romain Grosjean muss wegen seiner vielen Unfälle um seine Zukunft bangen. Auch sein Kontrakt endet.

McLaren: Jenson Button, Weltmeister von 2009, hat ebenso einen langfristigen Kontrakt wie der Mexikaner Sergio Perez. Button hat bewiesen, was er kann. Perez bringt viele Sponsoren-Millionen. Allerdings könnte die sportliche Talfahrt in dieser Saison das britische Traditionsteams zu Notmaßnahmen zwingen.

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