Gran Kanalia: Am Donaukanal sind Erholung und Gaumenfreuden nah am Wasser gebaut

Die Gastro- und Eventszene hat den Donaukanal entdeckt. Ab Mai setzt das Treiben am Flussufer ein. FORMAT zeigt, wo man hin sollte und was geplant ist, um das Naherholungsgebiet weiter aufzuwerten.

Ein paar Möwen ziehen ihre Kreise in der Luft, ein ­Biber wuselt an der Uferböschung herum. Im Hintergrund stimmen Vögel ein fröhliches Tirili an. Wenn es Frühling wird in Wien, kommt auch wieder Leben an den Donaukanal und sorgt für idyllische Momente mitten in der Stadt. Aber am Donaukanal, vor 140 Jahren zum Zwecke des Hochwasserschutzes gebaut, tummeln sich nicht nur Geschöpfe der Fauna. Hat doch auch der Stadtbewohner den rund 17 ­Kilometer langen Flussarm des Donaustroms als Naherholungsort für sich entdeckt (siehe Bilder zu den geplanten und umgesetzten Projekten ) . Hier wird Sport getrieben, gejoggt, Rad gefahren, junge Familien schieben Kinderwagen vor sich her, und Angler halten ihre Rute ins Wasser. Geht es mit flotten Schritten Richtung Sommer, beginnt dann auch noch das bunte Partytreiben am urbanen Fließgewässer.

Pionier Summerstage
Das war nicht immer so. Die Zeit, als der Donaukanal von den Wienern nicht wahrgenommen wurde, scheint allerdings vorbei zu sein. „Als wir 1996 mit der Summerstage starteten, war hier fast gar nichts“, erinnert sich Ossi Schellmann an seine Anfänge am Kanal. Mittlerweile ist seine Summerstage zur häufig ­frequentierten Erlebnismeile avanciert, die jährlich rund 300.000 Besucher anlockt – mit dementsprechend breit gefächertem Angebot, das von Autorenlesungen über Bandauftritte bis hin zu Veranstaltungen für Kinder, mit eigener pädagogischer Betreuerin, einiges anbietet. Rund 120 Mitarbeiter sorgen in der 14. Saison dafür, dass das alles einigermaßen reibungslos über die sommerliche Bühne geht. Lediglich die heimische Subkultur­institution Flex, einige Hundert Meter stromabwärts gelegen, ist mit bald 14 ­Jahren länger am Donaukanal ­zuhause und war somit einer der ersten Siedler im innerstädtischen Niemandsland, das immer auch ein wenig den Charme des leicht trostlos „Angegrindeten“ versprühte.

Sand in der City
Wasteland hat es bis 2005 auch unterhalb der Wiener Urania gegeben. Dort beim Herrmannpark – benannt nach dem (vergessenen) Erfinder der Postkarte – steht jetzt jeden Sommer die Strandbar Herrmann, Österreichs erster Stadtstrand ( im Bild ). „Wir verwirklichten eine Idee, die wir in Berlin gesehen haben“, erklärt Rudi Konar, der gemeinsam mit seinem Kompagnon Alexander Kaiser den Weg durch die Instanzen ging, um eine temporäre Party-Location aufzubauen. Mit großem Erfolg übrigens. In den Sommermonaten tummeln sich täglich 2.000 Barbesucher auf dem Areal und stecken zwischen Liege­stühlen und Cocktails ihre Füße in den Sand. „Untertags sind viele Familien hier, am Abend kommen Büroangestelle, Freiberufler, Studenten und Touristen“, spricht Konar über sein Publikum. Das hippe Plätzchen, das vom „Conde Nast Traveller“-Ma­gazin 2006 zur zweitbesten Bar weltweit gewählt wurde, hat mittlerweile einen Werbewert von 2,8 Millionen Euro. In Verbesserungen wie einen neuen Essensstand und Sanitäranlagen wurden heuer rund 60.000 Euro investiert. Dass der 38-Jährige mittlerweile nicht mehr der Einzige am Donaukanal ist, der mit dem Geschäftsschmäh „Sand und Klappliegestuhl“ reüssiert, stört ihn nicht: „Solange es zu keinem Überangebot kommt, verträgt sich das schon und ist sehr begrüßenswert.“

Pool am Kanal
So findet sich entlang des Kanals mit der Adriawien eine weitere große Strandbar, die auf einen Mix aus Gastro und Unterhaltung setzt, direkt daneben wird ­heuer erstmals der Tel Aviv Beach Stadtstreuner anlocken. Gastronom Geri Ecker hat das 4.000-m2-Areal am Kanal­ufer gepachtet, als Geschäfts­führer vom Badeschiff kümmert er sich zudem um eine weitere Location, die den ­Donaukanal in den letzten Jahren aufgewertet hat. Das Schiff mit dem 25 Meter langen Pool ist nicht nur eine Anlaufstelle für Sonnenhungrige oder für erfrischungssüchtige Bürohengste auf Mittagspause, sondern leistet auch einen Beitrag zur Wiener Club-Kultur. Auch wenn es momentan nicht ganz so gut aussieht, da mit dem Bankinstitut ING-DiBa der Hauptsponsor seinen Vertrag nicht verlängert hat. „Ich bin zuversichtlich, dass sich noch ein Großsponsor findet, abgesehen davon wird es das Badeschiff noch länger geben“, zeigt sich der 42-jährige Ecker optimis­tisch. Rund 250.000 Gäste zählt der Unter­nehmer jährlich, und rund zehnmal im Monat buchen Unternehmen das Schiff für Firmenfeiern. In der Sommersaison will man heuer vor allem ein neues Gastro-Konzept umsetzen, das Kultur und Genuss verbindet.

Noch in Planung
Überhaupt, Kultur in Verbindung mit Genuss und Events soll nicht nur im Sommer den Donaukanal beleben. Die Stadtplanung Wien koordiniert und vergibt deswegen laufend neue Projekte, poliert den Kanal auf und ­forciert seine Ganzjahrestauglichkeit. „Wir inves­tieren rund 50 Millionen Euro in Hochwasserschutz, die Sanierung der Kaimauern und in die Verbesserung der Gastro-Meile“, erklärt Rudi Schicker, Stadtrat für Stadtentwicklung. Prestigeprojekt in diesem Zusammenhang ist die neue Anlegestelle für die Twin City Liner, die via Fluss Bratislava und Wien miteinander verbinden. Im Terminal, dessen Baukosten mit 6,9 Millionen Euro veranschlagt sind, werden sich auch eine Lounge, ein Café auf dem Dach, ein vollkommen verglastes Restaurant und eine Edel-Greißlerei finden. Szenegastronom Bernd Schlacher wird das neue Areal, das im März 2010 fertig werden soll, betreiben und verspricht für den Donaukanal „modernen Chic, gepaart mit Herzlichkeit“. Dafür will der Gastronom rund 1,5 Millionen Euro investieren und vor allem auf nachhaltigen Genuss Wert legen. Auch sonst ist man bei der Planung des Kanals auf modernen Großstadtchic getrimmt.
So will man etwa einen Gourmetmarkt aufziehen und drei weitere Schiffe am Ufer vor Anker gehen lassen. Zudem wird man demnächst am Kanal auch mobiler. Zwischen Spittelau und Hunderwasserhaus soll ein Wassertaxi Touristen und Einheimische über den Kanal schippern.

Von Manfred Gram und Gabriela Schnabel

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