Pool Party: Eine Österreicherin mischt die Männerdomäne Billard neu auf

Billard ist ein beliebter Zeitvertreib – nicht nur für Schulschwänzer. Zudem hat die heimische Sportszene mit der Kärntnerin Jasmin Ouschan ein neues Aushängeschild. FORMAT sagt, wie man am Pool cool bleibt, ohne nass zu werden.

Dicke Rauchschwaden, harte Drinks und windige Gestalten, die einen in Hinterzimmer-Biotopen aufs Übelste abzocken wollen. Genüsslich werden in einschlägigen – vorwiegend amerikanischen – Filmen Klischees rund ums Poolbillard gewälzt und sorgen im kollektiven Gedächtnis dafür, dass das Spiel mit den 15 Kugeln nicht gerade den besten Leumund hat. Dass sich etliche Generationen von Schülern beim Schwänzen von unliebsamen Unterrichtseinheiten ebenfalls die Zeit am grünen Tisch vertrieben, festigt zudem den nicht ganz sauberen Ruf, der dem Spiel vorauseilt. Doch das Verruchte fasziniert, und in gewisser Weise ist das Ballspiel mit dem Queue immer irgendwie, na ja, anstößig.

Die Spitzensportlerin  
Ob Jasmin Ouschan, die zurzeit zu den besten Poolbillard-Spielern der Welt zählt, während kleiner schulischer Auszeiten ebenfalls an Billardtischen zu finden war, lässt sie nonchalant offen. In ihrer regulären Freizeit jedenfalls war die 23-jährige Klagenfurterin selten ohne Queue anzutreffen und übte sich bereits in frühesten Kindheitstagen im korrekten Versenken der bunten Kunststoffkugeln. „Im Gasthof meiner Eltern ist der Billard Club Eintracht Klagenfurt beheimatet. Ich kam mit dem Sport schon als Dreijährige in Kontakt und habe mit sechs Jahren ernsthaft damit angefangen“, erinnert sich Ouschan. Ihr Talent wurde damals erkannt und gezielt gefördert. Eine kräftige Portion Ehrgeiz tat das Übrige. Denn neben Damenturnieren spielt Ouschan, die gemeinsam mit Manager und Trainer Michael Neumann rund 250 Tage im Jahr unterwegs ist, auch immer wieder gegen Herren. „Ich will mich mit den Besten messen, und das sind eben die Männer.“

Amazone bei Weltmeisterschaften
Dies tut sie übrigens sehr erfolgreich, zuletzt etwa bei der Herren-Weltmeisterschaft der Poolbillard-Variante 14/1. Dort erspielte sie sich im Vorjahr den sensationellen dritten Platz und warf auf dem Weg ins Semifinale sogar den amtierenden Titelverteidiger aus dem Turnier. So etwas beeindruckt, vor allem in Weltgegenden, in denen Poolbillard – immerhin seit 1998 eine olympisch anerkannte Sportart – nicht ein Dasein als Randsportart fristet. Als Frau, die sportlich regelmäßig die Männerriege aufmischt, ist sie mittlerweile in den USA und in Asien, den Hochburgen des Pool-Spiels, ein Star; Autogrammwünsche auf offener Straße inklusive. Das Eindringen in die Männerdomäne läuft freilich nicht immer konfliktfrei ab, wie die Kärntnerin schelmisch anmerkt. „Als ich in Dubai als Frau einen im Nahen Osten bekannten Spieler besiegte, sprach dessen Familie ganze drei Tage kein Wort mehr mit ihm.“ Zu seiner Schande wurde das Spiel auch noch im Fernsehen übertragen.

