Doping: Kann Usain Bolt eine weiße Weste haben?

Mario Thevis, Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, spircht im Interview mit SID über die jüngsten Dopingfälle in der Leichtatheltik und die Sonderstellung von Bolt.

Doping: Kann Usain Bolt eine weiße Weste haben?

Die Rivalen von Usain Bolt werden der Reihe nach wegen Dopings aussortiert. Nun auch Tyson Gay, schnellster 100-m-Mann der Saison, und Ex-Weltrekordler Asafa Powell, Jamaikas Nummer eins des Jahres. Doch ausgerechnet gegen jenen, der die Sprint-Welt seit fünf Jahren dominiert wie kaum ein anderer zuvor, liegt kein einziges belastendes Indiz vor. Für Mario Thevis, Professor für Präventive Dopingforschung an der Deutschen Sporthochschule in Köln, ist das Bild des "sauberen Bolt" glaubwürdig. Er nahm in einem Interview des Sport-Informations-Dienstes (SID) zur aktuellen Situation Stellung.

Herr Thevis, was ist das Besondere an den jüngsten Dopingfällen um den amerikanischen Ex-Weltmeister Tyson Gay, Asafa Powell und andere Leichtathleten aus Jamaika?

Mario Thevis : Dass zum wiederholten Male Jamaikaner mit Stimulanzien auffielen. Ihr Nutzen ist im Grunde überschaubar, sie können in Kombination mit anderen Mitteln auch keine synergetischen Effekte erzeugen. Stimulanzien sind von der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA als spezifische Substanz kategorisiert worden, die im Training nicht verboten ist, nur im Wettkampf. Es gibt kein klares Strafmaß für Vergehen mit Stimulanzien. Die Sperre, die manchmal nur wenige Monate beträgt, wird aufgrund der Umstände des Falles festgelegt."

Anders ist es bei Tyson Gay, der bei einer Trainingskontrolle erwischt wurde. Und da nach Stimulanzien außerhalb der Wettkämpfe nicht gefahndet wird, muss es ein Mittel sein, das stärker bestraft wird...

Thevis : Das ist anzunehmen. Es muss eine Substanz sein, die jederzeit verboten ist. Auch ich habe noch keine Information darüber, was bei ihm gefunden wurde.

Viele Sportfans können sich nur schwer vorstellen, dass fast alle Rivalen von Usain Bolt schon ein Dopingproblem hatten, nur der sechsmalige Olympiasieger und Inhaber des Fabel-Weltrekordes von 9,58 Sekunden nicht.

Thevis : Er ist oft kontrolliert worden, alle Tests waren negativ. Das ist kein unumstößlicher Beweis, wie man durch die Fälle von Tour-de-France-Sieger Lance Armstrong und Sprintstar Marion Jones weiß. Aber die heutigen Nachweismethoden sind besser als die damaligen. Und: Usain Bolt hat von seiner biomechanischen Grundausstattung her alles, was einen Ausnahmesprinter ausmacht. Das heißt wiederum nicht, dass er nicht auch manipulieren könnte.

Der Sport hat mehrfach Schaden genommen durch spektakuläre Dopingfälle, die das Vertrauen der Fans in die Sauberkeit der Leistung erschütterten. Würde irgendwann auch Usain Bolt erwischt werden, träfe dies den Weltsport und insbesondere die Leichtathletik ins Mark. Wäre es denkbar, dass ein solcher Fall aus Angst vor großem Imageverlust vertuscht würde?

Thevis : Ich glaube, so etwas ist unmöglich - oder eigentlich unmöglich. Gibt es in einem Labor wie bei uns in Köln bei einer Analyse ein positives Resultat, dann werden die betreffenden Verbände informiert, die WADA. Ich glaube, einen solchen Dopingfall könnte man nicht unter den Tisch kehren.

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