Zurück zur Natur: Hege und Pflege des eigenen Grüns vor der Haustür ist sexy

Die neuen Gärtner sind hip und trendy und arbeiten mit Spitzenwerkzeug. Von Grabgabel bis Spindelrasenmäher – FORMAT zeigt hier die Porsches unter den Gartengeräten.

Gardening is the new sex“, lautete vor einiger Zeit eine Schlagzeile der englischen „Times“. Im ­gartenverrückten Großbritannien mag das keine allzu große Überraschung sein. Der grüne Trend ist aber längst auf den Kontinent übergesprungen, und auch die Österreicher haben das Gärtnern zur neuen Volkssportart erklärt: So viel Auszug ins Grüne gab es noch nie. Lag der Anteil der gärtnernden Bevölkerung im Jahr 2000 noch bei 25 Prozent, so ist er seither auf mehr als ein Drittel gestiegen. Mit der Mode geht ein neues, gut verkäufliches Image einher. Ein Hobby für Pensionisten? Das war gestern. Im Garten der Gegenwart geht es jugendlich, heiter und verspielt zu, er ist – so ein Werbetext – nicht nur ein Ort, „an dem Körper und Geist Erholung finden“, sondern auch „genauso individuell wie Sie“. Alles sehr poppig, sehr hip, sehr Teil der Wellness- und Lebenskultur.

Mister Gadget erobert den Grünraum
Die riesige Auswahl, die es mittlerweile an Garten­gerät gibt, ist ein Hinweis auf das neue Kreativ-Image des Gärtnerns. Beim Werkzeug fürs Buddeln, Graben, Jäten und Mähen trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. Luxus-Tools boomen. Die Porsches unter den Gartengeräten entstehen nicht selten in Handarbeit: Das hat seinen Preis. „Die Leute haben kein Problem damit, 135 Euro für unsere neue Grabgabel Antares auszugeben“, sagt Johannes Stadler, Chef der Bad Ischler Firma „PKS Gartengeräte aus Kupfer“. Sein vor 15 Jahren gegründetes Unternehmen steht auf dem Grün-Werkzeug-Markt ziemlich konkurrenzlos da. Denn was sonst als Kupfergerät angeboten wird, ist zumeist nur verkupfertes Eisen. Die PKS-Geräte hingegen sind aus massiven Kupferlegierungen. "Kupferlegierungen kosten ein Vielfaches von Edelstahl“, erklärt Stadler.

Kupfer erleichtert die Gartenarbeit
Kupfer hat weniger Reibungswiderstand als Eisen. Es ist elastischer, und die Kanten erhalten sich durch den Gebrauch scharf. Dadurch rutscht das Kupfer-Material auch sehr viel leichter in die Erde und macht die Arbeit kraftsparender. Zudem sind die Geräte – einmal gehärtet – sehr langlebig. Johannes Stadler gewährt auf die Metallteile seiner Gartenwerkzeuge lebenslange Garantie. Anders als bei Eisen- oder Stahlgeräten können Schrammen in den Kanten ausgeklopft, der Schliff wie bei einer Sense nachgeschärft werden. Kupfergeräte rosten und brechen nicht, und nachdem Kupfer außerdem eines der Spurenelemente ist, die ein fruchtbarer Boden dringend braucht, kann durch sie im Lauf der Jahre sogar die Qualität der Erde verbessert werden. „Unsere Geräte entstehen in Handarbeit und sind darauf ausgelegt, dass man ein Leben lang mit ihnen arbeiten kann. Das Kupfer wird mit dem Hammer kalt geschmiedet“, erklärt Johannes Stadler. Mittlerweile hat die Firma fast 30 Gartengeräte im Repertoire – von Topfkralle und Handschauferl über Jätschlinge und Kräutersichel, Setzdorn und Sauzahn bis zu Rechen, Kantenstecher, Dreizack, Pendelhacke, Spaten, Bodenlockerer oder Wein- und Ziehhaue. Ein Firmenporträt in der renommierten britischen Zeitschrift „Gardens Illustrated“ brachte vor ein paar Jahren einen veritablen Bestellschub aus dem gartenverrückten englischen Raum, wo die Bad Ischler inzwischen fast ein Drittel ihres Umsatzes machen.

