Arsenal: Aus den Gunners werden deutsche Kanoniere

Serge Gnabry schien beim FC Arsenal der "unsichtbare Vierte" in der deutschen Kolonie zu werden. Doch der Jungstar hat sich ins Rampenlicht gespielt.

Arsenal: Aus den Gunners werden deutsche Kanoniere

Als Serge Gnabry nach der "besten Woche meines Fußball-Lebens" dem Klub-Fernsehen Rede und Antwort stand, war weder ein schwäbischer Akzent noch ein Anflug von Großspurigkeit herauszuhören. "Es wäre großartig, wieder zu spielen. Aber das ist natürlich die Entscheidung des Trainers", antwortete der gebürtige Stuttgarter in Diensten des FC Arsenal ganz artig und in bestem Englisch auf die Frage, ob er denn mit einem weiteren Einsatz am Dienstag in der Champions League gegen den SSC Neapel (20.45 Uhr/Sky) rechne.

Dabei könnte der 18 Jahre alte Jungstar der Gunners durchaus Ansprüche stellen. Schließlich hat sich der Sohn einer Schwäbin und des ivorischen Ex-Nationalspielers Jean-Hermann Gnabry am Samstag in die Geschichtsbücher seines Klubs eingetragen. Durch seinen Treffer im Spiel bei Swansea City (2:1) wurde der in Böblingen aufgewachsene deutsche U19-Nationalspieler zum zweitjüngsten Arsenal-Torschützen (18 Jahr und 76 Tage) in der Geschichte der Premier League. Nur Cesc Fàbregas (17/113) war noch jünger.

Ein Traum geht in Erfüllung

"Von diesem Moment habe ich immer geträumt", sagte Gnabry, der vor allem Teammanager Arsène Wenger dankte: "Er hat an mich geglaubt. Das hat mir sehr viel Selbstvertrauen gegeben." Der Coach selbst konnte es gar nicht so richtig fassen, dass nun auch noch der fünfte Deutsche in den Reihen des englischen Spitzenreiters (neben Mesut Özil, Per Mertesacker, Lukas Podolski und Thomas Eisfeld) für Furore sorgt.

"Als ich bei Arsenal angefangen habe, war Serge ein Jahr alt - das ist kaum zu glauben", sagte der Trainer der "German Gunners" über den Offensivspieler, der im Sommer 2011 als B-Jugendlicher für eine Ausbildungsentschädigung in Höhe von 100.000 Euro vom VfB Stuttgart nach London gewechselt war: "Er überrascht mich. Er hat Talent, aber auch die Persönlichkeit auf dem Platz - leider ist auch er Deutscher und kein Engländer."

Große deutsche Fraktion

Doch gerade seine Herkunft bringt Gnabry beim 13-maligen englischen Meister derzeit richtig nach vorne. "Es hilft mir sehr, dass wir mittlerweile eine große deutsche Fraktion haben. Die anderen Jungs sprechen sehr viel mit mir", sagte das "German Wunderkind". Mentor Mertesacker ist jedenfalls voll des Lobes für seinen jungen Teamkollegen. "Er hat sehr viel Potenzial. Da wir viele Verletzte haben, ist das jetzt genau der richtige Moment für ihn, um zu zeigen, was er kann", sagte der Nationalverteidiger: "Er kann sich mit seinen Toren, seinen Vorlagen und seiner guten Defensivarbeit präsentieren."

Wie man sich abseits des Platzes präsentiert, weiß Gnabry natürlich auch. Bei Twitter hat der Deutsch-Ivorer, der im Juli 2012 einen Dreijahresvertrag bei Arsenal unterschrieben hat, 106.000 "Follower". Auf Facebook versorgt Gnabry, der auf der Startseite mit seiner Freundin abgelichtet ist, mehr als 12.000 Nutzer mit Neuigkeiten. So weiß der geneigte Leser immerhin, dass Gnabry am liebsten hinter den Spitzen spielt, Zinedine Zidane sein Vorbild und Landsmann Eisfeld sein bester Freund im Team ist - außerdem möchte er von Özil noch viel lernen.

Lernphase überstanden

Viel gelernt hat Gnabry, der mit den Gunners in der Champions League auch auf Borussia Dortmund trifft, bereits im zurückliegenden Jahr. Als zweitjüngster Spieler der Arsenal-Geschichte hatte er sein Ligadebüt gefeiert und war auch in der Champions League beim 0:2 gegen Schalke 04 zum Einsatz gekommen. Danach wurde es aber wieder ruhiger um Gnabry, der als Kind zum ersten Mal für den TSV Weissach dem Ball hinterher lief. Eine Rückenverletzung bremste Gnabry aus, er wurde in die Reservemannschaft zurückversetzt.

Doch nun scheint Gnabry, der enorm schnell ist, beidfüßig schießen kann und über eine überragende Ballsicherheit verfügt, seinen Durchbruch geschafft zu haben. Nach zwei Toren beim Auftakt der Youth-Champions-League bei Olympique Marseille wurde er zunächst im Ligaspiel gegen Stoke City eingewchselt, im Ligapokal gegen West Bromwich Albion (5:4 n.E.) stand er in der Startelf. Dort spielte Gnabry über 120 Minuten und trat auch später beim Elfmeterschießen an. Dass er als einziger Arsenal-Schütze vergab, bremste seinen Aufschwung nicht.

Vielleicht kann Gnabry bald sogar weitere Landsleute bei Arsenal begrüßen. Lars Bender soll angeblich für 24 Millionen Euro von Bayer Leverkusen kommen. Zudem haben sich die Berliner Leander Siemann (17) und Gedion Zelalem (16) in der "Academy" des Klubs schon einen Namen gemacht.

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