Die mit den Reben tanzen: Österreichs junge Winzer sind selbstbewusst und erfolgreich

Sie treten weltoffen auf, lassen sich gerne in Designerklamotten fotografieren und sind häufig zwischen New York, London und Paris unterwegs. Sie rackern oft bis zu 60 Stunden die Woche und entspannen sich dazwischen in den besten Restaurants der Welt. Winzer leben heute ein wenig anders als früher. Sie wohnen nicht selten in kühn gestalteten Designertempeln, lassen ihre Keller oft von internationalen Stararchitekten zu futuristischen Kunstobjekten formen. Und sie erzeugen Weine, die inzwischen in den besten Restaurants der Welt zu finden sind – und die sie selbstbewusst als Luxus­produkte mit Kultstatus am Markt positionieren.

Wein wie edles Parfum
So wie im Fall von Erich Krutzler und seiner Frau Elisabeth (im Bild). Die beiden haben 2006 ein neues Weingut in die Wachauer Welt gesetzt und repräsentieren einen in vielerlei Hinsicht völlig neuen Weinmacher-Typus. Das Paar erzeugen keinen Mainstream-Wein, sondern das krasse Gegenteil davon. Wie besessen feilen sie an der Qualität und erzeugen nur homöopathische Mengen. Ihr rares Getränk füllen sie dann in moderne Flaschen mit durchgestylten Etiketten. Kostbares braucht eben ein entsprechendes Äußeres. Wein wie ein edles Parfum.

Weinmacher-Elite
Gemeinsam mit den Otts, Loimers, Heinrichs und Bründlmayers gehören die Krutzlers zur absoluten Weinmacherelite (siehe Bildergalerie
Österreichs neue Winzer-Generation
). „Diese Leute“, sagt Willi Klinger als neuer Chef der ÖWM (Österreichisches Weinmarketing), „sind perfekt ausgebildet, super Verkoster mit ei­nem internationalen Horizont und einem Hang zur Nachhaltigkeit.“ Laut Klinger liegt darin auch die größte Chance für die Winzer, sich am Weltmarkt zu behaupten: „Österreichs Weinmacher können im Wettbewerb mit global agierenden Weinkonzernen nur als Nischenanbieter reüssieren, mit Qualität und Eigenständigkeit.“

Export-Rekordwerte
Sein Credo scheint ihm Recht zu geben. So hat sich der Gesamtweinexport in den letzten zehn Jahren immerhin verdoppelt. 1997 wurden rund 25 Millionen Liter exportiert. 2007 waren es 56 Millionen. Die Weinexport­erlöse erreichten 2007 mit 104 Millionen Euro sogar einen his­torischen Höchstwert. Wichtig dabei: Vor allem der Flaschenweinexport im Qualitätssegment hat an diesem Erfolg einen hohen Anteil. Obwohl die Exportgesamtmenge in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 leicht unter jene des Vergleichszeitraumes 2006 gesunken ist, konnte der Gesamtwert in dieser Periode um fast 11 Millionen Euro und damit um 18 Prozent gesteigert werden. Grund dafür: Mit hochwertigen Flaschenweinen verdiente die Branche über 10 Millionen Euro mehr als im Jahr davor.

Teilung in Masse und Klasse
Zu den wichtigsten Exportländern gehören vor allem Deutschland, die Schweiz, USA und die Tschechische ­Republik. Weniger gut läuft es hingegen in Asien und Russland, wo große Weltkonzerne mit Massen- und Mainstreamweinen in die Märkte drängen. „In den nächsten zehn Jahren wird es weltweit eine klare Teilung in industrielle Weine und sozusagen handgemachte Wei­ne geben“, ist sich Dorli Muhr sicher, die mit ihrer Agentur Wine & Partners seit Jahren den Winzern in Sachen PR und Marketing unter die Arme greift. Für Österreichs Weinmacher, so auch ihre Meinung, bleibt nur die Qualitätsnische. Muhr: „Schon jetzt rüs­ten etwa die Chinesen und die Inder wein­mäßig enorm auf. Bald wer­den chinesische Weine in den Supermarktregalen so selbst­verständlich sein wie ­japanische Autos auf den ­Straßen.“

Winzer als "echte Unternehmer"
Muhr ist seit einiger Zeit im Nebenberuf selbst Winzerin, eine typische Quereinsteigerin, von denen es in der Weinszene immer mehr gibt.
Weinmacher sind zu Managern geworden, in den letzten zehn Jahren haben viele von ihnen enorme Summen in Kellertechnik, aufwendige Architektur und teure Lagen inves­tiert. „Wir sind jetzt echte ­Unternehmer“, sagt Christian Fischer aus Sooß in Nieder­österreich, „Investitionssummen von drei bis vier Millionen Euro waren vor 20 Jahren undenkbar.“ Fischer selbst hat seinen Keller 2001 um rund eine Million Euro aufgerüstet, im Vergleich zu anderen noch eine eher „vorsichtige Gangart“, wie er meint.
Um diesem Druck standzuhalten, laufen manche der Winzer in Sachen Selbstvermarktung zu Höchstleistungen auf. So wie etwa der Burgenländer Leo Hillinger aus Jois, der es als eine Art Seitenblicke-Winzer zu einer enormen Popularität gebracht hat.

Terroirwein statt Faserschmeichler
In der Szene wird aber auch laufend über den Stil der Weine diskutiert. Wurden in der Vergangenheit gerne voluminöse, oft überaus konzentrierte Weine erzeugt, so sind diese „Marmeladenkaliber“ längst wieder aus der Mode. Zu sehr ähneln sie den Massenprodukten der Neuen Welt. Winzer wie etwa der Steirer Hannes Sabathi oder der Burgenländer Roland Velich erzeugen deshalb statt austauschbarer Faserschmeichler sogenannte „Terroirweine“, die weniger gefällig sind, deren Her­kunft aber leichter erkennbar ist. Und sie haben Erfolg damit. So überzeugte Velich mit seinem Blaufränkischen Moric sogar den US-Weinpapst Robert Parker, der ihn als besten Rotwein Österreichs bewertete.

Von Herbert Hacker

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