Affenschreie im Moskauer Stadion: FIFA muss handeln

Affenschreie im Moskauer Stadion: FIFA muss handeln

Yaya Touré, Nationalspieler der Elfenbeinküste und am Mittwoch Kapitän von Manchester City, muss sich bei ZSKA Moskau Affengeschrei anhören. Seine Reaktion ist emotional.

Yaya Touré zeigte empört auf die Schreihälse in der Moskauer Fankurve, auf seiner Kapitänsbinde stand es weiß auf blau: "Nein zu Rassismus." Doch der Toleranz-Slogan der Europäischen Fußball-Union (UEFA) war für den Nationalspieler der Elfenbeinküste an diesem Abend ein einziger Hohn.

Immer wieder musste sich der dunkelhäutige Mittelfeldspieler von Manchester City beim 2:1-Erfolg in der Champions League bei ZSKA Moskau Affengeschrei anhören - und das am Aktionstag der UEFA gegen Rassismus. Der Vorfall wird höchstwahrscheinlich Konsequenzen für den russischen Double-Gewinner haben und wirft ein schlechtes Licht auf das Land, das 2018 die WM ausrichten wird.

"Ich bin nicht nur enttäuscht, ich bin wütend", sagte Touré nach dem Abpfiff am Mittwoch. "Das ist unglaublich und sehr traurig. Ich als Kapitän trage diesen Spruch auf dem Arm, ich bin vollkommen niedergeschlagen. Die UEFA muss jetzt handeln, sonst werden Spieler mit meiner Hautfarbe immer wieder in der gleichen Position sein", sagte er und forderte eine harte Strafe: "Vielleicht können sie das Stadion für ein paar Spiele schließen - oder für ein paar Jahre!"

Von Ermittlungen der UEFA ist auszugehen. Auf SID-Anfrage teilte der Kontinental-Verband zwar am Donnerstagvormittag mit, weder der offizielle Spielbericht noch eine (bereits angekündigte) Beschwerde von City lägen vor. Doch es wäre überraschend, sollte Schiedsrichter Ovidiu Hategan die Schmähungen in seinem Bericht nicht vermerkt haben - denn noch während des Spiels hatte Touré sich beim Rumänen beklagt. "Ich habe ihn informiert", sagte er. Eine UEFA-Sprecherin sagte dem SID: "Wenn es im Spielbericht steht, werden wir handeln."

Touré konnte die Anfeindungen, die in Russland alles andere als eine Seltenheit sind, kaum fassen. "Das ist sehr, sehr, sehr schade. Als afrikanischer Spieler ist es immer schlimm, so etwas zu hören", sagte er. Bei Twitter fügte er hinzu: "Ich glaube an die Fußball-Institutionen. Ich weiß, die Entscheider werden ihrer Verantwortung gerecht werden und Rassismus die Rote Karte zeigen. Fußball hat nichts mit Hautfarbe, Religionen oder Staatsgrenzen zu tun." City-Trainer Manuel Pellegrini nannte die Angriffe "tragisch für Yaya und eine Schnade für diese Stadt".

Es dauerte nicht lange, bis der Fall eine größere Dimension annahm. Vize-Präsident Jim Boyce von Weltverband FIFA erinnerte Russland im einem BBC-Interview deutlich an dessen Pflichten. "Der russische Verband muss gemeinsam mit der Regierung sicherstellen, dass derartige Vorfälle ausgemerzt werden, denn sie geschehen zu häufig", sagte Boyce, der sich "entsetzt" zeigte. Strafen gegen Vereine hält der Nordire aber für das falsche Mittel. "Die können diese Idioten ja nicht aufhalten. Der einzig richtige Weg ist, hart gegen die Leute vorzugehen. Verbietet ihnen, die Spiele zu besuchen. Vielleicht hören sie auf, wenn sie nicht ins Stadion dürfen."

Auch Touré forderte eindringlich, den Schmähungen "sofort" ein Ende zu setzen. "Denn zu viel ist zu viel", sagte der 30-Jährige, der den ebenfalls dunkelhäutigen Ex-HSV-Profi Vincent Kompany als Spielführer vertreten hatte. Der Zuspruch seiner Fans allerdings bewahre ihn davor, sich diese Rufe allzu sehr zu Herzen zu nehmen: "Hass oder Rassismus können mich nicht beeindrucken, wenn mir so viele Menschen ihre Liebe und Unterstützung ausdrücken", schrieb er seinen 100.000 Twitter-Followern.

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