Reinhard Gerer: Österreichs populärster Kochkünstler feiert fulminantes Comeback

Starkoch Reinhard Gerer ist wieder zurück. Nicht als Küchenchef eines Luxusrestaurants, sondern als Wirt und Koch eines idyllisch gelegenen Ausflugsgasthauses am Bisamberg.

Der neue und der alte Arbeitsplatz haben wenig gemeinsam. Schon allein die Lage könnte nicht unterschiedlicher sein. Früher verdiente sich Reinhard Gerer im Hotel Bristol schräg gegenüber der Wiener Oper sein Brot. Ein Ringstraßengebäude in absoluter Zentral­lage in der Mitte Wiens. Jetzt muss er ein wenig weiter hinaus. Den Magdalenenhof ganz oben auf dem Bisamberg am Rande Wiens als entlegen zu bezeichnen kommt einer haltlosen Untertreibung gleich. Das Haus befindet sich weit ab im Nirgendwo, erreichbar über kleine Kellergassen und holprige Wege. Rings herum Wald, Wiesen und wohlige Ruhe. Eine absolute Idylle. Wohl nicht nur deshalb wirkt Gerer ­entspannt. Und das, obwohl an den ersten beiden Wochenenden das Haus bereits pro Tag von rund 380 Gästen gestürmt worden ist. „Ich wollte eigentlich nur in Ruhe ein Wirtshaus aufmachen“, meint er und vergisst dabei, dass der Name Gerer und der Begriff Ruhe sich so gut vertragen wie ein Schnitzel mit Safransauce.

Leutselige Natur
Reinhard Gerer ist ­immerhin Österreichs populärster Kochkünstler. Sein Bekanntheitsgrad ist aber nicht nur deshalb so groß, weil er über 25 Jahre Küchenchef im legendären Feinschmeckerrestaurant Korso im Bristol war und dort die halbe Stadt bekocht hat – vom Politiker bis zum Naschmarkthändler. Gerer ist überdies auch noch eine besonders leutselige Natur, kein introvertierter Fadling, sondern ein genussfreudiger Lebe­mensch, der jedem das Gefühl vermittelt, er sei schon seit ewigen Zeiten mit ihm engstens befreundet – auch dann, wenn er ihn gerade erst kennen gelernt hat. Deshalb überrascht es kaum, dass alle jetzt sein neues Gasthaus sehen wollen. „Ich glaub es ja nicht“, sagt Gerer, „die stehen in Zweierreihen am Eingang.“

Achterbahnfahrt der Kritiken
Gerer feiert damit ein echtes Comeback. Denn seit er im Vorjahr im Korso mehr oder weniger unfreundlich verabschiedet wurde, tauchte er nur ab und zu in den Schlagzeilen auf – etwa als gastronomischer Berater des Gasthauses Hexensitz in der Hinterbrühl oder als kochtechnischer Mentor der Küchenbrigade im Club k47. Wie kaum ein anderer Koch hat Gerer alle Höhen und Tiefen dieses Genres durchlebt. Sein Verhältnis zu Kritikern diverser Restaurantguides glich zuweilen einer einzigen Achterbahn. So wurden ihm etwa von Gault Millau zwischenzeitlich vier Hauben aufgesetzt, immerhin die Maximalwertung, die ein Koch erhalten kann. Ein anderes Mal hatte er plötzlich wieder nur noch eine auf dem Haupt. Gerer wurde immer wieder aufs Neue auf- und abgewertet, ein absurd anmutendes Hauben-und-Sterne-Hin-und-Her.

Wolfram Siebecks Lieblingskoch
Echte Zweifel an seiner Kochkunst waren freilich stets unbegründet. Im Gegenteil. Nicht wenige halten Gerer für das größte Kochgenie des Landes. Auch der deutsche Gourmetpapst Wolfram Siebeck bezeichnete ihn immer wieder als seinen „Lieblingskoch in Österreich“. Er hat Legionen an jungen Köchen ausgebildet. Kein Koch hat die österreichische Kulinarikszene mehr geprägt als Gerer. Doch nun verläuft sein neues Leben doch etwas anders als früher. Gerer ist nicht mehr nur Küchenchef, sondern auch Wirt und führt den Magdalenenhof zusammen mit seiner neuen Freundin Natalie Jelesitz. „Sie war es eigentlich“, sagt Gerer, „die mir zu diesem Platz geraten hat.“

Gerer bringt Fantasie mit
Dabei präsentierte sich der Magdalenenhof nicht gerade in Bestform. Mehrere Pächter hatten den Betrieb im Laufe der Zeit in den Sand gesetzt, sehr zum Entsetzen des Eigentümers, der Stadtgemeinde Wien (MA 49). Verwalter Thomas Podsednik: „Wir sind froh, dass wir jetzt den Reinhard haben, da ist wesentlich mehr Fantasie drin.“ Das wurde bereits nach wenigen Tagen deutlich. Durch den enormen Andrang stellte sich rasch heraus, dass verschiedene Grundprodukte in Riesendimensionen bestellt werden müssen und die meisten Töpfe in der Küche viel zu klein sind. Gerer braucht doppelt so große und meint: „Meine Leute in der Küche sagen schon, hier geht es zu wie beim Militär.“

Von Herbert Hacker

Der Magdalenenhof: Derzeit kocht Gerer eine geradlinige Gasthausküche, aber eine aus der Hand eines großen Meisters. In Zukunft soll es mehr Gerichte geben, für die auch Edelprodukte wie Trüffel verwendet werden. Die Weine stammen hauptsächlich vom Weingut Cobenzl.
21. Bezirk, Senderstr. 355, Tel.: 01/292 35 19, Do–So 12–22.

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