Wüste Kunst: Abu Dhabi und Dubai wollen zu Architektur-Pilgerstätten werden

Eine Hand voll Staaten am Persischen Golf gilt als Reiseziel der Superlative. Und jetzt investieren die manisch expansiven Scheichs auch noch in Kunst. Denn Angebot schafft Nachfrage, und die milliardenteuren Museumstempel polieren Image und Selbstbewusstsein der Wüstenbewohner auf.

Warum sich Dubai zum absoluten Reise-Hotspot entwickelte, ist schnell erklärt: Es gibt wohl keinen Ort, der sich besser als Projektionsfläche ehrgeiziger Herrscherfantasien eignet als die Wüste. Dort, wo nichts ist, kann alles gedeihen. Und in Dubai strebt die Vorstellungskraft ihrem bisherigen Höhepunkt zu: In einer orientalischen Mischung aus Las Vegas und Disney World kratzen Hunderte Hochhäuser am Himmel über der Wüste; gibt es die größte Dichte an riesigen Einkaufszentren und die protzigsten Hotels. Jährlich holen sich acht Millionen Touristen bei Besichtigungstouren einen steifen Nacken vom ständigen Nach-oben-Blicken oder bekommen beim Fotografieren der Palm-, World- und Universe-Inseln vom Propellerflieger aus ein flaues Gefühl im Magen.

Kunst-Hype am Golf  
Die Kunst, ein wüstes Fleckchen Erde zum Urlaubs-­Shangri-La der Neuzeit zu machen, rüttelte auch die Nachbaremirate aus dem Wohlstandsschlaf. Dem olympischen Gedanken folgend, agierte Dubais Scheich Mohammed jahrelang nach dem Motto „schneller, höher und stärker“ und übertrumpfte damit vor allem die Schwesteremirate. Doch Abu Dhabi, die eigentliche Hauptstadt und das ölreichste der sieben Emirate (Abu Dhabi, Dubai, Sharjah, Ajman, Um al-Qawain, Ras al-Khaimah, Fujairah), suchte sich eine kompatible Nische. Die Al Nahyans (Herrscherfamilie von Abu Dhabi) bauen Ökostädte, fördern alternative Energien und errichten Zweigstellen berühmter Museen.

Eine Milliarde für "Louvre"
Um das Kulturbanausen-Image der kitschverliebten Araber endlich abzustreifen, wird im großen Stil in Kunst inves­tiert. Für den Namen „Louvre“, Know-how und das Leihrecht für Hunderte Meis­terwerke blätterte Abu Dhabi der Grande Nation eine Milliarde Euro auf den Tisch. Gebaut wird der Kunsttempel ebenfalls von einem Franzosen. Stararchitekt Jean Nouvel gibt der Louvre-Zweigstelle das Aussehen einer offenen sandfarbenen Muschel ( siehe Bild ). Auf der Saadiyat-Insel vor der Küs­te Abu Dhabis entsteht ein gigantischer Kulturdistrikt. In den nächsten zehn Jahren werden 20 Milliarden Euro verbaut.

Zylinder-Friedhof in Abu Dhabi
Neben einem Yachthafen und 30 Hotels entstehen ein Biennale-Park, ein Performing Arts Center nach Plänen von Zaha Hadid und das größte Guggenheim-Museum der Welt mit einer Fläche von 30.000 Quadratmetern. Architekten-Enfant-ter­rible Frank O. Gehry plant einen baulichen Zylinder-Friedhof, und Abu Dhabi hofft, nach Bilbao die nächste Architektur-Pilgerstätte zu werden. Thomas Krens, Chef der Guggenheim-Museen, ist von der schier endlosen Finanzkraft Abu Dhabis begeistert: „Das Emirat verfügt über zehn Prozent der weltweiten Ölreserven. Das sind so viele Ressourcen, dass sie tun und lassen können, was sie wollen.“ Der Kunst soll’s recht sein. Den einheimischen Kunstschaffenden, vorwiegend jungen Leuten, weniger. Sie fürchten den Ausverkauf ihrer ohnehin spärlich vorhandenen Kultur.

Katar gibt Gas  
Nebenan, im Mini-Emirat Katar, herrscht Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani. Auch der Emir hat seinen wohlgefüllten Geldbeutel für die Kunst geöffnet. Doch im Gegensatz zu Abu Dhabi setzt Katar auf den eigenen Kulturkreis und hat im November vergangenen Jahres das größte Museum für islamische Kunst eröffnet. Für den Kunsttempel wurde der greise Architekt I. M. Pei aus dem Ruhestand geholt. Auf einer künstlichen Insel baute der 91-Jährige eine Heimstatt für islamische Kunstwerke im Wert von 2 Milliarden Euro. Drei weitere Museen zum Thema Orient sind in der Pipeline. An finanziellen Mitteln mangelt es Katar nicht, sitzt es doch auf den drittgrößten Erdgasreserven der Welt. Der Großteil ist noch nicht erschlossen.

Von Romana Kanzian

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