Farbenfroh

Brigitte Bierlein, Vizepräsidentin am Österreichischen Verfassungsgerichtshof, ist der kreative Beruf des Künstlers versagt geblieben. Ihre Liebe zur zeitgenössischen Kunst lebt sie trotzdem. Sie sammelt Exponate, vorwiegend von Österreichern.

Hätte sie nicht auf sanften Druck ihrer künstlerisch tätigen Mutter Jus studiert, wäre Brigitte Bierlein, 62, heute vielleicht eine bekannte Künstlerin. Wer weiß das schon? Die Anlage und das Interesse waren und sind jedenfalls vorhanden. Heute würde die Vizepräsidentin des österreichischen Verfassungsgerichtshofs aber nicht mehr tauschen wollen. Ihr Job macht ihr großen Spaß, und die Kunst war immer ihr Wegbegleiter. Schon als Maturantin hat sie um ihr geringes Taschengeld Ankäufe in Galerien getätigt.

Die Sammelleidenschaft für moderne und zeitgenössische Kunst ist ihr bis heute geblieben, erzählt Bierlein und geht gleich in medias res. Sie deutet auf den bunten Siebdruck von Karl Korab, „eine meiner Früherwerbungen ebenso wie diese Lithografie von Herwig Zens“. Beim Aufgang der Treppe hängen zwei Werke von Willi Verkauf, einem bildenden Künstler, Schriftsteller und früheren Widerstandskämpfer mit schweizerisch-österreichisch-israelischer Herkunft. „Mit elf faszinierte mich van Gogh, dann die Fantastischen Realisten und später abstrakte Kunst“, fährt die Juristin fort.

Eine Frage der Farbe

Eine zentrale Rolle bei all ihren Bildern spielt die Farbkomposition, die immer sehr ausdrucksstark ist. Ob beim großformatigen Thomas Draschan, dessen digitales Werk mit Pallas Athene den Wohnraum von Bierlein dominiert, ob bei Max Weiler oder Markus Prachenskys römischen Säulen in Rot-Orange.

„Ich habe ganz gut gezeichnet in der Schule, doch die Liebe zum Detail war dann doch nicht das Meine“, sagt Bierlein. Auch das in vier Jahren abgeschlossene Jusstudium ließ Bierlein zuerst nicht in Euphorie ausbrechen. Trotzdem promovierte die kunstsinnige Juristin im Schnellverfahren, praktizierte als Zivilrichterin für Mietrecht und wechselte
alsbald zum Strafrecht, das ihr „inter­essanter, weil lebensnäher“ erschien. Der Richterberuf fasziniert sie bis heute, geht es doch um den Kampf gegen Ungerechtigkeiten – immer im Wissen, „dass es ­absolute Gerechtigkeit nicht gibt“.

Die Luft für Frauen in den oberen Instanzen ist sehr dünn

Bierlein war die erste Frau in dieser Position beim Verfassungsgerichtshof, und sie merkt an, dass die Luft für Frauen in den oberen Instanzen nach wie vor noch sehr dünn ist. Derzeit sind vier von den 14 Richtern im VfGH Frauen. „Ich hoffe, dass es bald wieder eine Frau schafft, auf den derzeit vakanten Posten zu kommen“, hält sie mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Vielleicht sind es aber auch die besonderen Arbeitszeiten im Verfassungsgerichtshof, die nicht unbedingt familienfreundlich gestaltet sind. Die Ses­sionen sind viermal im Jahr für drei Wochen am Stück angesetzt. Da wird ein Fall nach dem anderen durchgenommen, Montag bis Samstag, überwiegend von der Früh bis spätabends. 5.000 bis 6.000 Akten sind pro Jahr abzuarbeiten, wovon die Hälfte Asylverfahren betreffen. Zwischendurch müssen Fachvorträge im In- und Ausland gehalten werden.

Alles, was Recht ist

Bierlein jongliert dennoch ganz gut zwischen Beruf und Privatleben. Obwohl die Juristin auch eine begeisterte Cineastin, Theater- und Opernbesucherin ist, bezieht sie keine Abonnements. „Die Zeiten könnte ich meist nicht einhalten, außerdem mag ich nicht jahrelang neben den gleichen Leuten sitzen“, gibt sie zu. Vielmehr liebt sie die Abwechslung. Da sie berufsbedingt viel mit Juristen zu tun hat, kam ihr der Ruf zum Rotary-Club Wien Graben gerade zupass, wo sie diese Periode als Präsidentin agiert. „Es tut ganz gut, auch mal mit Menschen aus anderen Bereichen zusammenzukommen.“ Sie freut sich schon auf die Wiener Festwochen, wo sie bereits Karten für Ödön von Horváths „Glaube, Liebe, Hoffnung“ bestellt hat.

Und treibt die gertenschlanke Juristin auch noch Sport, um ihre Figur zu halten? „Gar nicht, das ist eher Glück und Veranlagung“, gesteht sie. Lediglich in der warmen Jahreszeit läuft Bierlein frühmorgens eine halbe Stunde im Volksgarten, „that’s it!“. Außerdem macht die Vizepräsidentin im Winter ganz gute Figur am Ski. Kommende Woche steht Kitzbühel auf ihrem Plan. Da heißt es: warm einpacken. Denn die Quecksilbersäule soll auf minus 20 Grad sinken.

– Gabriela Schnabel

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