Multikulti-Köchin Haya Molcho über ihre israelische Oma und die Gerüche im Souk

Mit dem „Neni“ am Naschmarkt und dem neuen Tel-Aviv-Strand am Donau­kanal ist Haya Molcho zu einer Gastro-Größe Wiens aufgestiegen.

Haya Molcho ist in den letzten Jahren ziemlich berühmt geworden. Als Szene­wirtin und als Köchin, als Catering-­Unternehmerin und Kochbuchautorin, als Besitzerin des Multikulti-Naschmarktlokals „Neni“, das neue architektonische Akzente setzt, und als erfolgreiche Betreiberin des Tel Aviv Beach am Donaukanal. Sie quittiert es mit zufriedenem Erstaunen. „Ich glaube, die Leute spüren, dass ich authentisch bin und Leidenschaft habe für das, was ich tue“, sagt sie. Der Tel-Aviv-Strand geht heuer in sein zweites Jahr. Derzeit wird noch umgebaut für die Neueröffnung im Juni. Es wird dezenter als im Vorjahr, sagt Haya Molcho, mit einer langen Bar mit sandfarbenem Verputz „wie in Israel“, mit Sitznischen und Duschen.

Familienrechnung
Haya Molcho arbeitet mit den beiden älteren ihrer vier Söhne zusammen: Nuriel ist fürs Personal und die Promotion zuständig, Elior fürs Buchhalterische. Sie selbst kümmert sich um die Küche, die Speisekarte und den Einkauf. Die Familienrechnung, sagt Haya Molcho, geht voll auf: „Wir haben uns immer gut verstanden, und ich schätze sie sehr.“ Sie lacht. „Als wir angefangen haben, hat man uns gesagt: Ihr seid naiv! Na, dann möchte ich naiv sein.“ Der Erfolg gibt ihr Recht.

In Omis Fußstapfen
Für sie ist Kochen nicht einfach eine Leidenschaft oder ein Hobby wie jedes andere. „Kochen“, sagt Haya Molcho, „ist für mich die Sehnsucht nach zuhause. Es bedeutet Wärme und Zusammensitzen und ein voll besetztes Haus mit vielen Gästen.“ Dass das so ist, hat mit ihrer Großmutter zu tun und irgendwie auch mit Bremen. Die Großmutter gehört nach Tel Aviv. Dort ist Haya Molcho aufgewachsen. Und die Großmutter, die aus Rumänien stammte, war eine wichtige Figur in Hayas israelischer Kindheit der späten 1950er- und frühen 1960er-Jahre. „Meine Oma hat gut gekocht und erzählt. Schon ab drei habe ich mitgekocht“, sagt sie, lacht und zündet sich schwungvoll eine Zigarette an.

Volles Haus
Zuhause in Tel Aviv kamen alle Tage Gäste ins Haus. Das lag am Lebensmittelüberschuss, der verkocht werden wollte. Der Überschuss kam daher, dass Hayas Vater als eine Art reisender Zahnarzt mit seinem transportablen Bohrer durch die Gegend fuhr und Hausbesuche bei seinen Patienten machte. „Oft hatten die Leute kein Geld und bezahlten ihn stattdessen mit einer Kiste Gurken oder Tomaten. Der Ehrgeiz meiner Mutter und meiner Großmutter bestand darin, aus einer großen Menge eines einzigen Produkts möglichst viele verschiedene Gerichte zu machen. So wird man kreativ“, sagt Haya Molcho.

Die Bilder des Souk
Der Souk von Tel Aviv lag ganz in der Nähe, die Wohnung war klein. Haya sagt, das Leben habe sich draußen abgespielt. Bis heute hat sie den Kopf voll mit den Bildern und den Gerüchen des Souk. Es war eine bunte Kindheit, in der Gastfreundschaft keine Pflicht, sondern tägliches Vergnügen war. Kochen in Israel bedeutete außerdem, Inspirationen aus vielen verschiedenen nationalen Küchen zu bekommen: aus der persischen und russischen, der arabischen und marokkanischen, der türkischen und rumänischen, der französischen und spanischen.

Verpflanzt
Und dann, ja dann kam Bremen. Für ein Kind des Mittelmeers ein ziemlicher Schock. Als Haya neun war, erhielt ihr Vater als einer der Pioniere der Zahnimplantologie den Ruf an die Uni Bremen. Die Familie zog um. „Es war … schwierig“, sagt Haya vorsichtig, als wolle sie das Schicksal, das doch im Ganzen so großzügig mit ihr umgegangen ist, für diesen kleinen Umweg nicht allzu sehr rügen. Es war wohl weit schlimmer als „schwierig“, aus der bunten Großfamilie im warmen Tel Aviv mit seinem Völker- und Sprachengemisch ins kühle, nördliche Bremen verpflanzt zu werden.

Vertraute Gerüche
Eins aber hatte auch dort Bestand: Wenn Haya in Bremen von der Schule nachhause ging, roch es in ihrer Straße nach den vertrauten Gerüchen aus Israel. Ihre Mutter kochte mit denselben Gewürzen wie zuhause, und die Verwandten, die auf Besuch kamen, brachten Melonen, Gemüse und Kräuter aus Tel Aviv mit in den Norden. Deshalb steht Kochen in Hayas Leben für zuhause. Und genauso ist es in ihrer eigenen Familie. Sie ist mit dem Pantominen und Schauspieler Samy Molcho verheiratet und hat ihn als junge Frau über viele Jahre weltweit auf seinen Tourneen begleitet. Sie haben vier Söhne. „Die zwei jüngeren, Ilan und Nadiv, studieren in London und New York Schauspiel. Bevor sie nachhause kommen, rufen sie an und sagen: Mami, bitte koch mir mein Lieblingsessen.“

Familien-Catering
Vor zehn Jahren, nach der Bar-Mizwa des jüngsten, machte Haya ihr erstes Catering. „Nach vier Kindern habe ich einen neuen Sinn gesucht. Ich wollte selber etwas machen. Samy fragte mich: ‚Was liebst du?‘ Und ich habe gesagt: ‚Seit ich drei war, habe ich gern gekocht.‘“ So hat alles angefangen. Und es soll immer in Bewegung bleiben. In Haya Molchos kühnsten Träumen stellt sich die Zukunft ungefähr so dar: „Als meine Söhne geboren wurden, war ich bei drei Astrologen. Alle drei haben gesagt: Die vier Jungs werden mal zusammen arbeiten. In den Träumen einer vernarrten Mutter sieht das dann so aus: Nuriel und Elior machen das Catering, wenn Nadiv und Ilan für den Oscar nominiert sind.“ Think big!

Julia Kospach

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