Austria Wien in der Champions League: "Nicht auf Touristenfahrt"

Austria Wien in der Champions League: "Nicht auf Touristenfahrt"

Nach dem packenden Spiel in Wien dürfen sich die Wiener auf finanzielle Höhenflüge einstellen - aber auch sportlich soll die Champions League nicht nur ein Ausflug in die Oberklasse werden.

Am Dienstagabend flossen bei der Austria die Freudentränen, nach dem Abpfiff des Spiels gegen Dinamo Zagreb brachen alle Dämme. "Da sind jede Menge Lebensträume in Erfüllung gegangen", sagte Kapitän Manuel Ortlechner, während Goalie Heinz Lindner, Mittelfeldspieler Marko Stankovic und auch Trainer Nenad Bjelica mit feuchten Augen den Einzug in die Gruppenphase der Champions League bejubelten. "Der Fußballgott hat auf uns runtergeschaut", meinte Stankovic. Denn spannender hätte es die Austria kaum machen können. Das Play-off-Duell wurde zu einer Nervenschlacht, in der die Austria zuerst einen Dreitorevorsprung verjuxte und dann doch noch ein sensationelles Comeback hinlegte. Die 2:3-Niederlage war genug, um nach dem 2:0-Auswärtserfolg in die "Königsklasse" einzuziehen.

"Alles geboten"

"Dieses Spiel hat gezeigt, wie bitter und gleichzeitig geil Fußball sein kann. Dieses Match hat alles geboten, was ein Fußballspiel bieten kann", war auch Ortlechner begeistert. "Die letzten drei Minuten waren die längsten drei Minuten meines Lebens", gestand der 33-Jährige nach der mitreißenden Partie.

Der Lohn für Ortlechner und Co. ist gewaltig, sportlich und finanziell. "Das ist die schönste und beste Hymne der Sportwelt. Und sie wird sechs Mal für uns gespielt", konnte es Ortlechner kaum glauben. Stankovic wusste, dass diese Truppe, die es erstmals für die Austria in die "Millionenliga" geschafft hat, in die Clubgeschichte eingehen wird. "Da stehen wir jetzt für immer und ewig drinnen, das ist unglaublich." Mittelfeldakteur Florian Mader muss sich an den Gedanken, dass er jetzt selbst Teil der Champions-League-Abende sein wird, erst gewöhnen: "Wir sitzen nicht daheim mit der Pizza auf der Couch, sondern sind live auf dem Rasen dabei. Das wird etwas Unvergessliches werden."

Ein "Riesenfelsbrocken" ist Tormann Lindner mit dem Schlusspfiff und mit der Erfüllung eines Kindheitstraums vom Herzen gefallen. "So etwas muss man emotional erst einmal verkraften. Das war ein unglaubliches Spiel. Ich glaube, da sind auf der Tribüne einige graue Haare dazugekommen." Über fußballerische Detailfragen wollte sich in den Katakomben der Generali Arena keiner unterhalten. Dass Dinamo im Rückspiel teilweise haushoch überlegen war, bezeichnete nicht nur Philipp Hosiner kurz und knapp als "scheißegal". "Es ist vielleicht nicht die bessere Mannschaft weitergekommen. Aber die, die es mehr wollte", meinte Stankovic angesichts der großen Leidenschaft der Violetten.

Hochmut kommt vor dem Ausscheiden

"Die schönste Niederlage aller Zeiten" war es für Wirtschafts-Vorstand Markus Kraetschmer: "Dieser Abend geht in die Geschichte ein." Trainer Nenad Bjelica war klar, dass die Austria vom Hochmut Dinamos im Hinspiel entscheidend profitiert hat. "Wir haben gewusst, dass unsere einzige Chance ist, dass uns Dinamo unterschätzt. Das haben wir in Zagreb entscheidend ausgenützt. Zum Glück hat der Vorsprung gereicht."

Bjelica bedankte sich auch bei Meistermacher Peter Stöger für die geleistete Arbeit. Und Stöger, mittlerweile beim 1. FC Köln unter Vertrag, meldete sich am Mittwoch via Facebook zu Wort: "Was war das für ein Abend, wirklich unglaublich. Bis zum Schluss habe ich in Köln mitgezittert und bin stolz, dass sich die Meisterjungs nachträglich mit der Champions League belohnt haben. Sportlich und wirtschaftlich ist das großartig."

Häupl gratulierte

Überglücklich, aber sichtlich mitgenommen war Austrias Edelfan Michael Häupl nach dem Schlusspfiff. "Ich glaube, dass die Nerven der Zuschauer mehr strapaziert wurden als die der Spieler. Dass ein österreichischer Verein in der Gruppenphase der Champions League spielt, kann man jetzt noch gar nicht hoch genug einschätzen", freute sich Wiens Bürgermeister.

Als staunende Debütanten wollen sich die Austrianer keinesfalls in der "Königsklasse" präsentieren. "Wir sind sicher nicht auf Touristenfahrt. Wir wollen so viel wie möglich mitnehmen. Schauen wir einmal, was heuer noch alles passiert", sagte Ortlechner. "Wer die Mentalität unseres Trainers kennt, der weiß, dass wir sicher nirgends hinfahren werden, nur um einen schönen Städtetrip zu machen. Wir wollen so viel wie möglich mitnehmen."

Geldregen, Geldsegen

"Jetzt gehen wir nicht mehr in die Kreditabteilung, sondern in die Festgeldabteilung. Und das wird ein Spaß", freute sich Austria-Präsident Wolfgang Katzian. Der Gewerkschafter stellte jedoch klar, dass das negative Eigenkapital aus sehr gutem Grund entstanden sei. "Wir haben in den vergangenen Jahren sehr viel in die Infrastruktur investiert, und darauf sind wir sehr stolz. Den Schulden stehen Werte gegenüber, wir haben sehr viel geschaffen. Es war ja nicht so, dass wir uns einen schönen Tag gemacht und das Geld beim Fenster hinausgeschmissen haben."

Alleine 8,6 Millionen Euro Startgeld überweist die UEFA nach Wien-Favoriten. In der "Königsklasse" warten zudem fette Einnahmen in den Bereichen Ticketverkauf, TV-Gelder und Merchandising. Die Kosten für die Miete des Ernst-Happel-Stadions, die sich nach der Zahl der Zuschauer richtet, könnten die Austrianer da locker verkraften. Sollten sich dann auch noch sportliche Erfolge einstellen, würde der Geldregen munter weitergehen. Für einen Sieg gibt es eine Million Euro (in der Europa League 200.000 Euro), für ein Unentschieden 500.000 Euro (Europa League 100.000 Euro).

Investitionen in die Infrastruktur

Unterm Strich könnten am Ende des Abenteuers Champions League für die Violetten bis zu 15 Millionen Euro herausschauen. Wirtschaftsvorstand Markus Kraetschmer, der nach dem Ausstieg von Frank Stronach im Jahr 2007 vor einem großen Haufen Problemen gestanden war, versicherte aber trotz der nun prall gefüllten Kasse: "Wir verfallen sicher in keinen Kaufrausch." Der in den vergangenen Jahren eingeschlagene Weg, die Vereinsinfrastruktur (vor allem Stadion und Akademie) Schritt für Schritt zu verbessern, werde weiterverfolgt. "Wir haben im Stadion viel vor." Die offene Ecke zwischen Süd- und West-Tribüne der Generali-Arena wird wohl geschlossen, die Nord-Tribüne modernisiert. Zudem wird man an der Verbesserung der Stadionzufahrt arbeiten, die violette Nachwuchs-Akademie bekommt ebenfalls einen dicken Batzen Geld ab.

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