Das starke Geschlecht wird schöner:
FORMAT sagt, was das Tuning kostet

Friedrich Torbergs Tante-Jolesch-Grundsatz über Männer hat ­ausgedient. Sie müssen schöner sein als Affen. Das starke Geschlecht ist auch bereit, dafür Zeit und Geld zu investieren. Es wird geschmiert, gespritzt, gestrafft & geschnipselt, um dem furchenlosen Mannsbild gerecht zu werden. Zur Ballsaison steigt jetzt die Zahl der neuen „Pflegefälle“.

Retro-Chic hin oder her, die 50er-Jahre sind in Sachen Schönheit für Männer definitiv vorbei. Damals durften erfolgreiche Männer noch wie nach einer Mastkur aussehen. „Die Wampe war ein Statussymbol für den reichen Unternehmer“, resümiert der Wiener Dermatologe Michael Palatin. Ein halbes Jahrhundert später muss die Führungselite auch optisch etwas hergeben. Statur: rank und schlank. Durchtrainierter Waschbrettbauch. Auf Hochglanz polierte Nägel. Glattes Gesicht. Wer ­Erfolg ausstrahlen will, sollte wie Barbies Ehemann Ken aussehen. Männer wollen Frauen in puncto Attraktivität um nichts mehr nachstehen.

Verjüngt in die Ballsaison
Ist die Termin- und Eventdichte, wie jetzt in der Ballsaison, besonders dicht gesät, zeigt sich der männliche Gestaltungswille, die eigene Oberfläche betreffend, besonders stark. „Unser Herrensalon ist derzeit gesteckt voll. Anti-Aging-Behandlungen fürs Gesicht sind in der Faschingszeit der Renner“, bestätigt etwa Ursula Thurner von Boa Men’s Cosmetic in Salzburg. „Immer mehr Männer wurden Kunden in unserem Salon, darauf haben wir dann eben mit einem eigenen Männer-Studio reagiert“, so die Salon-Löwin. Der Gang zur Schönheitspflege oder gar zum Beauty-Doc, einst unter richtigen Kerlen als „eher schwul“ verschrien, ist mittlerweile für viele Schöpfungskronen so normal wie ein Friseurbesuch. „Die Jungen wollen die Akne los­werden, die älteren Semester lassen sich Krähenfüßchen und Falten behandeln“, so die Fachfrau. So etwas spiegelt sich auch in Wirtschaftszahlen wider. 2009 lag das weltweite Marktvolumen der Branche bei 160 Milliarden Euro. Gut 14 Milliarden Euro davon entfielen auf Männerkosmetik – ein Umsatzplus von satten 12 Prozent! Im Vergleich dazu: Der Markt in Österreich für Gesichtspflege macht rund sechs Millionen Euro aus. Hinzu kommen operative kosmetische Eingriffe um 200 Millionen Euro.

Apollo unter dem Messer
Beachtlich dabei ist, dass sich die Männer nicht nur an den Schmiertiegeln vergreifen, sondern auch unters Messer legen. Rund 4.000 Apollos halfen derart der Natur ein wenig nach. Hoch im Kurs ­liegen dabei Faltenunterspritzungen im Gesicht, Lidplastiken, Nasen- und Ohrenkorrekturen, Haartransplantationen und Fettabsaugungen (siehe Grafik ) . Ein gepflegtes Auftreten ist also einmal mehr eine Frage des Geldbeutels und auch eine Art psychologische Investition. „Viele Männer glauben, dass ein gutes Aussehen ein Spiegel von Leis­tungsfähigkeit und der Schlüssel zum beruflichen Erfolg ist“, erklärt die Dermatologin Eva Kindermann die Beweggründe für sanfte und weniger sanfte Eingriffe. Die Risiken dafür nimmt man in Kauf, denn schiefgehen kann immer etwas. Zur Info: „Die Schmerzensperioden werden in starke, mittlere und schwache Schmerzen unterteilt. Pro Tag starker Schmerzen werden zum Beispiel maximal 300 Euro zugesprochen. Zusätzlich erfolgt die Rückerstattung der gesamten Behandlungskosten“, klärt Anwalt Alfred Boran auf.

Der Schönere siegt im Job
So oder so, es zahlt sich irgendwie aus. „Wenn ich die Möglichkeit habe, zwischen zwei gleich qualifizierten Bewerbern zu wählen, würde ich mich für den schöneren und sportlicheren entscheiden“, spricht Anwalt Klaus Ainedter, 30, ­etwas laut aus, was nur ungern zugegeben wird. Zynisch? Natürlich, und Usus auf der ganzen Welt. „Jene, die gut aussehen, ein sportliches Auftreten haben und auf ihre Kleidung Wert legen, tun sich in der beruflichen Welt wesentlich leichter“, ergänzt Personalvermittler Hans Jorda von Neumann & Partners etwas diplomatischer. Statussymbol Körper, Visitenkarte Gesicht – man fragt sich, wo die Grenzen liegen. Für Klaus Ainedter liegt sie dort, wo medizinisch eingegriffen wird. „Männerfalten erzählen Geschichten, sie wegzumachen, zeugt von Charakterschwäche“, philosophiert der Junganwalt, dem der Gang ­­zur Kosmetikerin, der Epilierschmerz beim Augenbrauen­zupfen und der Griff zur Feuchtigkeitscreme nicht fremd sind. Für den Sohn des Promi-Anwalts ist das ebenso normal wie das Training dreimal die Woche in seinem Eishockeyverein.

