Hüttenzauber statt Hotelblues

Der gute alte Hüttenurlaub ist in wie nie. Allerdings in luxuriöser Form: Statt schlichter Matratzenlager feinst ausgestattete Alpen-Chalets mit Sauna und Jacuzzis. FORMAT zeigt, wo die schönsten Almbehausungen zu finden sind.

Die glänzenden Augen Sabine Röders haben weder mit dem Schneechaos am Brenner noch mit vermeintlichen Familiendramen im silberglänzenden Geländewagen hinter ihr zu tun. Die Werberin aus München schwärmt von zwei Wochen im tief verschneiten Rennweg am Fuße des Katschbergs. Die Promidichte im Kärntner Skigebiet kann es zwar kaum mit Kitzbühel und dem Arlberg aufnehmen, dafür gibt es Geheimtipps zu entdecken, die noch kein Hochglanzmagazin zierten. Der eigentliche Grund der Verzückung sind für die Mutter dreier pubertierender Mädels weder Pulverschnee noch Kärntner Kasnudeln, sondern ein Holzblockbau aus dem 18. Jahrhundert mit historisch beflecktem Namen: Napoleonvilla heißt das Refugium, in das sich Röders Familie im Dezember zurückzog. Der einzige Raum, der während des Aufenthalts nicht genützt wurde, war das Konferenzzimmer im Keller. „Ja, die Idee hat sich im Nachhinein als Reinfall erwiesen“, gibt Wilfried Seywald, Besitzer der Holzhütte, zu. Von Berufs wegen dachte der gebürtige Kärntner an „Manager in Klausur“, als er vor sechs Jahren begann, die hölzerne Ruine wieder zum Leben zu erwecken. Im nächsten Winter soll der verwaiste Raum zum Spa mit Sauna, Jacuzzi und ein paar anderen Annehmlichkeiten werden.

Fichtenholzsauna und Outdoor-Jacuzzi
Und genau das ist es, wonach alle suchen. „Im Winter könnte ich das Haus zehnfach belegen, im Sommer ist die Nachfrage geringer.“ Der PR-Mann Seywald wittert einen lukrativen Trend und hat bereits eine weitere alte Holzhütte im Portfolio. Denn 2010 hat die Almhütte ihr Stockbettenflair längst abgelegt: Der zugigen Skihütte wurde ein Facelift verpasst, und zum Vorschein kamen mondäne Alpen-Chalets, die entweder einsam und der Welt entrückt im Wald verborgen liegen oder dörflich idyllisch in Grüppchen am Hang kleben. Dem Urigen und Zünftigen stülpten findige Tourismusforscher ein luxuriöses Häubchen über, und wer heute noch seinen Winterurlaub in einer Bettenburg bucht, sich an Frühstückszeiten und Minibars halten muss, der schätzt seinen eigenen Erholungsbedarf gering. Mehr noch als das Sommerhaus am Meer oder eine Villa in der Toskana entspannt Urlaub in einem schmucken Holzhäuschen Geist und Seele.

Hüttenzauberer und Alpendandys
Bevor Touristen die Berge eroberten und Skifahren zum Massensport wurde, waren die Alpen ein beschaulicher Ort. Und das sind sie zum Teil noch immer. Kuscheln vorm Kamin, ausschlafen, ohne das Frühstück zu versäumen, essen, wenn der Magen knurrt, in der Fichtenholzsauna den Jagertee ausschwitzen – ohne dass einem andere transpirierende Leiber dabei zusehen. Gründe gibt es genug, um die Beschaulichkeit und den Komfort einer Hütte dem Trubel im Hotel vorzuziehen. Wer sich Pisten und Après-Ski nicht völlig entziehen möchte, sollte sich eines der Almhüttendörfer in den Skigebieten aussuchen, wie das Almdorf Klippitztörl ( www.huetten.com ), wo die Häuser mitten im Skigebiet liegen. Autos sind dort verboten. Oder das Almdorf Seinerzeit auf der Fellacheralm, das den feinsten kulinarischen Hüttenservice in Österreich bietet ( www.almdorf.com ). Im steirischen Salzkammergut, am Fuße des Losers, steht das Almhüttendorf Hagan Lodge ( www.hagan-lodge.at ), erbaut im typischen Ausseer Baustil und auf „Individualisten“ ausgerichtet. Die einzige Frage, die bei dem winterlich-romantischen Almrauschen im Raum steht: Lohnt es sich, diesen Winter überhaupt noch runter ins Tal zu fahren? Eigentlich nicht.

Romana Kanzian

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