Spielwiese für Hefners "Playboy"-Bunnies: Österreicher kreiert aufblasbares Liebesnest

Für „Playboy“-Gründer Hugh Hefner baut der öster­reichische Künstler Wolfgang Semmelrock gerade ein Lust-Raumschiff aus Luft. Seine aufblasbaren Kunstobjekte sollen schon bald jedes Heim verschönern.

„Es war schräg, abgehoben, völlig irre – „wie in einem Film von Quentin Tarantino“, sagt Wolfgang Semmelrock über seinen Trip in die USA. Der Kärntner war im Frühjahr nach Chicago geflogen, absolvierte ein Praktikum beim Künstlerduo Zhou B. und landete eines Nachts auf einer schrillen Party. Überall nur Promis und der Österreicher mittendrin. Mit einem gewissen James Gustin, in der Szene als „Mann für alles“ bekannt, kam er ins Gespräch. Gustin interessierte sich für die Werke des 38-Jährigen, sah sie sich an – und nahm den Künstler gleich mit nach Los Angeles. „Wir wurden am Flughafen von einer Limo abgeholt.“ Im noblen Schlitten saß Semmelrock dann neben Scott Stephen, dem Vizepräsidenten von Hugh Hefners großem Erotikimperium Playboy Enterprises. „Der Rest war Glück“, erzählt der Klagenfurter, der noch am selben Tag auf der berühmt-berüchtigten Playboy Mansion einen prestigeträchtigen Auftrag an Land ziehen sollte.

Aufblasbares für Playboy Bunnies
Die Idee kam Semmelrock beim Abendessen, inspiriert von vollbusigen Bunnies, von denen es auf der Playboy Mansion bekanntlich wimmelt. Der Künstler kritzelte etwas auf eine Serviette, eine Art Liebesboot, getarnt als Raumschiff, und zeigte die Skizze seinem Sitznachbarn Scott Stephen. Der war gleich begeistert und sagte nur: „Just do it!“ Gesagt, getan. Semmelrock ging in sein Atelier, wo für Hefners Kunstsammlung nun ein Spaceshuttle entsteht. Und zwar eines aus Luft. Seit seiner Studienzeit an der TU Wien beschäftigt sich Semmelrock mit Pneumatik, wendet die Lehre von den Bewegungen und Gleichgewichtszuständen der Luft für seine Kunst an. „Pneumatik vereint Funktionalität und Design, ist Architektur auf höchstem Niveau“, definiert der Künstler.

Luftschloss als Liebesnest
Für Hefners langbeinige Bunnies ermöglicht Semmelrocks Arbeitsweise Folgendes: Sie können sich schon bald in einem Lustschloss aus Luft räkeln. Der „Loveboat“-Prototyp ist rund zehn Quadratmeter groß (bei einem Durchmesser von acht und einer Höhe von drei Metern) und besteht aus silbernen Kunststofffolien. In der Mitte befindet sich, wie könnte es anders sein, ein Liebesbett, umrandet von mehreren couch- und bettenartigen Schläuchen, alle prall mit Luft gefüllt. „Robust gebaut sind diese Einrichtungsgegenstände hundertpro“, versichert der Designer. „Das Boot steht auf einem festen Podest und kann sogar überbelastet werden, ohne zu explodieren.“ Darüber hinaus werde nur mit umweltfreundlichen, Energie sparenden Stoffen gearbeitet.

Kein billiges Vergnügen
Semmelrock hat – als diskreter Gentleman – in mehrfacher Hinsicht Vorsorge getroffen: So sind die Folien bis zu einer Höhe von zwei Metern komplett abgedunkelt. „Es kann niemand hineinsehen“, sagt der in Deutschland aufgewachsene Österreicher, der im Inneren des Raumschiffs natürlich auch romantische Leuchtkörper installieren will. Rund 40.000 Euro wird Semmelrock, auch als Psychologe ausgebildet, dem US-Milliardär Hefner respektive den Playboy Enterprises für seine raffinierte Kreation in Rechnung stellen. Noch vor Jahresende soll das Spaceshuttle in einer Produktionsstätte in Chicago fertig gestellt werden.

Alltagstaugliche Kunst
Ein Raumschiff aus Luft, raumhohe Würfel oder Lotusblumen in Menschengröße sind aber die Ausnahme im Œuvre des Designers. „Der Pneumatik und ihrem Einsatz in der Kunst haftet seit den 70er-Jahren das Image an, bloß das Produkt wirrer Künstler zu sein – also nutzlos, schrill und über­trieben“, bedauert Semmelrock. Und setzt nach: „Zu Unrecht.“ Seit Jahren schon entwirft der Kärntner, der sich mit seinem „design on air“ bereits im Rahmen einer Schau im Museum of Contemporary Art in Chicago einen Namen gemacht hat, Pneumatikobjekte für den Alltag. Das heißt: aufblasbare Stühle, Tische, Lampen, Vasen, Betten und Taschen. Das Geschäft kommt langsam ins Laufen, Semmelrock kann mittlerweile recht gut davon leben. „Reich bin ich nicht. Es dauert, bis die Menschen verstehen, wie schön und praktisch Luftmöbel sind.“ Und teuer seien sie auch nicht. Ein Tisch im schlichten Design kostet rund 4.000 Euro, eine Stehlampe rund 500 Euro, Taschen gibt es ab 80 Euro. „Das ist leistbare Kunst“, sagt Semmelrock, der auch mit japanischer Malerei am Kunstmarkt präsent ist.

Faszination Pneumatik
Der aufstrebende Designer teilt seine Leidenschaft für experimentelle Architektur mit Peter Michael Schultes, einem international anerkannten Experten auf dem Gebiet. „Schultes ist ein Schweißtechnik-Spezialist“, erzählt Semmelrock über den Wiener TU-Professor, mit dem er projektbezogen zusammenarbeitet. Während der eine entwirft, kümmert sich der andere um die Technik, also darum, dass die Kunststoff-Folien korrekt zusammengeschweißt sind und die Luft richtig dosiert ist. Mithilfe des Experten will Semmelrock nun verstärkt expandieren.

Serienproduktion als Ziel
Angedacht ist die Errichtung je einer Produktionsstätte in China (Peking) und Amerika (Chicago). Derzeit gibt es nur eine in Wien. Semmelrock träumt von Produktionsstätten, „wo Luftmöbel in hohen Stückzahlen produziert werden können, was aus technischen Gründen derzeit weltweit nur an wenigen Standorten – meist in China – machbar ist. Aber“, so ist sich der Designer sicher, „es ist nur eine Frage der Zeit, bis in fast allen Wohnzimmern zumindest ein Luftobjekt steht.“ Ein aus­ge­fallenes Lustschloss à la Hefner wird Semmelrock so schnell wohl kein zweites Mal designen. An außergewöhnlichen Kundenwünschen mangelt es seinem Atelier dennoch nicht: „Eine Frau wollte, dass ich eine für sie maßgeschneiderte aufblasbare Sex-puppe entwerfe.“ Auch das Leben eines Luftkünstlers kann hart sein.

Von Silvia Jelincic

Aufblasbares für daheim: Nicht jeder kann es sich wie „Playboy“-Frontman Hugh Hefner leisten, ein Lust-Raumschiff ins Haus zu stellen. Wer sich mit dem pneumatischen Design erst einmal im Kleinen vertraut machen will, für den gibt es aufblasbare Lampen (ab € 500,–), Stühle und Sofas (ab € 1.000,–), Tische (ab € 4.000,–) oder etwa Tragtaschen (€ 80,–). www.semmelrock.net

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