Zahnbleaching und Privatpediküre
Auch Christian Niedermeyer ist der Gang zur Kosmetikerin nicht fremd. Der attraktive Mittfünfziger ist Stammkunde bei der Wiener Parfümerie Nägele & Strubell und kämpft erfolgreich gegen die Geißel Haarausfall. Mit „Minoxidil“ übrigens. „Das Einzige, was wirklich hilft“, kommentiert Niedermeyer lapidar. „Gibt’s in jeder ­guten Apotheke.“ Ob er deswegen eitel ist? „Nicht mehr als notwendig.“ Bauchansätzen wird mit Sport zu Leibe gerückt, gegen ­Falten wird ausschließlich geschmiert. Und auch unterm Messer war der Unternehmer schon. „Wegen einer Sehfeldeinschränkung ließ ich eine Lidkorrektur vornehmen, den Eingriff zahlte die Krankenkassa“, gesteht er lächelnd – ein schönes, perlweißes Lächeln ­übrigens, das alle zwei Jahre beim Zahnbleaching eine Auffrischung erfährt. Natürlich werden auch die Fingernägel manikürt und die Füße pedikürt, allerdings „macht das die jeweilige Freundin“, wie Niedermeyer gesteht. Insgesamt kommt er auf monatliche Beauty-Ausgaben von rund 300 Euro.

Boom-Business Pflegeprodukt
Von männlichen Beauty-Kunden wie Klaus Ainedter und Chris­tian Niedermeyer profitieren Industrie und Handel. Und der Sektor boomt. „Männer verlangen heute mehr speziell auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Pflegeprodukte. Besonders Gesichts- und Feuchtigkeitscremes werden vom starken Geschlecht gekauft“, fasst Bipa-Geschäftsführer Hubert Sauer zusammen. Und auch beim Konkurrenten dm-Drogeriemarkt läuft der Laden. „Un­sere Herrenpflege entwickelt sich doppelt so rasch wie der Markt“, so Harald Bauer, Geschäftsleiter von dm. Diesen Eindruck hat auch Andrea Schmoranzer-Jerabek von L’Oréal: „Die Männerpflege ist das am ­stärksten wachsende Segment in den letzten fünf Jahren.“ Dementsprechend hart umkämpft ist das Feld. Denn auch wenn Männer nun schöner als Affen sind, Gewohnheitstiere bleiben sie trotzdem. Die Liebe zu einer Creme, zu einer Seife, zu einem Rasurgel hält nämlich meist ein Leben lang. Glücklich, wer wie Nivea als Platzhirsch am Boommarkt gilt. „Die Marke Nivea ist eigentlich der Erfinder der Männergesichtspflege, 1986 brachten wir den ersten Gesichtsbalsam für Männer in den Handel“, führt Ulrich Schmidt, Geschäftsführer von Beiersdorf, aus und erklärt so auch den 60-prozentigen Markt­anteil der „Nivea for Men“-Produkte.

Fleckenfreie Lift-Boys
Wer sein Aussehen allerdings langfristig radikal verschönern will, kommt um Spritze und Skalpell nicht herum. Männerhaut ist zwar dicker und durch die größere Fähigkeit, Wasser zu speichern, auch gespannter und fester als die von Frauen. Allerdings nur bis zum 40. Lebensjahr! Danach geht es rasant bergab. „Faceliftings sind vor allem bei Männern eine gute Lösung, wenn die Haut erschlafft. ­Botox wird gerne als Mittel bei Stirnfalten oder Krähenfüßen eingesetzt“, erklärt die Plastische Chirurgin Dagmar Millesi. Dermatologe Michael Palatin bevorzugt ebenfalls lupenreine Oberflächen. „Sommersprossen und andere Flecken etwa, die bei einem Dreißigjährigen charmant aussehen, gehören ab vierzig weg.“ Seine Rezepte dagegen: Laser­behandlungen, Chemical Peelings und Thermagen zur Hautglättung. Für Anzugträger gibt es noch einen Extra-Tipp von der Haut-Koryphäe: „Botox im Achselbereich hilft gegen unangenehmes Trans­pirieren und Salzrandln am Hemd.“

Die Länge hat ihren Preis
Heikler sind Eingriffe wie die Ent­fernung von männlichen „Hängetitten“, ebenso Bauchstraffungen. Die Operation kann in diesen Fällen sogar die Krankenkasse übernehmen, „wenn man nachweist“, so Boris Todoroff, Facharzt für Plastische Chirurgie, „dass die Brustdrüse vergrößert ist oder die Bauchstraffung aufgrund einer Magenverkleinerung nötig ist“. Kaum Chancen auf Kassenunterstützung hat man bei nicht selten gewünschten Penisverlängerungen. Der Eingriff ist übrigens gar nicht so ein „großer“, wie Todoroff fast genussvoll erzählt. „An der Peniswurzel werden zwei Bänder durchtrennt, dadurch rutscht der Penis ein paar Zentimeter aus dem Inneren des Körpers heraus.“ Die längere Latte hat aber ihren Preis. „Der Penis verliert an Stabilität“, so der Chir­urg. Wie viele vor der Faschingszeit dieses spezielle Risiko eingehen, ist nicht bekannt, die Kosmetikindustrie hat in der Ballsaison trotzdem alle Hände voll zu tun.

Caroline Burger, Manfred Gram, Gabriela Schnabel

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