Ein Mensch für Menschen: Karlheinz Böhm ist tot

Ein Mensch für Menschen: Karlheinz Böhm ist tot

Ein Sprecher von "Menschen für Menschen Österreich" gab den Tod von Karlheinz Böhm bekannt. Der Gründer der Hilfsorganisation starb am Donnerstag, den 29. Mai, nach langer schwerer Krankheit in seinem Haus in der Nähe von Salzburg.

Als Schauspieler erreichte Karlheinz Böhm Mitte der 50er-Jahre in der Rolle des jungen Kaiser Franz Joseph an der Seite von Romy Schneider den Höhepunkt seiner Popularität. Doch 25 Jahre später wurde eine Fernsehsendung zum Wendepunkt in seinem Leben: Nach einem als Wette verpackten Spendenaufruf in der Sendung "Wetten, dass...?" wurde er 1981 zum Entwicklungshelfer und widmet sich seither in Äthiopien der von ihm gegründeten Hilfsaktion Menschen für Menschen (MfM).

Vom Schauspieler zum Mensch für Menschen

Der Sohn des legendären Dirigenten Karl Böhm hat einen langen, gewundenen Lebensweg hinter sich: Nach großen Erfolgen in Film, Fernsehen und auf der Bühne landete der materiell abgesicherte Publikumsliebling in der Sahelzone. Wie er selbst sagte, habe er durch die vielen geografischen Stationen seines Lebens und drei gescheiterte Ehen nie zu sich gefunden. Eine Heimat fand er erst in Äthiopien mit seiner vierten Frau Almaz (48), die mittlerweile die Leitungsaufgaben der Stiftung von Böhm übernommen hat. Zuletzt gab es Diskussionen um die Stiftung, da ein ehemaliger Großspender MfM Verschwendung und mangelnde Transparenz vorgeworfen hatte. Die Stiftung wies die Kritik zurück, beauftragte eine externe Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und zeigte ihren früheren Förderer wegen Verleumdung an.

Böhm hatte am 16. Mai 1981 im Fernsehen gewettet, dass nicht jeder dritte Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für Menschen in dieser Region spendet. Er behielt zwar Recht, flog mit den eingenommenen umgerechnet 715.000 Euro jedoch nach diesem Auftritt das erste Mal nach Äthiopien und gründete am 13. November 1981 in München die Hilfsorganisation "Menschen für Menschen" (MfM). Die Bilanz Böhms in dem ostafrikanischen Land kann sich sehen lassen: Rund 4,5 Millionen Menschen profitierten von den Hilfsprojekten der Stiftung. Im Rahmen von MfM wurden Hunderte Brunnen gebohrt, über 300 Schulen eröffnet, mittels Kleinstkrediten die Selbstständigkeit für Frauen ermöglicht und gegen die Beschneidung von Mädchen angegangen.

Dieses Engagement schien nicht vorgezeichnet, als Karlheinz Böhm am 16. März 1928 in Darmstadt als Sohn von Karl Böhm und der Sopranistin Thea Linhard geboren wurde. Seine ersten Lebensjahre verbrachte er in Hamburg und Dresden, von wo aus er über Kufstein, Graz und Rom 1948 schließlich nach Wien kam. Hier arbeitete Böhm zunächst als Regieassistent bei Karl Hartl und besuchte die Schauspielschule des Burgtheaters.

Auf sein erstes Engagement an der Burg folgten Auftritte am Theater in der Josefstadt sowie Bühnengastspiele in München, Frankfurt, Berlin und Zürich. Zeitgleich begann in den 50er-Jahren auch Böhms Filmkarriere als Star von unzähligen, meist kommerziellen Unterhaltungsproduktionen. In Erinnerung blieb der Schauspieler vor allem mit seiner Darstellung des jungen Kaiser Franz Joseph in Ernst Marischkas "Sissi"-Trilogie (1955-1957).

Um diesem Image zu entkommen, drehte Böhm in der Folge mehrere Filme im Ausland. Anfang der 60er-Jahre konterkarierte er sein Image als Schwiegermutters Liebling unter der Regie des Engländers Michael Powell mit dem Psychothriller "Peeping Tom" ("Augen der Angst"). In dem Werk spielt er einen psychopathischen Mörder. Der Film, von der damaligen Kritik verrissen, gilt heute als Meisterwerk.

Nach seiner Rückkehr aus dem angelsächsischen Raum 1963 gelangen Böhm erfolgreiche Comebacks auf Bühne und vor der Kamera. Trotzdem beendete er nach den unter Rainer Werner Fassbinders Regie entstandenen Filmen "Martha" (1973), "Faustrecht der Freiheit" (1974) und "Mutter Küsters Fahrt zum Himmel" (1975) seine Filmlaufbahn und trat nur noch im Fernsehen und im Theater auf. Für MfM gab er dann 1983 seine Schauspielkarriere gänzlich auf.

Für seinen mehr als 32-jährigen Einsatz in der Hilfe zur Selbsthilfe wurde Böhm 2002 das Große Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. 2008 bekam er die "Berlinale-Kamera" sowie den Hundertwasser-Preis. Ganz besonders dürfte Böhm jedoch eine Ehrung aus 2003 erfreuen: In diesem Jahr wurde er zum Ehrenbürger Äthiopiens ernannt. "Abo" Karl, Vater Karl, nennen ihn die Äthiopier - und haben Plätze und Berge nach ihm benannt. Am "Karl Square" in Addis Abeba zeigt ihn eine Skulptur, die Böhm mit offenen Armen darstellt.

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