Austria Wien vor dem

Austria Wien vor dem

21 Jahre nach seiner Unabhängigkeit hat Bosnien-Herzegowina den erstmaligen Sprung zu einem Fußball-Großturnier endlich geschafft.

67 Minuten mussten die "Zmajevi" (Drachen) am Dienstagabend in Kaunas zittern, ehe Vedad Ibisevic beim 1:0 gegen Litauen der entscheidende Treffer zum Sprung zur WM nach Brasilien 2014 gelang. 5.000 mitgereiste Anhänger sowie Zehntausende Fans zu Hause feierten den historischen Erfolg ausgelassen. In Sarajevo erhellten Feuerwerke den Nachthimmel, Autocorsos wälzten sich durch die Straßen.

Die WM-Teilnahme soll auch eine die Völker verbindende Wirkung haben. Kein anderes Land im ehemaligen Jugoslawien war stärker vom blutigen Bürgerkrieg in den 1990er Jahren betroffen als Bosnien, die Arbeitslosenrate beträgt aktuell 28 Prozent. Muslime, Serben und Kroaten sind in dem aus mehreren Teilen zusammengesetzten Staat immer noch zerstritten. Auch vor der entscheidenden Partie im Baltikum waren nicht alle Einwohner Fans des Nationalteams.

Während Muslime und Bosniaken dem Match gespannt entgegen blickten, hielten sich die Emotionen bei Serben und Kroaten in Grenzen. Die meisten bosnischen Serben unterstützen das serbische Nationalteam, die Reaktion in der "Republika Srpska" auf die WM-Qualifikation soll "kälter als kühl" gewesen sein, wie Beobachter am Mittwoch schrieben. Ähnlich verhält es sich im westlichen Teil des Landes. Dort leben die bosnischen Kroaten: Sie interessieren sich vor allem für die im WM-Play-off stehende kroatische Nationalelf.

Die Mannschaft um die Top-Torjäger Ibisevic (8 Quali-Tore) und Edin Dzeko (10) soll dem zum Trotz als Vorbild für den gemeinsamen Zusammenhalt dienen. "Dieser Sieg reicht über die Grenzen des Sports hinaus und zeigt allen Menschen mit gutem Willen in unserem Land, dass eine bessere Zukunft möglich ist", meinte der in Kaunas weilende Hohe Repräsentant in Bosnien-Herzegowina, der österreichische Diplomat Valentin Inzko, gegenüber dem bosnischen TV-Sender FACE TV.

Bei einem Unentschieden oder einer Niederlage wäre Bosnien-Herzegowina das Play-off der Gruppenzweiten nicht erspart geblieben. Diesen Umweg wollte das mit namhaften Legionären wie Ibisevic (Stuttgart), Dzeko (Manchester City) oder Miralem Pjanic (AS Roma) gespickte Team von Trainer Safet Susic unbedingt verhindern. Mit dem Play-off hat man in der jüngeren Vergangenheit keine guten Erfahrungen gemacht: Vor der WM 2010 und der EM 2012 schied man in der Hoffnungsrunde jeweils gegen Portugal aus.

"Es wäre eine wirkliche Ungerechtigkeit gewesen, wenn wir es nicht geschafft hätten", sagte der ehemalige jugoslawische Internationale Susic. Der zweifache WM-Teilnehmer konnte seine Tränen bei einer improvisierten Pressekonferenz nach der Ankunft in Sarajevo gerade noch im Zaum halten. "Das ist die Belohnung für die harte Arbeit der vergangenen Jahre. Und es ist verdient, wenn man 30 Tore in zehn Spielen erzielt", sagte der 58-Jährige, ehe es mitten in der Nacht im offenen Bus ins Stadtzentrum ging.

Dem bosnischen Triumph eine besondere Würze gibt, dass Serbien, Montenegro, Slowenien und Mazedonien in den anderen Qualifikations-Gruppen scheiterten. Kroatien darf immerhin in der Relegation hoffen. Zumindest für ein paar Wochen sind die von den Nachbarn lange belächelten Bosnier auf einmal die fußballerische Nummer eins unter den ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken. Auch in Brasilien im kommenden Jahr soll dies veranschaulicht werden. "Wir werden zeigen, wie stark Bosnien ist", sagte Star Dzeko.

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