Fußball: Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Blatter eröffnet

Fußball: Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Blatter eröffnet
Fußball: Strafverfahren gegen FIFA-Präsident Blatter eröffnet

Korruption: Gegen den Noch-FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wird nun ermittelt - hier bei Blatters vorläufig letzten FIFA-Meeting, als er von einem Aktionisten mit Falschgeld beworfen wurde.

In der Korruptionsaffäre des Fußball-Weltverbandes (FIFA) wird jetzt auch gegen FIFA-Chef Joseph Blatter ermittelt. Es geht um den Vertrag aus dem Jahr 2005 über die TV-Rechte mit dem Caribbean Football Union mit deren damaligen Präsidenten Jack Warner. Außerdem geht es in einem zweiten Sachverhalt im Jahr 2011 um eine treuwidrige Millionenzahlung - an den aktuellen UEFA-Präsidenten Michel Platini. Die FIFA bekam Besuch von der Schweizer Bundespolizei, die diverse Unterlagen sicher gestellt hat. DFB-Chef Niersbach ist "fassungslos".

Zürich. Paukenschlag in der Schweiz: Die Bundesanwaltschaft in der Schweiz ermittelt in der Korruptionsaffäre des Fußball-Weltverbandes (FIFA) jetzt auch gegen FIFA-Chef Joseph Blatter. Es sei bereits am Donnerstag "ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung eröffnet" worden, hieß es in einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft am Freitagnachmittag.

In den Fokus der Ermittlungen kommt auch Michel Platini, der aktuelle Präsident der Europäischen Football-Union (UEFA) und Ex-Fußballstar aus Frankreich. Er soll eine treuwidrige Zahlung erhalten haben. Platini will als neuer FIFA-Präsidente bei den komenden Wahlen in den Ring steigen und Blatters Nachfolge antreten. Der umstrittene FIFA-Präsident Blatter wurde bereits einvernommen, hieß es in den nachstehenden Mitteilung der eidgenössischen Bundesstaatsanwaltschaft in Bern.

Die BA hat das Verfahren gegen FIFA-Chef Blatter wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB)" und "Veruntreuung (Art. 138 StGB)" eröffnet. Damit könnte dem 79-jährige Schweizer eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahre Haft oder eine Geldstrafe drohen. Solange Blatter nicht rechtskräftig verurteilt wird, gilt die Unschuldsvermutung.

Die Schweizer Bundesanwaltschaft (BA), die gegen FIFA-Chef Joseph Blatter ein Strafverfahren führt, ist die oberste Ermittlungs- und Anklagebehörde der Eidgenossenschaft. Sie verfolgt besonders schwere Straftaten, die in die Zuständigkeit der Schweizer Bundesgerichte fallen. Dazu gehören organisierte Kriminalität und Terrorismus, aber auch Geldwäsche und Korruption.

Verletzung der Treuepflichten

Gegen Blatter besteht der Verdacht, dass er "am 12. September 2005" mit dem karibischen Fußball-Verband, dessen Präsident damals Jack Warner war, einen für die "FIFA ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat. Andererseits besteht der Verdacht, dass Joseph Blatter auch bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA (...) verstoßen hat", lautete die Begründung für das Strafverfahren.

Blatter hatte damals TV-Übertragungsrechte für die WM-Turniere 2010 in Südafrika und 2014 in Brasilien für 600.000 US-Dollar (533.760,34 Euro) an Warner, damals auch noch FIFA-Vizepräsident und Präsident des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCAF), verkauft. Das geht aus einem Vertrag hervor, den die Sendung "10vor10" des Schweizer Fernsehens SRF vor zwei Wochen veröffentlicht hatte. Warner hat zuletzt mit seinen Aussagen Blatter belastet.

Gemäß den auch auf der Internetseite von SRF veröffentlichten Dokumenten wurde der Vertrag am 12. September 2005 einzig von Blatter für die FIFA und von Warner für den karibischen Fußballverband unterzeichnet. Warner soll die TV-Übertragungsrechte zwei Jahre später nach Schätzungen in Medien für 15 bis 20 Millionen Dollar wieder weiterverkauft haben.

Der Deal mit UEFA-Chef Platini

Daneben wurde von der Staatsanwaltschaft in der Schweiz aber auch noch ein Deal vor viereinhalb Jahren mit UEFA-Chef Michel Platini angeführt: "Zudem wird Joseph Blatter eine treuwidrige Zahlung von zwei Millionen Franken (1,83 Mio. Euro) im Februar 2011 an Michel Platini (...) zu Lasten der FIFA vorgeworfen, angeblich für die zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste."

Deshalb war parallel zu Blatter auch Platini, der sich um die Nachfolge des scheidenden FIFA-Präsidenten beworben hat, "als Auskunftsperson von Vertretern der Bundesanwaltschaft einvernommen" worden.

Die Hausdurchsuchung

Außerdem wurde am Freitag "mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei (BKP) eine Hausdurchsuchung bei der FIFA in Zürich" durchgeführt. "Dabei wurde auch das Büro des FIFA-Präsidenten durchsucht und Datenmaterial sichergestellt".

Die FIFA wollte sich zu all diesen Vorwürfen vorerst nicht äußern. "Wir werden keine weiteren Kommentare abgeben, da es eine laufende Ermittlung ist", lautete die Standardantwort. Man werde aber weiter mit den Schweizer Behörden kooperieren.

