Brasilien: Milliarden für die WM, kein Geld für Spitäler und Schulen

Brasilien: Milliarden für die WM, kein Geld für Spitäler und Schulen

Der Confed-Cup sollte die Generalprobe für die Fußball-WM nächstes Jahr in Brasilien sein. Doch die Bevölkerung hat genug von Korruption und Milliarden-Ausgaben für Mega-Events. Es kommt in vielen Städten zu Demonstrationen, die größtenteils friedlich verliefen.

Brasilien erlebt eine der massivsten Protestwellen seiner Geschichte - ausgerechnet zum Confederations Cup, der Generalprobe für die Fußball-WM im nächsten Jahr. Geschätzt über 200.000 Menschen nahmen in der Nacht zum Dienstag in mehr als zehn Städten des Landes an weitgehend friedlichen Demonstrationen teil. Ursprünglich als Protest gegen Fahrpreiserhöhungen im Nahverkehr begonnen, richtet sich der Unmut der Demonstranten mittlerweile allgemein gegen Korruption und die Milliardenausgaben der Regierung für die anstehenden Sport-Großereignisse.

Allein in Rio beteiligten sich nach Medienberichten bis zu 100.000 Teilnehmer an einem Protestzug. Hunderte zum Teil vermummte Randalierer griffen das Regionalparlament in der Stadt am Zuckerhut an. Die steckten ein Auto in Brand, warfen Steine auf das Gebäude und rissen Absperrungen um.

"Der Kongress ist unser"

Die Proteste begannen kurz vor Einbruch der Dunkelheit. In der Hauptstadt Brasília versammelten sich Tausende Demonstranten vor dem Nationalkongressgebäude, das durch die avantgardistische Architektur von Oscar Niemeyer weltbekannt ist. Hunderte junge Menschen drangen auf ein Zwischendach des Kongresses vor, wo Brasiliens Senat und das Abgeordnetenhaus ihren Sitz haben.

Sie besetzten das Dach stundenlang, feierten ihren Erfolg mit Liedern und schwenkten brasilianische Flaggen. "Der Kongress ist unser", riefen sie. Einige Demonstranten versuchten, in das Gebäude einzudringen. Der Präsidentenpalast Palácio do Planalto wurde massiv von Sicherheitskräften abgeschirmt. Befürchtete Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Polizei blieben zunächst aus.

Keine Parteien nötig?

In São Paulo, der mit elf Millionen Einwohnern größten Stadt Brasiliens, zogen nach Schätzungen über 60.000 Demonstranten durch die Stadt. Die Polizei sprach von etwa 50.000 Teilnehmern. "Das Volk vereint regiert ohne Parteien", riefen dort die Demonstranten. In São Paulo hatte sich der Protest vorige Woche an der Anhebung von Fahrpreisen für Bustickets entzündet. Bei vorherigen Aktionen war es zu massiven Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen. Am Montag hielten sich die Sicherheitskräfte dagegen auffallend zurück.

In Rio riefen die Demonstranten: "Rio wird stillstehen, wenn die Stadt die Preise nicht verringert." Auf Plakaten forderten sie ein "besseres Brasilien", ein Ende der Korruption und mehr Geld für Hospitäler, Schulen und Universitäten. "Ich lass' die WM sausen und will mehr Geld für Gesundheit und Bildung", skandierten die Teilnehmer der Demonstration, zu der vor allem in Sozialen Netzwerken im Internet aufgerufen worden war.

Politiker reagieren

Auch in Porto Alegre, Belo Horizonte und Salvador gab es Aktionen mit Tausenden Teilnehmern. In Porto Alegre entfachten die Demonstranten Feuer auf der Straße, in São Paulo wurde eine Brücke besetzt, in Belo Horizonte setzte die Polizei Trängengas ein. Über Verletzte gab es keine Angaben.

Staatspräsidenten Dilma Rousseff äußerte in einer ersten Reaktion Verständnis für "friedliche Demonstrationen". Diese seien legitim und gehörten zur Demokratie. Damit meinte sie aber ausdrücklich nicht die Randale vor dem Regionalparlament von Rio. Dessen Präsident, Paulo Mello, fand klare Worte für die Attacken der Vermummten, die er als "Akt des Terrorismus" bezeichnete.

Rousseff sieht ihr Land durch die Massenproteste sogar gestärkt. "Brasilien ist heute stärker aufgewacht. Die Großartigkeit der Demonstrationen von Montag haben die Energie unserer Demokratie bewiesen", sagte sie am Dienstag in Brasília.

Es sei gut, so viele Jugendliche und Erwachsene zu sehen, die mit Brasiliens Flagge in der Hand und die Nationalhymne singend ein besseres Brasilien verteidigten. Ihre Regierung höre diese Stimme, die nach Veränderungen riefen.

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