Vitra: Design-Klassiker wie Panton Chair und Marshmallow Sofa zum Niedersitzen

Seit Jahrzehnten performt das Schweizer Möbelhaus Vitra erfolgreich am Einrichtungsmarkt. FORMAT spürt der Firmengeschichte nach und präsentiert die großen Legenden der Sitzkultur.

Wie meist bei Erfolgsstorys hat auch bei der Schweizer Möbelschmiede Vitra der Zufall einen gewaltigen Anteil am Firmenaufstieg. Denn als Willy Fehlbaum in den Dreißigerjahren ein einfaches Ladenbaugeschäft in Basel übernimmt, hat er mit Formensprache und Design noch wenig zu schaffen. Erst eine Reise in die USA sollte dies schlagartig ändern. Aus einem fahrenden Taxi heraus - so die Fama - erspäht der Schweizer in einem Schaufenster Werke des amerikanischen Designerpaares Charles und Ray Eames. Er zwingt den Fahrer zum Halten, betrachtet fasziniert die Sitzmöbel und beschließt, mit den Urhebern dieses außergewöhnlichen, für ihn völlig neuen Mobiliars zusammenzuarbeiten.

Vierjährige Überzeugungsarbeit
Kein leichtes Unterfangen übrigens, denn der amerikanische Eames-Produzent Herman Miller sträubte sich lange gegen die Kooperation mit dem Schweizer - hatte man doch genügend zu tun, um den US-Markt im Auge zu behalten. Was folgte, war harte Überzeugungsarbeit. "Nach vier Jahren hat es Fehlbaum geschafft. Er erwirbt 1957 die Lizenz für die Produktion und den Vertrieb von Möbeln des Designer-Duos für den europäischen Markt", beschreibt Werner Backhausen, Vertriebsleiter des Einrichtungshauses "prodomo" in Wien, die Hartnäckigkeit des Vitra-Gründers.

Lounge Chairs im Autorendesign
"Mit einem Schlag hatte man ein Fundament an fantastischen, zeitlos schönen Möbeln - vom Aluminium Chair bis zum Lounge Chair", so der Experte, der die Klassiker im Programm hat. Von nun an spezialisierte man sich auf die Produktion von hochwertigen Sitzmöbeln, die stets in Kooperation mit talentierten und experimentierfreudigen Designern entwickelt wurden. Der Begriff Autorendesign erhielt eine neue Facette, und daran hält man im Schweizer Möbelhaus bis heute fest (siehe hierzu auch die Vitra-Bildergalerie ).

Designer-Who's who
"Vitra arbeitet immer mit Autoren. Mit Designern also, die nicht bloß über Gestaltungsgeschick verfügen, sondern in ihre Arbeit Weltsicht und Eigensinn einbringen", sinniert der heutige Chairman Rolf Fehlbaum, Sohn des Firmengründers Willy. Und die Liste der Designer, mit denen Vitra kooperierte, liest sich wie das "Who's who" der Gestaltungskunst. George Nelson, Alberto Meda, Ronan und Erwan Bouroullec oder der Däne Verner Panton, mit dem man gemeinsam den sagenumwobenen "Panton Chair" kreierte, den ersten aus einem Guss gefertigten Plastikstuhl.

"Vitramat" mit Sitzkompetenz
Der Kunstoffsessel entwickelte sich zum Verkaufsschlager und passte perfekt in die psychodelische Plastik-Design-Welt der späten 60er-Jahre. Der Erfolg stärkte das Selbstbewusstsein des Unternehmens, andere Sparten sollten erschlossen werden, und so entdeckte Vitra die weite Welt der Büroausstattung für sich, wo Design bis dato brachlag. Die 70er standen daher ganz im Zeichen des Bürostuhles, und mit dem "Vitramat" gelang Rolf Fehlbaum - mittlerweile zum Firmenboss avanciert - der endgültige Durchbruch. Der erste ergonomische Bürosessel mit Synchronmechanik revolutionierte das Arbeiten im Job. Sitzen auf hohem Niveau war fortan Kernkompetenz des Hauses Vitra.

Weg von der Nische
Nur, ein Sitzmonopol war den Schweizern zu wenig, und so wollte man auch Präsenz in anderen Bereichen erlangen. Nunmehr bietet Vitra gesamte Einrichtungskonzepte für Büros an. MTV Networks in New York wurde von Vitra überarbeitet, aber auch dem öffentlichen Raum drückten die Schweizer ihren Designstempel auf. In London etwa sitzt man in der "British Library" auf Vitra-Mobiliar ebenso wie am Münchner Flughafen oder im Landtag zu St. Pölten. Das Portfolio ist äußerst umfangreich, ein logischer Schritt war es daher auch, langsam in den Wohnlandschaftsbereich vorzudringen. "Mit unserer Home-Kollektion, vor allem aber mit unseren Wohnaccessoires, versuchen wir, eine breitere Masse anzusprechen", erläutert Fritz Hrusa, Chef von Vitra Österreich. Mit Erfolg übrigens: 220 Millionen Euro wurden im Vorjahr umgesetzt. Tendenz steigend.

Im Oktober können Vitra-Klassiker auch in zwei Wiener Ausstellungen besichtigt werden.

Von Birgitt Kohl

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