Unterwasser-Rugby: Ein Gerangel harter Kerle in der nassen Dreidimensionalität

Der ideale Unterwasser-Rugby-Spieler sollte sich im kühlen Nass schnell bewegen können, Ballgefühl haben und auf Körperkontakt stehen. Im besten Fall ist man daher eine Mischung aus Michael Phelps, Roger Federer und Vitali Klitschko.

Blaue Flecken und das Gerangel harter Kerle hat Unterwasser-Rugby mit seinem Namensvetter zu Land gemein. Mehr schon nicht. Der Ball ist rund statt oval und muss im gegnerischen Tor, das einem Basketballkorb gleicht und sich je nach Pooltiefe auf drei bis fünf Meter befindet, versenkt werden. Da die mit Salzwasser gefüllte, rund drei Kilogramm schwere Kugel nicht über die Oberfläche darf, spielt sich jedes noch so spannende Match in absoluter Stille ab: kein Fluchen, keine Zurufe. Wie beim Eishockey erfolgt ein ständiger Spielerwechsel, je nach Luft und Laune. Der Sport ist für die Haudegen, die sich in alle Richtungen bewegen können, aufgrund dieser Dreidimensionalität eine strategische Herausforderung.

Auf und nieder immer wieder
Vor vier Jahren hat der Grazer Chirurg Gerhard Kreuzwirt, 37, das Unterwasser-Rugby für sich entdeckt. „Es ist einfach eine Hetz, alles unter Wasser zu machen, und gleichzeitig eine enorme körperliche Anstrengung“, sagt Kreuzwirt, der zweimal pro Woche in das Trainingsbecken springt. Seine derzeitige Lieblingsposition ist jene des Torhüters, wofür er sich quer über den Korb legt und diesen „deckelt“. Dieses Manöver wird in der Regel durch einen Verteidiger erweitert, der vor dem Tor hin und her „dackelt“, weshalb dieser Spielzug auch „Deckel-Dackel-Prinzip“ genannt wird. Wenn die Verteidiger Luft brauchen, rückt die Ablöse an. „Im Training wird mit Angreifern geübt, den richtigen Moment für den Wechsel zu er­kennen, um blitzschnell abzutauchen“, erläutert der Arzt.

Angriff von überall möglich
Generell sei es aber das Wichtigste, ­immer auf der Hut zu sein, was hinter dem Rücken abgeht. Um sich in der nassen Dreidimensionalität zurechtzufinden, sei eine gute Übersicht unerlässlich, denn ein Angriff kann von „oben und unten, links und rechts, vorn und hinten“ erfolgen. Im Gegensatz zu Landrugby darf ein Spieler allerdings nur attackiert werden, wenn er sich in Ballbesitz befindet. Dann sind Klammern, Arme und Beine halten, Schubsen sowie Ziehen erlaubt. Schlagen, Treten, Beißen und Kratzen sind immer tabu. „Es passiert schon manchmal, dass man sich in der Hitze des Gefechts den Finger zerrt oder das Handgelenk überdehnt“, sagt Kreuzwirt. Blaue Flecken sind an der Tagesordnung. Sofern man körperlich fit ist und auch ein „bisschen was einstecken“ kann, ist das Atem raubende Gerangel aber völlig ungefährlich.

Halt die Luft an
Teamkollege Thomas Bartl, der als Projektmanager von Microsoft in Wien vor drei Jahren bei einem Schnuppertraining unter Wasser der Faszination dieser Sportart erlag, pflichtet Kreuzwirt bei. Obwohl dies die Gegner wegen seiner Erscheinung oft weitaus differenzierter sehen. „Wenn ich jemanden festhalte, hat der schlagartig einen Anker am Fuß und bewegt sich keinen Zenti­meter mehr“, sagt der fast zwei Meter große Hüne, der mit festgezurrter schwarzer Tauchmaske an eine Kreuzung aus Obelix und Darth Vader erinnert. Dabei, so Bartl, komme es nicht einzig auf die Kraft an. Er selbst habe erst lernen müssen, die „Balance zwischen Gas geben und nichts tun“ zu finden, um möglichst lange Luft zu haben.

Atemtraining erforderlich
„Für Unterwasser-Rugby-Anfänger ist es in erster Linie wichtig, Atemtraining zu machen, um die Apnoezeit zu verlängern“, verrät Julia Braunegg, Sportreferentin des Grazer Tauchclubs. Der 28-jährigen Ju­ris­tin, die seit zehn Jahren Unterwasser-Rugby spielt, liegt die Förderung der exotischen Sportart besonders am Herzen. „In Österreich ist es für Interessierte schwierig, Trainingsorte und Vereine zu finden“, so Braunegg, die selbst auch bei Turnieren mitspielt. Da es aber landesweit insgesamt nur fünf Rugbyspielerinnen gibt – zu wenige, um eine Frauen-Mannschaft aufzustellen –, mischt Braun­egg einfach bei den Männern mit. Dass sie dabei die einzige Frau im Grazer Team ist und auch mal härter angefasst wird, stört sie keineswegs. Im Gegenteil: „Wenn mich das stören würde, müsste ich Ballett tanzen gehen!“

FORMAT-Webtipps für Unterwasser-Rugby:
EKUS:  Erster Kärntner Unterwassersportclub in Klagenfurt
unterwasserrugby.wordpress.com
SALUK:  Unterwasser-Rugby-Club Salzburg
www.uw-rugby.com
STC: UWR-Mannschaft des Steirischen Tauchsport Clubs in Graz
www.stc.or.at
UWRC Wien: Unterwasser Rugby Club Wien
www.uwrc.at

Von Dina Elmani

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