"Herr Blatter kooperiert"

Unterdessen hat sich am Freitagnachmittag ein Anwalt Blatters zu Wort gemeldet und ist Vorwürfen der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen den Präsidenten des Weltfußballverbands entgegengetreten. "Herr Blatter kooperiert", sagte Richard Cullen, der Blatter in den USA vertritt der Nachrichtenagentur Reuters. Er sei zuversichtlich, dass sich herausstellen werde, dass der von den Behörden überprüfte Vertrag ordnungsgemäß vorbereitet und von den geeigneten Fifa-Mitarbeitern ausgehandelt wurde, erklärte Cullen. "Es hat sicherlich kein Missmanagement stattgefunden."

Warner belastet Blatter

Die nächste Anhörung über die Auslieferung des ehemaligen FIFA-Vizepräsidenten Jack Warner an die USA ist für 2. Dezember angesetzt worden. Dies teilte das Justizministerium von Trinidad und Tobago am Freitag mit.

Die US-Behörden hatten am 23. Juli dieses Jahres Trinidad und Tobago offiziell um die Auslieferung von Warner ersucht. Der unter Korruptionsverdacht stehende 72-Jährige bestreitet die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und ist derzeit nur gegen eine Kaution von 2,5 Millionen Dollar (2,29 Mio. Euro) in seiner Heimat Trinidad auf freiem Fuß. Das Verfahren kann sich noch mehrere Jahre lang hinziehen.

Warner gehörte von 1983 bis 2011 der Exekutive des Fußball-Weltverbandes (FIFA) an und war auch Präsident des Verbandes von Nord- und Mittelamerika (CONCACAF). Vor vier Jahren war er wegen Betrugsverdachts aus der FIFA ausgeschlossen worden und hatte damals Weltverbandspräsident Joseph Blatter der Korruption beschuldigt.

"Mit keiner Silbe erwähnt"

Wolfgang Niersbach, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), hat sich nach der Aufnahme des Ermittlungsverfahrens der Schweizer Bundesanwaltschaft gegen FIFA-Chef Joseph Blatter "fassungslos" gezeigt. "In der heutigen Exko-Sitzung ist das mit keiner Silbe erwähnt worden", sagte Niersbach.

"Ich habe das FIFA-Gebäude in dem Glauben verlassen, dass sich Sepp Blatter in der angesetzten Pressekonferenz zur aktuellen Lage äußern wird. Erst später habe ich erfahren, dass durch die Schweizer Behörden ein Verfahren gegen ihn eröffnet worden ist. Die Nachricht macht mich fassungslos", erklärte der DFB-Präsident am Freitagabend in einer schriftlich übermittelten Stellungnahme.

Die ursprünglich für Freitagnachmittag angesetzte Pressekonferenz nach der Sitzung der FIFA-Exekutivkomitees war fünf Minuten vor Beginn abgesagt worden.

Erst vor einer Woche war der langjährige Blatter-Vertraute Jerome Valcke als FIFA-Generalsekretär suspendiert worden. Der Franzose wurde nach "einer Reihe von Vorwürfen" von der FIFA vorläufig seines Amtes enthoben. Gegen den Franzosen sind Korruptionsanschuldigungen im Zusammenhang mit der Vergabe von Ticket-Kontingenten laut geworden, er wies diese zurück. Die FIFA gewährte der Schweizer Staatsanwaltschaft schließlich am Donnerstag Einblick in den E-Mail-Verkehr von Valcke.

Die Medienmitteilung zu "Strafverfahren gegen FIFA-Präsident eröffnet" vom Freitagnachmittag im Wortlaut:

"BERN, 25.09.2015 --- Die Bundesanwaltschaft der Schweiz hat gegen den Präsidenten der Federation Internationale de Football Association (FIFA) ein Strafverfahren wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung eröffnet.

Das Verfahren der Bundesanwaltschaft gegen Joseph Blatter wurde am 24. September 2015 eröffnet wegen des Verdachts der ungetreuen Geschäftsbesorgung (Art. 158 StGB) und - eventualiter - wegen Veruntreuung (Art. 138 StGB).

Es besteht dabei einerseits der Verdacht, dass Joseph Blatter am 12. September 2005 mit der CARIBBEAN FOOTBALL UNION (deren Präsident Jack Warner war) einen für die Federation Internationale de Football Association (FIFA) ungünstigen Vertrag abgeschlossen hat.

Andererseits besteht der Verdacht, dass Joseph Blatter auch bei der Umsetzung des Vertrages in Verletzung seiner Treuepflichten gegen die Interessen der FIFA resp. der FIFA Marketing & TV AG verstoßen hat.

Zudem wird Joseph Blatter eine treuwidrige Zahlung von CHF 2 Mio. im Februar 2011 an Michel Platini, Präsident der Union of European Football Associations (UEFA), zu Lasten der FIFA vorgeworfen, angeblich für die zwischen Jänner 1999 und Juni 2002 geleisteten Dienste.

Joseph Blatter wurde am 25. September 2015 von Vertretern der Bundesanwaltschaft der Schweiz im Anschluss an eine Sitzung des Exekutiv Komitees der FIFA als Beschuldigter einvernommen. Michel Platini wurde gleichzeitig als Auskunftsperson (Art. 178 StPO) von Vertretern der Bundesanwaltschaft einvernommen. Die Bundesanwaltschaft führte zudem am 25. September 2015 mit Unterstützung der Bundeskriminalpolizei (BKP) eine Hausdurchsuchung bei der FIFA in Zürich durch. Dabei wurde auch das Büro des FIFA-Präsidenten durchsucht und Datenmaterial sichergestellt.

Für den Präsidenten der FIFA, Joseph Blatter, gilt wie für alle Beschuldigten die Unschuldsvermutung.

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Andre Marty, Informationschef Bundesanwaltschaft"

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