Davis-Cup: ÖTV-Konflikt um Jungstar Dominic Thiem

Neben den fix genannten Jürgen Melzer, Andreas Haider-Maurer, Alexander Peya und Julian Knowle fliegt Sparringpartner Philipp Oswald mit nach Holland. ÖTV-Kapitän Clemens Trimmel hätte allerdings lieber den seit Dienstag 20-jährigen Jungstar Dominic Thiem mitgenommen.

Davis-Cup: ÖTV-Konflikt um Jungstar Dominic Thiem

In einem Gespräch zwischen Trimmel und Thiem-Trainer und -Manager Günter Bresnik zuletzt bei den US Open in New York stellte Letzterer allerdings klar, dass Thiem nicht zur Verfügung steht. Während Trimmel in diversen Interviews aber meint, dass Bresnik zusätzliches Geld verlangt habe, damit sein Schützling Davis Cup spiele, geht es laut Bresnik um alte, nicht bezahlte Fördergelder, die mit dem Davis Cup eigentlich nichts zu tun haben.

"Es gibt zwei Sachen: Die eine ist, Davis Cup spielen, die andere ist diese Fördergeschichte. Dominic hat nie eine Förderung bekommen. Dass der Dominic die letzten fünf Jahre als bester Jugendlicher nie einen Cent gesehen hat, ist ein Fakt", sagte Bresnik am Mittwoch im Gespräch mit der APA - Austria Presse Agentur. Grundsätzlich, so Bresnik, wäre Thiem rein sportlich gesehen derzeit ohnehin kein Thema, "weil sich Haider-Maurer und Melzer selbst aufgestellt haben. Das finde ich auch in Ordnung." Nur als Trainingspartner möchte er Thiem aber nicht zum Länderkampf schicken.

"Dominic hat heuer mit Krankheit und Verletzung drei Monate verloren, der muss Turnier spielen. Ob er jetzt dort zuschaut und klatscht, ist bedeutungslos", so Bresnik. Allerdings gibt es seit Jahren Streitigkeiten, um jene vom ÖTV nicht bezahlten Fördergelder an den Niederösterreicher. Der ÖTV hat der großen Nachwuchshoffnung, der im Ranking zuletzt schon auf Platz 216 geklettert ist, zwar zuletzt einen angebotenen Förder-Vertrag in Höhe von 30.000 Euro plus 10.000 Euro Reisekosten vorgelegt.

Dominics Vater, Wolfgang Thiem, erklärte dazu zur APA: "Das Hauptproblem ist, dass sie es daran gebunden haben, dass er sich karriere-lang verpflichten muss, Davis Cup zu spielen." Es sei schon alles fix und fertig gewesen, man hätte eine Verpflichtung für drei Jahre unterschrieben, die sich jedes Jahr (mit einer neuerlichen Förderung) um ein weiteres Jahr verlängert hätte.

Bresnik fordert den Verband auf, sich etwas auszudenken, wie man das in Ordnung bringt. "Ich habe nicht erfunden, dass sie Davis Cup und Förderung miteinander verbinden." Bresnik kritisierte die Verteilung der Fördermittel für den Nachwuchs in der Vergangenheit. "Viele Spieler, die unter der Schaller-Ära (Vorgänger von Trimmel, Anm.) gefördert wurden, spielen gar nicht mehr. Da wurde Geld verbraten. Und dann kreidet man dem Dominic an, dass er Geld will."

Auch ein Twitter-Beitrag von Jürgen Melzer ("Ich bin ziemlich enttäuscht" mit Link auf eine Thiem-kritische Geschichte) stößt Bresnik sauer auf. "Ich finde es unverständlich von einem Spieler, der die Interna nicht kennt, dass er über Dinge urteilt, von denen er nichts weiß. Das halte ich für patschert, vor allem für jemand, der so lange dabei ist wie er. Er ist wahrscheinlich auch schlecht informiert worden", erklärte Bresnik in Richtung Melzer.

So wie es von Trimmel am Dienstag dargestellt wurde, dies sei einfach falsch. "Er spielt nicht Davis Cup, weil er nicht in der Mannschaft ist. Er (Trimmel, Anm.) braucht keine sportliche Entscheidung mit wirtschaftlichen Dingen begründen. Das ist schwachsinnig."

Für Bresnik müsste die Förderung aufhören, wenn einer Top 100 wird, oder eben altersbedingt. Aber in Thiems Fall gehe es ja um eine rückwirkende Förderung: "Es ist immer aufgeschoben worden, die Eltern haben ja das Geld ausgegeben."

Der Standardvertrag für den Davis Cup selbst sei übrigens völlig in Ordnung. "Den haben Michael Wrann und ich gemeinsam mit Ronnie Leitgeb 1987 ausgehandelt, der ist voll in Ordnung", behauptete Bresnik. Einen Vorwurf in Richtung ÖTV-Präsident Leitgeb gab es übrigens nicht. "Ronnie ist der einzige, mit dem man normal reden kann, der ist leider momentan andersweitig beschäftigt."

Trimmel blieb am Mittwoch gegenüber der APA aber bei seinen Aussagen vom Vortag. "Es gibt normale Standardverträge für alle Davis-Cup-Spieler und es wurde zusätzliches Geld verlangt. Ich möchte das ganz klar trennen, das sind zwei Paar Schuhe, da geht es darum, dein Land zu vertreten und für das Team zu spielen. Ich kenne die Verträge nicht auf Punkt und Beistrich, aber habe einen ungefähren Überblick."

In Sachen Förderung liege ein Förderangebot auf dem Tisch, wo "natürlich auch eine Davis-Cup-Vereinbarung drinnen steht. Mein Ansatz ist der, wenn jemand gefördert wird, dann soll er logischerweise auch Davis Cup spielen." Während Trimmel die Förderungen also mehr oder weniger als zusätzliche Zahlungen verkauft, pocht Bresnik auf alte Förderungen - und hätte Thiem als Sparringpartner ohnehin nicht mit nach Holland geschickt.

"Ich finde das sehr traurig, den vom Gefühl her, will er Davis Cup spielen. Ich mag den Dominic, das ist ein irrsinnig netter Kerl, ein riesiges Talent. Wenn er sich nicht verletzt, wird er seinen Weg machen." Aber auch ein Marko Arnautovic könne nicht zu Teamchef Marcel Koller gehen und sagen, 'Trainer, ich spiele nur, wenn ich Geld aus der Vergangenheit kriege, weil ich nie gefördert wurde", sagte Trimmel - und ergänzte. "Und selbst wenn nicht, der Verband ist ja nicht verpflichtet, Leute zu fördern. Wir sind ja kein Sponsor, wir versuchen die Fördermittel so gut wie möglich einzusetzen." Die Tür für Thiem sei aber keineswegs verschlossen. "Dafür ist mir der Spieler und Mensch Dominic Thiem zu wichtig."

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