Schöne neue Arbeitswelt: Wie sich der moderne Wissensarbeiter einrichtet

Wirtschaftskrise und veränderte Arbeitsprozesse erfordern neu strukturierte Arbeitsräume. Thomas Bene präsentiert bei der Vienna Design Week Konzepte für das Büro des 21. Jahrhunderts.

Was man bisher vor allem aus amerikanischen Filmen kannte, ist auch hierzulande auf stetigem Vormarsch: das Großraumbüro mit Einzellenkojen bis zu Gruppenformationen und jeder Menge Open Space. Und der ist in Zeiten der Wirtschaftskrise und veränderter Arbeitsprozesse heiß umkämpft. Das Kosten-Nutzen-Bewusstsein ist auch auf diesem Sektor erstarkt. Es gilt, teure Flächen zu reduzieren, verbleibende besser zu organisieren und neue Technik zu integrieren. Der Ort Büro wandelt sich, die rasante Veränderung der Arbeitswelt hat einen Strukturwandel vom Indus­triezeitalter zur Informations- und Wissensgesellschaft nach sich gezogen. Moderne Technologie ermöglicht uns freien Zugriff auf Informationen – anywhere, any­time. Es gibt mehr Teilzeitarbeitskräfte und Außendienst­personal – mehr flexible Mitarbeiter, wie das in Zeiten des Prekariats so schön heißt. Mehr als der fixe Schreibtisch ist Raum für variable Nutzung und Kommunikation gefragt. Wie sollen sie also sein, die erfolgreichen Raumkonzepte für das Büro des 21. Jahrhunderts?

Neue Spezies "Wissensarbeiter"
„Networking im Sinne von Team­arbeit wird ein essenzieller Bestandteil der meisten Tätigkeiten“, ergab ein aktuelles Forschungsprojekt des Helen Hamlyn Research Centre (Royal College of Art) in London zum Thema „Wissensarbeiter“. Diese neue Spezies, für die es nun adäquate Büroraumgestaltungen zu finden gilt, unterteilt sich der Studie gemäß in vier Gruppen: den Schreibtisch­surfer (Anchor), der vor allem den eige-nen Schreibtisch und dessen direktes Umfeld nutzt, den Vermittler (Connector), der Information einholt und verteilt, also je zur Hälfte Schreibtisch und Bürogesamtstruktur nutzt, den Sammler (Gatherer), der sich vielfach außerhalb des Unternehmens bewegt und den Schreibtisch als Landefläche und Rückzugsort braucht, und den Navigator, der oft gar keinen eigenen Schreibtisch mehr hat und nur noch zum Informationsaustausch ins Büro kommt. „Das Leben eines solchen Navigators besteht vor ­allem aus Kommunikation“, unterstreicht Thomas Bene. Der 46-jährige Vorstand des österreichischen Büro­möbelherstellers mit Zentrale im niederösterreichischen Waidhofen/Ybbs gilt europaweit als Vordenker in Büroraumlösungen und hat die aktuelle Studie in Auftrag gegeben. „Bereits 1958 hat mein Großvater Möbel in einem komplett ausgestatteten Ausstellungsraum gezeigt – mit Teppichen, Blumensträußen und Bildern an den Wänden. Dieser gesamtheitliche Zugang zeichnet unser Unternehmen noch heute aus“, unterstreicht Bene sein Interesse an adäquaten Arbeitssettings.

Orte des Austauschs und des Rückzugs
Er hat die analysierten Anforderungen zur Inspira­tion für zukunftstaugliche Produkte genommen. Das Ergebnis ist die neue Büromöbel-Kollektion „Parcs“, die erstmals im Zuge der Vienna Design Week mit den Designern Tom Lloyd und Luke Pearson vom gleichnamigen Londoner Studio präsentiert wird. „Was heute in Mitteleuropa zählt, ist vor allem Kreativarbeit. Das Büro ist zur Wissensbörse geworden. Die Frage ist: Wie kann man ein Umfeld schaffen, das die Menschen motiviert, Dinge neu zu generieren? Auch hier dreht es sich um die drei großen Bereiche, die schon jetzt die Planung von Büros bestimmen: den klassischen Arbeitsbereich, Orte der Kommunikation und Orte der Konzentration, an die man sich zurückziehen kann“, erläutert Bene, der sich mit der neuen Linie vor allem der Nutzung des Open Space, also der Mittelzone in Büros, widmet. „Kreative griffen diesbezüglich bei Büroausstattung bisher gern zum obligaten Strandkorb oder zur Designer-Sitzgruppe. Bestenfalls wurde ein Tischler beauftragt, nach Skizzen befreundeter Architekten etwas anzufertigen“, weiß der Büroausstatter aus Erfahrung. „Gerade solche Zonen gehören aber besonders professionell geplant. Das diesbezügliche Angebot im Office-Furniture-Business ist höchst unzufriedenstellend.“

Nordirische Felsformation als Vorbild
Bei einem Designwettbewerb in London lernte Bene dann Luke Pearson vom Designerteam PearsonLloyd kennen und kam mit ihm über die Gestaltung der Mittelzone ins Gespräch. Nach intensivem Re­sear­ching zu den Anfor­derungen solcher Zonen, vom Meeting- über den Lounge- bis zum Rückzugsort, entstanden Einzelteile, die unterschiedlichste Settings ermöglichen. Der Name „Parcs“, leitet sich, so das Kreativteam, vom Park ab, man wolle Bürolandschaften wie Stadtlandschaften gliedern und nahm auch Anleihen in der Natur. „Parcs“ umfasst drei Typologien: „die Cause­ways“, Sitzmodule, benannt nach den nordirischen Felsformationen; „Toguna“ (im Bild) , eine halb offene Koje, inspiriert von Versammlungsplätzen im westafrikanischen Mali; und „Wing“, Chair und Sofa, wo man sich am tradi­tionellen Ohrensessel orientierte. „Damit“, so Bene, „lassen sich klare Arbeitsbereiche setzen und auch auf engstem Raum viele Möglichkeiten nutzen, für die man früher noch eigene Zimmer benötigt hätte.“

Kreativitätsförderndes Design
Der Office-Bereich ist durch den Einsatz von Farben und Materialien in den letzten Jahren deutlich wohnlicher geworden, aber in vielen Unternehmen ist man immer noch der Meinung, dass Menschen nur dann arbeiten, wenn sie am Schreibtisch sitzen. „Es bedarf Aufgeklärtheit, um zu erkennen, dass auch jemand, der auf einem Sofa sitzt, Mehrwert für das Unternehmen schafft“, lautet demgemäß der Leitsatz der Londoner Designer. Die kreativen Tätigkeiten sind stark im Zunehmen. Nach einer Untersuchung unter 100.000 Angestellten betonen 98 %, Kreativität ist wichtig, aber nur 2 % sagen, dass das Unternehmen genug dafür tut. „Die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts ­Mitteleuropa entscheidet sich an der Innovationskraft“, ist sich Fachmann Bene sicher. Und 98 % der Inno­va­tionen entstehen im Dialog. „Auf Wissensarbeiter ­zugeschnittenes Office-Design kann die Kreativität bis zu 20 % erhöhen“, belegt auch die Studie. Schöne neue Arbeitswelt – kein ästhetischer Spleen also, sondern durchaus effizient. In jedem Fall aber Chefsache, also eine Frage der Unternehmenskultur.

Von Michaela Knapp

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