Mit Vollgas in den Abgrund: Desaströser Auftritt der Franzosen bei Fußball-WM

Das französische Nationalteam stand einmal für Spielkunst, Esprit und gelebtes Multikulti. Zuletzt regierten Feigheit, Zank und Hader. Eine der Hauptrollen spielte Raymond Domenech – als lahme Ente. Wo sein WM-Malheur begann? Nicht in Südafrika – sondern vor zwei Jahren in Wien.

Bis zum Schluss schienen „Les Bleus“ den Ernst der Lage nicht erkannt zu haben. Entweder schoben sie den Ball ohne Raumgewinn hin und her, oder sie droschen ihn planlos in die Höhe. Es war Samstag, der 6. September 2008, als der Favorit die WM-Qualifikation im Happel-Stadion mit einem 1:3 gegen Österreich unter Karel Brückner begann. Erstaunlich auch, wie gefasst Raymond Domenech après reagierte: „So ist Fußball. Wir hatten den Willen, machten auch Druck. Aber die Freistöße des Gegners, die zu zwei Toren führten, waren gut geschossen.“ Ähnlich unrund ging der Bewerb für die Tricolors zu Ende – ohne das Hand-Tor von Thierry Henry im Playoff gegen Irland wäre das Südafrika-Ticket gar nicht gelöst worden.

Ein lausiges Pünktchen

Wie bei der EURO blieb jetzt nur der letzte Gruppenplatz – wieder mit nur einem Pünktchen. Der Unterschied: Vor zwei Jahren passierte es in einer echten „Hammergruppe“ (mit Italien, Holland, Rumänien). In Südafrika verlor man nach einem 0:0 gegen Uruguay überhaupt erstmals gegen Mexiko – ohne Esprit, ohne Linie, ohne Aufbäumen. Ribéry war als Spielmacher überfordert. Dass Henry nicht einmal als Joker auflaufen durfte, war die Erregung nicht wert: Der Rekordschütze ist über dem Zenit. Unverständlicher, dass Domenech einen Torjäger wie Karim Benzema zu-
hause ließ.

Alles ist vergiftet

Zur Pause des Mexiko-Spiels soll Nicolas Anelka den Teamchef wüst beschimpft haben – das Rückflugticket für das Enfant terrible. Der Gipfel der Chaos-Tage war das noch nicht: Neo-Kapitän Patrice Evra hätte sich beinahe mit dem Fitnesstrainer geprügelt. Der Delegationsleiter schmiss entnervt hin. Ein Training fiel ins Wasser – „Deserteure“, tobte „France Soir“, „Bad-Boy-Millionäre“, schimpften Politiker.

Die gute Nachricht aus dem piekfeinen WM-Quartier, dem „Pezula Resort“ an der Gardenroute: Niemand brachte einen Kopfstoß à la Zidane im WM-Finale 2006 an. Aber das Klima war schon vor dem finalen 1:2 gegen Südafrika vergiftet, der Imageschaden angerichtet. Domenech, für die Öffentlichkeit die Hassfigur par excellence, übergibt den Trümmerhaufen nach sechs Jahren nun an Laurent Blanc von Bordeaux.

Andreas Jaros

Im Bild: Frankreichs Trainer Raymond Domenech

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