Mach die Fliege: Nicht nur Österreichs Promis werfen immer öfter die Rute aus

Fischen ist der neue Kultsport? Egal ob Fliegen- oder Spinnfischen, Petri Jünger erfreuen sich regen Zuspruchs: Die Philosophie hinterm Angelsport, die schönsten Reviere und was man braucht, um nicht im Trüben zu fischen.

"Es ist gar nichts dabei.“ Wenn der Abenteuer-Koch Bernie Rieder erzählt, wie er als Kind Forellen mit den Händen aus Bächen fischte, kommt er ins Schwärmen. Heute nimmt er die Angel – wenn’s sein muss, auch ganz sparta­nisch nach „Do it yourself“-Prinzip zusammengebas­telt. „Angeln übt eine unheimliche Faszination auf mich aus“, erklärt der Topkoch und Naturbursche, der auch bei ­Urlauben am Meer zur Rute greift. „Nur vom Blau des Wassers und des Himmels umgeben, wird man sich der Nichtigkeit seiner Existenz bewusst“, sinniert Rieder, der seinen Fisch dann auch fangfrisch in die Pfanne haut.

Erholung als Hauptmotiv
Für ein Drittel der Angler ist „Fische zum Essen fangen“ zwar ein wichtiges Motiv, Hauptzweck des ­Fischens sind aber nach wie vor „Erholung und Entspannung in der Natur“, so das Ergebnis einer Studie des Dachverbandes österreichischer Anglervereine ÖKF. Ebenfalls nicht unwichtig: der gesellschaftliche Faktor. Dieser spielt für ein Drittel der Angler eine große Rolle und ist besonders stark bei weiblichen Petrijüngern ausgeprägt. Derart entspannt sich etwa die Wetterlady Christa Kummer gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten, dem Sportreporter Franz Hofbauer. Die Burgenländerin wirft seit sieben Jahren die Rute aus und frönt der Königsdisziplin des Angelsports: dem Fliegenfischen. Kummer hat sich das notwendige Wissen/Handwerkszeug von ihrem Partner abgeschaut, einem „wahren Fliegenfischmeister“. Gemeinsam rücken sie im Kamptal, an der Pielach oder Salzach aus, um in erster Linie die Stille und die Bewegung in der Natur zu genießen. „Das Fischen ist mein Antistressprogramm, große Fische an Land zu ziehen ist nebensächlich“, so Kummer. Fügt aber mit Stolz hinzu, im vergangenen Jahr einen 65-Zentimeter-Hecht erwischt zu haben. „Das war ein großes Erlebnis für mich.“

Lernen am Wasser  
Die hohe Kunst des Fliegen­fischens zu lernen ist wahrlich nicht einfach. Neben fachgerech­tem Umgang mit Rute, Rolle und Fliege ist es ­wichtig, firm in Sachen Natur- und Insektenkunde zu sein. Der falsche Köder zur falschen Zeit, und schon steht man ohne Erfolgserlebnis einige Stunden im Wasser herum. Erst mit der Zeit lernt man, ein Gewässer zu lesen. Strömungen, Kurven, kleine Strudel. Es gibt kein Rezept; man entwickelt mit der Zeit ein Gespür dafür, wie die Schnur sauber über Wasser gehalten wird. „Autodidaktisch geht gar nichts“, ist auch Bernd Schreiner, Verkaufsleiter beim Uhrenhersteller Maurice Lacroix, überzeugt. Der Mittdreißiger unterzog sich vor einigen Jahren einem Fliegenfischerkurs. Nach zwei, drei Tagen Wurfübungen am Trockenen geht es ans Eingemachte, respektive ins Wasser. „In bewegten, schnellen Flüssen ist es eine besondere Herausforderung, einen Fisch zum Anbeißen zu bringen“, erzählt Schreiner, der aus dem Angelsport auch einiges ins Berufsleben mitnimmt: „Man lernt im Wasser immer dazu, Selbstüberschätzung wird sofort bestraft – das ist wie im Business.“ Die Synthese aus Naturverbundenheit, Regeneration und Bewegung schätzen viele Manager. Tendenz: stark steigend. So auch Unternehmer und ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel. Seit über vier Jahrzehnten ist der Ski-Zampano in seiner Freizeit am Wasser anzutreffen. Wenn ­Saison ist, zieht es ihn zweimal die Woche ans Wasser, kaum einen Fluss gibt es in Westösterreich, den der Tiroler noch nicht durchwatet hat. „Beim Fliegenfischen ist man so fokussiert, dass man den Stress des Berufs völlig vergisst“, sagt Schröcksnadel, der gerne auch in Norwegen, England und in der kanadischen Provinz ­British Columbia fischt.

Spinnen die Fischer?
Ein umtriebiger Fischreisender ist auch Peter Kasparek, der sich ganz dem Spinnfischen verschrieben hat. Beim Spinnfischen handelt es sich um eine Angelmethode, bei der überwiegend Kunstköder zum Fang von Raubfischen eingesetzt werden. „Als Spinnfischer ist man ständig in Bewegung, denn der Köder wird gleich nachdem er ausgeworfen wurde auch schon wieder eingeholt“, erklärt Kasparek die feinen Unterschiede zu anderen Angelmethoden wie etwa dem statischen Grundfischen. Dabei wird – überspitzt formuliert – einfach die Angelschnur im Wasser versenkt, man lehnt sich gemütlich zurück und wartet auf einen fetten Karpfen, der am Teich­boden herumgrundelt. Kasparek betreibt übrigens ein exquisites Fachgeschäft für Fischer. Das Spinnfischen bietet da schon etwas mehr an körperlicher Bewegung. Für den Fangerfolg muss der Köder so bewegt werden, dass er möglichst lebendig wirkt und den Raubfisch zum Zuschnappen verleitet. Die Kunst besteht darin, dem Köder Leben einzuhauchen, wozu es einiger Tage Übung bedarf. Besonders gut eignet sich das Spinnen zum Fangen von Barsch, Hecht und Zander. Und man macht es das ganze Jahr über, sofern die Flüsse nicht zufrieren. „Spinnfischen wird immer populärer und zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten“, freut sich Kasparek. So gesehen wird man den Eindruck nicht ganz los, dass Fischen, in all seinen Varianten, so etwas wie das neue Golf ist.

Von Dina Elmani und Manfred Gram

Society

Opernball-Lady Treichl-Stürgkh: "Rücktritt am 4. Februar!"

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die 10 reichsten Amerikaner

Leben

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die 10 reichsten Amerikaner

Women Leadership Forum 2014

Society

Women Leadership Forum 2014