Eine nur oberflächlich schillernde Branche: Mode- & Fotografie-Festival startet am 28. 5.

Ab 28. Mai lädt das „9 festival for fashion & photography“ wieder zehn Tage lang zu Shows, Ausstellungen, Guerilla-Shopping und Diskussionen über die Rolle des Internets als Transaktions- wie Kommunikationsvehikel. FORMAT begleitet das Festival medial.

„Das Geschäft mit der Mode ist tough. Das krea­tive Schaffen ist nur ein kleiner Part, das eigentliche Business wie Kapitalbeschaffung, Management oder Buchhaltung steht im Vordergrund. Deshalb sollte sich jeder Modeschöpfer genau überlegen, ob er sich dieser Herausforderung auch stellen kann“, bringt der amerikanische Fashion-Business-Analyst und Journalist Imran Amed eine nur oberflächlich schillernde Branche ungeschönt auf den Punkt. Der gebürtige Inder mit Harvard-Abschluss schreibt für „Financial Times“ und „New York Times“, und sein Blog businessoffashion.com genießt Kultstatus.

Festival in Wien
Dieser Tage kommt Amed nach Wien, als Gast des „9 festival for fashion & photography“, das sich ab 28. Mai wieder zehn Tage lang mit der Vielfalt und den angesagten Aspekten des österreichischen wie des internationalen Mode­business beschäftigt (siehe auch Bildergalerie ) . Organisiert wird das Festival auch heuer von Unit F büro für mode unter der Leitung von Ulrike Tschabitzer und Andreas Oberkanins. Was 2002 mit dem Austrian Fashion Award und 1.500 interessierten Besuchern begann, hat sich längst zum angesagten wie nachhaltigen Event entwickelt. Dem Trend gehorchend, hat man das Modefestival 2006 zu einem für Mode & Fotografie umbenannt und inhaltlich ausgeweitet – und konnte im Vorjahr bereits 9.800 Besucher verbuchen.

Mit Stil durch die Krise
Um reine Modepräsentation geht es dabei schon lange nicht mehr. Vielmehr will man die Professionalisierung und Internationalisierung der österreichischen Szene vorantreiben. Immerhin haben 80 Prozent der heimischen De­signer ihren Betriebsstandort in Wien. Angesichts finanziell schwieriger Zeiten werden nun erstmals auch die neuen wirtschaftlichen Herausforderungen für Designer im zweitägigen Symposium Fashion 2.0 diskutiert. Althergebrachte Wege werden infrage gestellt, neue Modelle erörtert: Muss sich die Mode in der Finanzkrise warm anziehen? Oder bringt die Krise, wie in der Historie mehrfach bewiesen, die Leute eher dazu, gekaufte Kleidung mehr zu schätzen? Wenn ja, wo wird gekauft? Online?

Fashion-Biz im Internet
Internetshops mit Designerware überschwemmen den Markt. Bei manchen Marken läuft das Internetbusiness sogar besser als jenes im Geschäft. Was Experten mit dem schönen Begriff „Shame Shopping“ erklären: Man lasse sich beim Einkauf teurer Marken nicht mehr sehen. Ergebnis: Bekannt teure Labels reagieren ihrer­seits bereits mit unifarbenen Tragetaschen. „Das Internet ist ein mächtiges Kommunikationsmittel. Hört man von einem Label, ist doch das Erste, was man heutzutage macht, dieses zu googeln“, wirft Imran Amed in die Diskussion. „Die Website ist daher in puncto Imagebildung ausschlaggebend und das Fenster in die Welt eines Labels“, referiert der Experte weiter. Ausführlich diskutiert Amed über die Dos and Don’ts des Fashion-Biz im Internet am 5. Juni im Wiener Künstlerhaus.

Unverzichtbare Modestrecken
Haben Modemagazine angesichts des viel schnelleren Datentransfers des Internets überhaupt noch eine Berechtigung? Absolut, behauptet der deutsche Autor und Journalist Joachim Bessing. „Die Fotostrecke ist unverzichtbar! Da tut sich auch im Moment sehr viel. Es gibt eine Umkehr vom überstilisierten Bild hin zur reduzierten Ästhetik.“ Bessing war vor zehn Jahren mit der Lifestyle-Analyse „Tristesse Royale“, die er mit Stuckrad-Barre, Kracht, Nickel und von Schönburg (das popkulturelle Quintett) verfasste, trendsetzend. Derzeit ist er Redakteur der „Welt“ und betreibt den Foodblog derspitzeloeffel.de. Beim Festival wird er am 6. Juni die Diskussion zum Thema Online- versus Printjournalismus leiten.

Symposium und Einkaufsbummel
Neben dem Symposium zum Thema Mode & Wirtschaft, Fashionshows, Ausstellungen zum Thema Modefotografie stehen auch Fashion-Shopping-Tours durch ausgewählte Wiener Modeläden mit Universal-Boss Hannes Eder oder Sängerin Valerie auf dem Programm sowie die bereits traditionelle Verleihung der Austrian Fashion Awards. Neben den Preisen der öffentlichen Geldgeber wie Bund und Stadt Wien sind heuer der Jewellery Award von Pierre Lang und der Fashion Award der Erste Bank dazugekommen. Ein weiteres Signal für den ­enormen Kreativitätsschub, den Branchenprofi Amed in der Modeindustrie ortet. Er freut sich darüber, denn in den letzten Jahren blieb der Ideenreichtum zunehmend auf der Strecke. „Es wurde viel zu viel kopiert und recycelt. Jetzt gibt es wieder frische Ideen.“

Von Michaela Knapp, Mitarbeit: Birgitt Kohl

Als neuer Medienpartner des Festivals begleitet FORMAT in den kommenden Wochen das Programm und stellt vor allem wirtschaftliche Aspekte des Modebiz ins Zentrum.

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