Immer mehr Austro-Designer springen ins kalte Wasser und machen sich selbständig

Die heimische Modeszene brodelt. Immer mehr Austro-Designer entscheiden sich für die Selbstän­digkeit. FORMAT verrät, was nötig ist, um ins Fashion-Business einzusteigen, und stellt vier Modeschöpfer vor, die es bereits geschafft haben.

„Ich habe nach dem Studium einige Zeit bei Fashion­unternehmen in Hamburg und London gearbeitet. Irgendwann wollte ich die Zeit und Energie, die ich in die Produkte anderer gesteckt habe, lieber in mein eigenes Projekt investieren“, erzählt Sandra Schmidt, die sich vor vier Jahren mit ­ihrem Label „mangelware“ selbständig gemacht hat. So wie die Designerin entscheiden sich mittlerweile viele Modeschaffende für einen Platz im Chefsessel. Während in den 80er-Jahren hierzulande gerade mal sieben Prozent der Designer eigene Firmen auf die Beine­ stellten, sind es nun schon mehr als zwei Drittel – Tendenz: weiter steigend! Wobei knapp 80 Prozent der heimischen Modeunternehmen ihren Firmensitz in Wien haben. Nur wenige leben im Ausland oder arbeiten in anderen Teilen Österreichs. „Wien hat sich in den letzten Jahren zu einem ­spannenden und kreativen Standort entwickelt. Vor allem die Modeszene ist sehr lebendig“, so Christoph Thun-Hohenstein, Geschäftsführer der Förderagentur „departure“. Einen feinen Querschnitt des immensen Designpotenzials der Stadt gibt es am 6. Juni auf der „departure fashion night“ zu sehen, die im Rahmen des von „Unit F büro für mode“ organisierten „9 festival for ­fashion & photography“ stattfindet. Dort werden Kollektionen von bereits etablierten Labels wie „house of the very island’s“, „mangelware“, „superated“ und dem Szene-Star Ute Ploier einem modeaffinen Publikum präsentiert.

Organisiert in die Selbständigkeit  
„Obgleich es sowohl in Österreich als auch international einige Success-Storys gibt, scheitern noch immer 95 Prozent der Start-ups. Vielen ist nämlich nicht klar, dass es weniger um Glamour und Spaß geht, sondern primär darum, ein ­effektives Business aufzuziehen“, warnt der US-Modeblogger und Fashion-Business-Analyst Imran Amed vor vorschnellen Entscheidungen zur Selbständigkeit. Tipps des Experten zur Unternehmensgründung sind auf seinem Blog businessoffashion.com nachzulesen! Und auch Toby Meadows, Geschäftsführer von „Three’s Company“, einer Unternehmensberatung für die Fashion-Industrie, zeichnet in seiner Fibel „Wie gründe ich ein Modelabel?“ (av edition) ein ähnlich nüchternes Bild: „Die meisten Jungunternehmer sind zwar hoch kreative Designer, verstehen aber nur ansatzweise etwas vom Modegeschäft.“ Vor der Firmengründung sollten daher einige Punkte abgeklärt werden. Dazu zählt etwa die Entwicklung eines eigenen Profils, die Positionierung des Labels sowie die Analyse der generellen Marktstrukturen. „Mir war es vorab vor allem wichtig, festzulegen, wo ich meine Mode absetzen möchte und welche Zielgruppe ich ansprechen will“, erinnert sich etwa die Modeschöpferin Schmidt. Ihre Kreationen sind für Frauen zwischen 35 und 55 gedacht, die keine typischen Markenfreaks sind und vorwiegend in Österreich, der Schweiz oder Deutschland leben.

Mangelware Liquidität
Sind die grundlegenden Überlegungen angestellt und die ersten Schritte einmal getan, geht es ans Eingemachte. „Die finanziellen Ressourcen für den Start sind relativ hoch. Neben der Ateliermiete, Kosten für Maschinen, die Musterkollektion, Shows oder die Website muss auch die Produktion – falls bereits Aufträge vorhanden sind – vorfinanziert werden“, so Ute Ploier, die seit sechs Jahren mit dem gleich­namigen Label auf dem inter­nationalen Modeparkett re­üssiert. Das heißt, 25.000 Euro aufwärts sollten mindestens budgetiert werden. Für Know-how in Marketing und Wirtschaftsrecht ist es ratsam, Experten heranzuziehen. Denn ohne Unterstützung offizieller Förderstellen wie „departure“ ( www.departure.at ), „impulse der aws“ (
www.impulsprogramm.at
) oder „Unit F“ ( www.unit-f.at ) wäre die Gründung eines Labels oder der Entwurf so mancher Kollektion nicht möglich. Vor allem „departure“ hat in den letzten vier Jahren vielen Jungunternehmern am Kreativsektor Starthilfe gegeben. „Durch die Förderungen konnten wir uns eine wirtschaftliche Basis schaffen. Es war uns möglich, eine Prototyp-Kollektion anzufertigen und mit unseren Kollektionen auch im Ausland präsent zu sein“, erzählt Markus Hausleitner, einer der Köpfe des nonkonformistischen Designer-Kollektivs „house of the very island’s“. Um eine Förderung zu erhalten, muss allerdings die Innovationskraft und Kreativität des Designs ebenso überzeugen wie der Businessplan. So unterstützt „departure“ die ersten Gründungsschritte mit bis zu 15.000 Euro. Designer, die schon im Biz verankert sind, können sich sogar mit bis zu 200.000 Euro fördern lassen.

Mit Starthilfe allein ist es nicht ­getan
Um mittelfristig Erfolg zu haben, braucht es Hartnäckigkeit, Liebe zur Selbstausbeutung und eben auch kreative und herausragende Ideen. „Am Ende des Tages muss jedes Label für sich allein kämpfen, damit es ökonomisch funktioniert. Es ist erfreulich, dass es trotz aller Hürden so viele schaffen“, fasst Ulrike Tschabitzer Ko-Leiterin der Modeplattform „Unit F“, zusammen. Das sieht auch Modeschöpferin Ute Ploier so: „Der Job ist zwar sehr zeitaufwendig und arbeitsintensiv, dafür ist die heimische Modeszene umtriebig und vielfältig.“ Mehr als 150 selbständige Modemacher in Wien beweisen das augenfällig und arbeiten intensiv an der internationalen Etablierung ihres Labels.

Von Birgitt Kohl

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