Sexualtherapeut Stifter: "Seitensprung wird als paradiesischer Glückszustand empfunden"

Interview mit Karl Stifter, Sexualtherapeut und Mentaltrainer, über Sex und Macht und warum sich Frauen von Mächtigen Kinder wünschen.

Format: Männer mit Macht oder viel Geld üben, auch wenn ihr Äußeres als nicht besonders attraktiv erscheint, eine starke Anziehungskraft auf Frauen aus. Wieso ist das so?
Stifter: In allen Kulturen und zu allen Zeiten wirkt grundsätzlich der Status des Mannes auf Frauen erotisierend. Er schafft eine charismatische Aura. Slips, BHs und "Ich will ein Kind von dir"-Rufe können einem Milchgesicht von Tokio Hotel genauso zufliegen wie dem verlebten Rockopa Jagger. Männer hingegen finden die körperliche Attraktivität bei Frauen wesentlich anziehender. Sie würden nicht mit einer Frau ins Bett gehen wollen, die statushoch, aber hässlich ist. Solch ein Mann würde riskieren, sich lächerlich zu machen.

Format: Hat das etwas mit der Evolution zu tun?
Stifter: Wahrscheinlich mehr, als wir wahrhaben wollen. Weibliche Attraktivität signalisiert eigentlich Gesundheit über Gesichtssymmetrie, Jugendlichkeit, reine Haut etc. Männlicher Status repräsentiert Fähigkeit, Stärke und Sicherheit. Diese Kombination hat den Fortpflanzungserfolg bislang optimiert und solche Muster selektiert.

Format: Bezieht der Mann aus dieser Machterotik auch Energien?
Stifter: Ein Mann wird in der Gesellschaft eher aufgewertet, wenn er eine attraktive Frau an seiner Seite hat. Sie wird so zu einem Statussymbol. Das war schon bei Kennedy so und ist auch bei Sarkozy zu sehen. Wenn dann auch noch die Potenz stimmt, erwächst ihm daraus zusätzlich Selbstbewusstsein.

Format: Lenkt das nicht eher von der Arbeit ab, wie manche behaupten?
Stifter: Mag sein, aber Zores und Minderwertigkeitskomplexe lenken sicher mehr ab.

Format: Wo liegt das Motiv der Männer, fremdzugehen oder die Partnerin zu wechseln?
Stifter: Die Sexualität ist das zentrale Motiv. Der Seitensprung wird als fast paradiesischer Glückszustand erlebt. Macht macht geil. Grundsätzlich reagieren Männer stark auf optische Sexualreize. Das können Sie an der Pornografie sehen. Frauen reagieren mehr auf die Gesamtpersönlichkeit des Mannes. Dazu kommt, dass ein Mann, der kaum sexuelle Erfahrung aufzuweisen hat, von der Gesellschaft eher als unmännlich kategorisiert wird. Ein Frauenheld ist kaum jemals eine männliche Jungfrau. Umgekehrt gewinnt eine Frau durch hohe Promiskuität eher keinen Zuwachs an Image.

Format: Wer ist attraktiv, wer bestimmt das jeweils vorherrschende Schönheitsideal?
Stifter: Natürlich kann ein Ideal vorherrschen, das betrifft aber eher vorübergehende Modeerscheinungen. Auffallend ist jedenfalls, dass es in allen Kulturen und Epochen eine Grundvorstellung gibt und gegeben hat, wie eine schöne Frau aussieht.

Von Doris Gerstmeyer

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