Chuck you: Kultschuhproduzent Converse feiert seinen hundersten Geburtstag

Converse feiert seinen 100. Geburtstag. Das US-Unternehmen, das mittlerweile zum Nike-Konzern gehört, hat vor allem eines geschafft: mit dem „Chuck Taylor All Star“ den berühmtesten Schuh der Welt zu kreiern. Der Leinenschuh wird heuer zum milliardsten Mal über den Ladentisch wandern.

Am Anfang waren der Schmerz und eine Kundenbeschwerde. Basketball-Legende Chuck Taylor taten nämlich nach Trainings und Spielen die Füße weh. Den Grund machte der hoch gewachsene Sportler in seinem Schuhwerk aus, einem Leinenschuh der Firma Converse mit dem megalomanisch anmutenden Namen All Star. Taylor kontaktierte den Hersteller, um konstruktive Vorschläge zur Verbesserung einzubringen. So geschehen 1921. Gemeinsam überarbeitete man den Turnschuh, gab der neuen Version der Latschen den Namen des Sportlers und pappte das runde Converse-Logo mit seiner Unterschrift auf den Schuh.

Ein Milliarde All Stars
Der „Chuck Taylor All Star“ war geboren und mit ihm der erfolgreichste Schuh der Geschichte, der heuer zum einmilliardsten Mal über den Ladentisch wandern wird. Pünktlich zum 100-jährigen Firmenjubiläum übrigens, denn 1908 gründete Marquis Converse in Massachusetts seine Converse Rubber Company mit dem ambitionierten Ziel, die arbeitende Bevölkerung mit Gummistiefeln zu versorgen. Was er in der Folge geschafft hat, war, die Menschheit mit einem simplen Leinenschuh zu überschwemmen, der noch dazu zu einem nicht totzukriegenden Modemythos avancierte.

Gummisohle und Knöchelstern
„Der ‚Chuck‘ ist einfach der populärste Turnschuh der Welt. Egal welche Ecke unseres Planeten man bereist, man trifft immer auf einen – oder auf Tausende“, bringt es Thomas Kirchgrabner, Chef-Designer beim Wiener Nobel-Modehaus Liska, auf den Punkt. Die Popularität beruht eigentlich auf seiner Einfachheit, denn der „All Star“ per se ist ein spartanischer Klassiker für die Füße, der in seiner Urform aus nicht viel mehr als einer quietschenden Gummisohle, grobem Leinen und dem zum berühmten Markenzeichen gewordenen Knöchelstern besteht.

Variables Design
So unverändert dabei das Grundrezept über die Jahrzehnte hinweg geblieben sein mag, bei der Gestaltung seines Verkaufsschlagers zeigt sich Converse äußerst kreativ. Zweimal jährlich bringt man Kollektio­nen auf den Markt, die vor allem die Grenzen der Farbpalette auszuloten scheinen und auch mit Materialien experimentieren. Leder, Satin, Fleece, Kunststoff – alles war schon da. Converse angelt sich für limitierte Special Editions regelmäßig berühmte Künstler und Designer, die dem Kultschuh dann ihren künstlerischen Stempel aufdrücken. In einschlägigen Foren zahlen Liebhaber und Sammler für besonders seltene Exemplare dementsprechend nicht selten Tausende Dollars.

Musikgeschichtsteilnehmer
Bequem sind die Fußbett-freien Treter nur bedingt, doch das Tragen von „Chucks“ ist vor allem ein in die Gummisohle gemeißeltes (mode)philosophisches Glaubensbekenntnis. Mick Jagger etwa tanzte 1971 bei seiner Hochzeit mit Bianca in „Chucks“ zum Anzug an, und die New Yorker Punkrocker von den Ramones kann man sich ohne Converse-Gummi am Fuß nicht wirklich vorstellen. Auch Kurt Cobain, der Gründer der Band Nirvana, darf in dieser Aufzählung nicht fehlen. Er zog es sogar vor – so will es zumindest die Fama –, in „Chucks“ aus dieser Welt zu scheiden.

Generation X
Zuvor sorgte er Anfang der 90er-Jahre noch als Blaupause einer ganzen Jugendbewegung bei Converse für eines dieser Verkaufshochs, die meist in enger Verbindung mit relevanten Jugendbewegungen stehen. Dank Cobain gehörte der Schuh zur modischen Grundausstattung der Schmuddelkinder der Generation X, so wie einst bei den Hippies, später den Punks oder jetzt wieder bei den Emo-Kids, die ihre bitteren Tränen des Weltverdrusses auf die Turnschuhe weinen.

Gegenkultur-Latschen
Der „All Star“ ist und war also immer auch ein Stück Gegenkultur, ein Stück Rock ’n’ Roll, dreckig und deutlich gezeichnet von langen und lauten Nächten. In gewisser Weise ein Symbol für Rebellion, Subver­sion und Individualität, insbesondere, wenn Sohlen und Stoff der Latschen mit Kuli und Edding bekritzelt werden. Der DNA der Marke haftet dieser rebellische Frevel der Jugendlichkeit bis tief in den Flachs hinein an, und er lässt sich durch kaum etwas zerstören. Da kann man „Chucks“ – wie es schon lange der Brauch ist – zur teuren Abendrobe kombinieren oder verwegen zum Business-Anzug tragen, es bleibt trotz gesellschaftlicher Akzeptanz immer ein subversiver Akt.

Von Manfred Gram

Society

Opernball-Lady Treichl-Stürgkh: "Rücktritt am 4. Februar!"

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die 10 reichsten Amerikaner

Leben

Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Die 10 reichsten Amerikaner

Women Leadership Forum 2014

Society

Women Leadership Forum 2014