Der französische Fußball geht am Stock

Der französische Fußball geht am Stock

Rückläufige Zuschauerzahlen, sinkende TV-Einnahmen, wenige vorzeigbare Stadien: Die französische Ligue1 startet am Freitag mit zahlreichen Problemen in die neue Saison. Die mit Millionen aus Katar und Russland aufgepäppelten Klubs von Paris St. Germain (Meister) und AS Monaco (Aufsteiger) versperren drei Jahre vor der Heim-EM den Blick auf die triste Realität. Der französische Profifußball geht am Stock.

Betrugen die Fernseheinnahmen in der Saison 2011/12 noch 668 Millionen Euro sind sie nun auf 605 Millionen gesunken. Der Besucherschnitt sackte in der vergangenen Saison auf 19.240 pro Spiel ab - und wurde durch Paris (40.000) und Marseille (30.000) noch gechönt. Die Aussichten sind trübe. Aufsteiger Monaco verzeichnete in Liga zwei lediglich 5200 Zuschauer im Schnitt.

Veraltete Stadien und steigende Gewalt halten die Fans vom Besuch der Spiele ab. Frankreich hat es vor der WM 1998 versäumt, die Stadien zu modernisieren. Nur der Prestigebau Stade de France wurde in Paris umgesetzt. Die Modernisierung soll jetzt zur EM 2016 nachgeholt werden. In Lyon wurde nach jahrelangem Ringen gegen Bauern und Natürschützer Ende Juli der Grundstein für einen von der Allianz-Arena inspirierten Neubau für 58.000 Fans gelegt. Die jüngsten sportlichen Leistungen des ehemaligen Serienmeisters Olympique Lyon lassen aber nicht darauf hoffen, dass das Fassungsvermögen der Arena ausgenutzt wird.

Auch das Thema Gewalt spielt eine Rolle. Im Frühjahr prügelten sich an einer Mautstelle weit weg von beiden Städten Marseille- und Lyon-Fans, deren Busse sich zufällig begegneten. Bei Risiko-Spielen ist der Verkauf von Karten an Gäste-Fans ohnehin verboten. Immer häufiger setzt die Polizei aus Sicherheitsgründen andere Anstoßzeiten fest, als vom Fernsehen und der Liga vorgesehen.

Reichensteuer belastet die Ligue1

Die Ligue1 muss sich zudem mit weiteren Problemen auseinandersetzen. Die von Präsident Francois Hollande angekündigte Reichensteuer von 75 Prozent ab Jahreseinkommen über einer Million Euro bereitet Sorge. Die Vereine verlangen Sonderregelungen. In Frankreich werden die meisten Verträge auf Netto-Basis abgeschlossen. Das führt dazu, dass die Reichensteuer die Vereine belastet - außer Monaco. Der Verein muss laut einem Gesetz von 1869 nur für französische Spieler das französische Steuer- und Sozialrecht anwenden; für Ausländer gelten Vergünstigungen. Deshalb verlangen die 19 Konkurrenten, dass Monaco seinen Geschäftssitz verlegen muss. Ein Gerichtsverfahren ist anhängig.

Um die Brisanz zu verdeutlichen: Paris St. Germain, dessen katarische Eigentümer parallel zu PR-Zwecken gleich auch zwei Pay-TV-Sender gegründet haben, um den französischen Fußball am Leben zu erhalten, veranschlagen ein Jahresbudget von 400 Millionen Euro (ohne Transfers), Monaco von 130 Millionen. Paris investierte zudem 64 Millionen Euro in Edinson Cavani vom SSC Neapel. Bei dieser Summe setzt Präsident Nasser al-Khalafi den neuen Trainer Laurent Blanc schon einmal unter Druck: "Wir wollen in vier Jahren Champions-League-Sieger sein."

Kaum anders verhält sich Dimitri Rybolowlew beim Aufsteiger Monaco mit Trainer Claudio Ranieri. Nachdem er bereits 146 Millionen für fünf neue Spieler ausgegeben hat (u.a. Falcao von Atletico Madrid für 60 Mio) verlangt er die Qualifikation für die Königsklasse.

Da ist der einst größenwahnsinnige Verein Olympique Marseille bescheidener geworden. Er hat den französischen Jugendmarkt (U20-Weltmeister) abgegrast mit der Verlockung, als Vizemeister in der Champions League spielen zu können. In der Hoffnung, die Talente in einigen Jahren teuer verkaufen zu können, hat Marseille insgesamt bislang 19 Millionen Euro für Transfers ausgegeben. Präsident Vincent Labrune: "Wir haben jahrelang über unsere Verhältnisse gelebt. Jetzt haben wir uns Borussia Dortmund als Vorbild genommen. Die haben auch vor drei Jahren mit der Jugend angefangen."

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