Die feine englische Art
Die Gärtner im englischen Garten-Mekka wissen eben, was gut ist. Kein Zufall also, dass viele der Top-Gartengeräte von dort stammen. Unter anderem auch die berühmten Gießkannen von „Haws“. Anna Pavord, eine der einflussreichsten britischen Gärtnerinnen und Gartenbuchautorinnen der Gegenwart, erwählte die eleganten Kannen mit dem extra langen Gießrohr für punktgenaue, sanfte Bewässerung für eine Umfrage zum „perfekten Gartengerät“. Patentiert wurden die „Kings of Cans“ schon 1885, produziert werden sie in Smeth­wick in den englischen West Midlands. Ihre unverwechselbare Form macht sie zu besonders handlichen Gießhilfen – es gibt sie in vielerlei Größen bis zu 8,8 Liter Fassungsvermögen. „PKS Gartengeräte aus Kupfer“ verkaufen eine kleine Haws-Kanne aus Kupfer um 55 Euro, Lederleitner eine Reihe der Haws-Long-Reach-Kannen für 59 bis 104 Euro. Lederleitner führt auch eine weitere britische Spitzenmarke: Burgon & Ball. Das Sheffielder Traditionsunternehmen, das übrigens auch der Welt größter Hersteller von Scheren für die Schafschur ist, stellt schon seit 1730 Gartengerät her; vor allem auch exzellente Gartenscheren. Auch hier ist das Qualitätsgeheimnis eine Kombination aus dem Material Karbonstahl und der besonders umsichtigen Verarbeitung.

Westfriesische Qualitätsprodukte
Nicht anders arbeitet die legendäre holländische Manufaktur Sneeboer. Seit über hundert Jahren versorgt die Familie des westfriesischen Schmieds Jaap Sneeboer Werkzeugfans mit feinsten, handgemachten Gartenbauwerkzeugen aus Edelstahl. Massenware wird gestanzt und gewalzt, Qualitätsware geschmie­det. Erstere gibt nach einer Saison den Geist auf, zweitere hält jahrzehntelang. Sneeboer ist Weltmeister auf dem Gebiet hoch spezialisierter Werkzeuge: vom perfekten Löwenzahnwurzelausstecher über den optimalen Terrassenfugenauskratzer bis zum unübersetzbaren „Potschepje“, der mit seiner halb gerollten Schaufelblattform ideal zum Befüllen von Töpfen mit Erde geeignet ist. Wenn es ums Schneiden von ­Ästen geht, sind die ebenso eleganten wie federleichten japani­schen Baumscheren die Geräte der Wahl. Geschnitten werden muss aber natürlich auch der Rasen. Im Fall größerer Flächen greift der Kenner zum Rasentraktor, der Feinspitz hingegen löst diese Frage dekadent luxuriös mit dem „Atco Royale Spindelrasenmäher“, dem König unter den „Ride-Ons“: handgefertigt, formschön und sündteuer. Dafür weiß man sich in allerbes­ter Gesellschaft: Atco, die Bremer Meister der Rasenpflege, sind auch „Hoflieferant Ihrer Majestät, der Königin von England“.

Julia Kospach

Termine:
16.–18. 4. Raritätenbörse im Botanischen Garten der Universität Wien (mit Verkauf der „PKS Gartengeräte aus ­Kupfer“), 3., Rennweg 14, 9.30–18 Uhr, www.botanik.univie.ac.at/hbv
1. 5. Arche Noah Jungpflanzenmarkt, Schaugarten und Schloss Schiltern, NÖ. 10 –18 Uhr, www.arche-noah.at

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