Acht Siege in Serie – Vettel schreibt im Wilden Westen Geschichte

Acht Siege in Serie – Vettel schreibt im Wilden Westen Geschichte

Stolz reckte Sebastian Vettel acht Finger in die Luft und schüttelte danach ungläubig mit dem Kopf. Nach dem souveränen Ritt auf seinem "Roten Bullen" durch den Wilden Westen wurde dem alten und neuen Formel-1-Weltmeister schnell klar, was er gerade geleistet hat.

Vettel feierte beim Großen Preis der USA nach einer Machtdemonstration bereits den achten Sieg in Serie. Damit überflügelte er eine Bestmarke von Rekordweltmeister Michael Schumacher, der 2004 die ersten sieben Rennen und insgesamt 13 in einem Jahr gewonnen hatte. Vettel gewann auf dem Circuit of the Americas in diesem Jahr im 18. von 19 Saisonrennen bereits zum zwölften Mal. "Wir müssen uns an diese Tage erinnern. Ich liebe euch", freute sich Vettel über den Boxenfunk.

Nach den schon bekannten "Donuts" mit qualmenden Reifen auf der Strecke und der Champagnerdusche war der Überflieger auf dem Podium fast sprachlos. "Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, das ist einfach unglaublich. Die ganze Saison war bisher verrückt, das Auto ist einfach fantastisch und ich bin total glücklich", sagte Vettel, um den Erfolg später dann doch einzuordnen: "Das ist ein sehr bedeutender Tag für uns. Ich habe einen Rekord eingestampft, der für die Ewigkeit war. Das ist sehr schwer zu verstehen. Wir können das nur genießen, den so etwas passiert nicht jedes Jahr."

Der Red-Bull-Star trug drei Wochen nach seiner Krönung zum jüngsten Vierfach-Champion der Geschichte einen Helm im Western-Design. Passend zum Austragungsorts des Rennens war darauf das Abbild eines wütenden Bullen zu sehen, der gerade einen Zaun durchbricht. Damit geschützt, allerdings eher hoch konzentriert als wütend, flog der 26-Jährige bei hochsommerlichen Temperaturen von mehr als 30 Grad der wieder einmal chancenlosen Konkurrenz förmlich davon.

Platz zwei sicherte sich Lotus-Pilot Romain Grosjean (Frankreich) knapp vor Vettels Teamkollegen Mark Webber (Australien), der es in seinem vorletzten Rennen in der Königsklasse erneut auf das Podest schaffte. Nico Hülkenberg (Sauber/Emmerich) konnte seinen hervorragenden vierten Startplatz aus dem Qualifying zwar nicht ganz bestätigen, wurde nach 308,405 km aber starker Sechster. Der WM-Zweite Fernando Alonso (Ferrari/Spanien) landete auf Rang fünf, Nico Rosberg (Wiesbaden/Mercedes) musste sich nach zuletzt zwei Podestplätzen in Serie mit Platz neun begnügen.

Vettel, der zum achten Mal in dieser Saison von der Pole Position ins Rennen gegangen war, behauptete seine Führung am Start, wurde dann aber sofort von einer Safety-Car-Phase ausgebremst. Adrian Sutil (Force India/Gräfelfing) war kurz zuvor nach einem Berührung von Pastor Maldonados Williams in die Streckenbegrenzung gekracht und musste sein kaputtes Auto stehen lassen. Der 30 Jahre alte Sutil schlich nach dem unfreiwillig frühen Ende seines Arbeitstages kopfschüttelnd aber unverletzt zurück in Richtung der Boxengasse.

Der wegen seiner beängstigenden Konstanz zuletzt immer wieder als Rennroboter betitelte Vettel ließ sich von dem anfänglichen Chaos nicht beirren und zog auch nach dem Neustart unbeeindruckt davon. Der Vorsprung wuchs schnell auf zehn Sekunden an. "Deine Geschwindigkeit ist sehr gut", funkte das Team schon nach elf Runden an den Champion und mahnte ihn weniger später zur Besonnenheit: "Sebastian, wir fahren, um so lange wie möglich draußen zu bleiben, nicht, um so schnell wie möglich zu sein."

Trotzdem wuchs und wuchs das Polster. Genau wie in den vergangenen Rennen leistete sich der Dominator zunächst keinen Fehler und spulte sein Programm ganz souverän ab - bis zum ersten und einzigen Stopp. Bei der Fahrt aus der Boxengasse kam er einem Marussia bedrohlich nahe, wurde dafür aber nicht bestraft. Im Vorjahr hatte sich Vettel bei der ersten Auflage in Texas mit dem zweiten Platz hinter Lewis Hamilton zufrieden geben müssen, 2013 konnte ihm kein Fahrer folgen.

Vettel ging zuletzt vor 112 Tagen nicht als Sieger aus einem Formel-1-Rennen hervor, als er in Ungarn "nur" Dritter wurde. Seit der Sommerpause hat Vettel alle Rennen gewonnen. Der legendäre Alberto Ascari gewann in den 50er Jahren sogar neun Rennen in Folge - allerdings nicht in einem Jahr. Der Italiener holte die ersten sechs Siege 1952 und weitere drei in der darauffolgenden Saison. Vettel hat weiter die Chance, dieses Kunststück als erster Formel-1-Pilot in einem Jahr zu schaffen.

Natürlich geht der Hesse auch als Favorit in das Saisonfinale am kommenden Sonntag in Brasilien. Auf der Traditionsstrecke in Interlagos am Stadtrand der Millionen-Metropole São Paulo kann er sich den nächsten Eintrag in die Geschichtsbücher sichern, den Schumacher-Rekord der Saison-Triumphe einstellen - und anschließend ganz entspannt in den Urlaub gehen.

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