Hoffen auf den großen Boom
Von Fernsehübertragungen von Pool-Turnieren ist man in Österreich noch weit weg. Man wünscht sich in der heimischen Poolbillard-Szene, dass der Sport durch die Erfolge von Jasmin Ouschan einen kleinen Booster bekommt. Zudem soll auch die Poolbillard-Europameisterschaft in St. Johann im Pongau für mehr mediale Aufmerksamkeit sorgen. „Das Interesse an Billard ist durchaus vorhanden, die Pool-Hallen sind ja voll“, erörtert Stephan van der Heijden vom Österreichischen Pool-Billard Verband (oepbv) den Status quo. Den Schritt von der abendlichen Freizeitgestaltung in den Verein wagen aber dennoch nicht viele. Rund 4.500 Mitglieder in 85 Vereinen zählt der Verband, rechnet man die Billard-Varianten Karambol und Snooker auch dazu, sind es ungefähr 10.000 Menschen in Österreich, die ein offizielles Vereinsbekenntnis zum Tischsport abgelegt haben.

Bis zu 5.000 Köö-Gäste täglich
Nicht wirklich atemberaubend für ein Spiel, das jeder kennt, jeder schon einmal gespielt hat und das in Österreich – wenn auch in der Variante Karambol – auf eine lange (Kaffeehaus-)Tradition verweisen kann. „Wir haben täglich bis zu 5.000 Gäste in unseren Lokalen“, resümiert Johann Hirschhofer, Chef der Billardlokal-Kette Köö. Über 300 Pool-Tische sind in zwölf Köö-Lofts rund um Wien verteilt, und das Angebot wird durchaus gerne genutzt. „Zu uns kommen Gäste aller Alters- und Gesellschaftsschichten“, so der Unternehmer, der vor 21 Jahren in den Tiefen des Wiener Bezirks Margareten sein erstes Köö-Lokal eröffnet und dabei einen Geschmacksnerv der Massen getroffen hat. „Niemand wollte sich Ende der 80er-Jahre in Wien des Billards annehmen.“

Höhen und Tiefen
Nach dem Zweiten Weltkrieg entfernte man sukzessive Tische aus den Traditionscafés und verkaufte die frei werdende Lokalfläche. Dann wurden zwar überall, auch in kleineren Beisln, Pool-Tische mit Münzeinwurf aufgestellt, die gab man dann aber oft wieder weg, um mehr Sitzplätze für Gäste zu schaffen. Der Bedarf und vor allem die Faszination am Spiel war trotzdem immer da“, erklärt sich Hirschhofer den Erfolg seines Familienunternehmens. Nicht außer Acht lassen sollte man den Nimbus des Spiels: Billard war anfangs immer auch ein Spiel der oberen Klassen. Und natürlich ein herrlicher Zeitvertreib für Müßiggänger, Freigeister und Künstler. So weiß man etwa von Wolfgang Amadeus Mozart, dass er einen Teil seines Vermögens am Billardtisch leichtfertig verspielt hat.

Entspannung über die Bande  
Die ungebrochene Faszination der Kugel lässt auch immer wieder Menschen davon träumen, sich einen Billardtisch in die eigenen vier Wände zu stellen. „Es gibt momentan verstärkt die Nachfrage nach Tischen für zuhause“, stellt Heinrich Weingartner fest. Der 69-jährige Wiener ist eine der Galionsfiguren der heimischen Billardszene und mit seinem Fachhandel am Wiener Gürtel eine der besten Adressen in Billard-Belangen. Für einen soliden, guten Tisch muss man zwar etwas tiefer in die Tasche greifen, aber: „Bei korrekter Wartung und Pflege überdauert das Möbelstück Generationen“, so Weingartner. Langfristig gesehen ist Billard in all seinen Variationen, sei es Snooker, Karambol oder Pool, eine doch recht günstige Freizeitbeschäftigung. Es passt also herrlich zum Zeitgeist, der momentan vom Rückzug ins Private und Downshifting in allen Lebensbereichen geprägt ist. Und ist zudem über die Maßen entspannend. Der helle Klang der kollidierenden Hartplastikkugeln hat etwas hypnotisch Beruhigendes, das Spiel fördert strategisches Denken, und die Konzentration auf den nächsten Stoß lässt den Alltag für die Dauer einer Partie vergessen.

Von Manfred Gram

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