Chef im Ring: Österreichs Manager greifen zu den Boxhandschuhen

Beruflich steigen Manager täglich in den Ring. Nun entdeckt die Führungsetage das Boxen neu und zieht daraus ihre strategischen Schlüsse. Annäherung an einen zu Unrecht verunglimpften Sport.

Beinahe ein Jahrzehnt ist es her, dass sich Regiestar David Fincher den Roman „Fight Club“ von Chuck Palahniuk zur Brust nahm und sehr publikumswirksam verfilmte. Kaum ein Artikel ist seitdem über den Boxsport erschienen, der nicht an irgendeiner Stelle kurz auf Film und Buch verweist. Insbesondere dann, wenn sich darin alles darum dreht, wie sich vom Berufsleben gestresste Manager zum Aggressions- und Adrenalinabbau gegenseitig die Visage verhauen.

Keine schlagkräftige Zivilarmee
Nun ist es wieder einmal so weit, kurz auf den „Fight Club“ zu verweisen: Denn der ehemalige Wettkampfboxer Daniel Nader und sein Kompagnon, der Personal Fitnesstrainer Hannes Woschner, wollen in Österreich den Boxsport unter Managern etablieren. Mit der düsteren Filmvorlage, in der sich eine Geheimloge in dreckigen Kellern und versifften Hinterhöfen die Selbsterkenntnis in den Körper prügelt und nebenbei eine schlagkräftige Zivilarmee gründet, hat dies aber nichts zu tun. Vielmehr wollen die beiden Box-Impresarios zeigen, dass sich Krawatten und das Schmuddelimage, das dieser durch und durch athletischen Sportart immer noch anhaftet, nicht ausschließen.

White Collar Boxing
Und boxende Businessleute sind ohnehin keine Seltenheit mehr, seit Ende der 80er-Jahre von New York aus das so genannte White Collar Boxing seinen kleinen Siegeszug durch die Welt des Managements antrat. „In den Übungseinheiten wird Stress abgebaut, werden Herz und Kreislauf trainiert und natürlich auch die körperliche Kraft – da ist alles dabei“, erklärt Woschner. Der erfahrene Kampfsporttrainer hat gemerkt, dass für Schreibtischhengste der Boxsport eine ideale Möglichkeit darstellt, neue Herausforderungen zu finden und das Selbstbewusstsein zu steigern.

Ottakringer Sandsäcke
Darum werden nun in Wien-Ottakring, wo sich das Sportstudio der zwei Boxlehrer befindet, willige Nachwuchs-Rockys im Seilspringen, am Sandsack und im Ring instruiert. Mit dem Unterschied, dass hier nicht der Leistungssportgedanke maßgebend ist, sondern die körperliche und geistige Ertüchtigung. „Man lernt im Training vor allem viel über sich selbst und sein Verhalten in Ausnahmesituationen“, so der Coach. Wer sich im Ring unter Druck seines Gegenübers zurückzieht, verhält sich am Verhandlungstisch wahrscheinlich genauso.

Keine Prügelstrafen
Pure Motivation fließt durch die Adern von Coach Henry Lewis aka „Mr. Lewis“. Und die gibt der Amerikaner, der zuhause in den Staaten im legendären „Gleason’s Gym“, New Yorks ältestem Boxstudio, tätig ist, gerne an seine Adepten weiter. Ein Schüler ist Thomas Schubert, Vorstand der H&S Software AG. „Ich dachte immer, dass Boxen eine stupide Angelegenheit für Halbstarke wäre“, gesteht der Manager, „zum Glück habe ich mich zu einem Probetraining überreden lassen.“ Schuberts Antrieb ist es, Kondition und Kraft aufzubauen und vor allem, das ganze Adrenalin, das sich im Büroalltag aufgestaut hat, wieder rauszulassen. Nebeneffekt: „Nach einem ein- bis zweistündigen Training bin ich so ausgepowert, dass ich wie ein Baby schlafe.“

Bunte Boxermischung
Das sieht natürlich auch US-Coach Henry Lewis so. „Niemand kommt zu mir, um sich sinnlos zu prügeln, sondern um negative Energie loszuwerden, Spaß zu haben und den Alltag kurz zu vergessen.“ Und das sieht man durchaus an der bunten Mischung, die sich in seinem Turnsaal zum regelmäßigen Training so einfindet. Schwitzen doch in den Intensivkursen neben Bürohengsten auch Bodyguards, Rechtsanwälte, aber auch Ärztinnen und junge Studentinnen. Der Sport mit den Fäusten ist also keine reine Männerangelegenheit mehr. Immer mehr Frauen greifen zu (harten) Bandagen und Handschuh, um körperlich fit und geistig rege zu bleiben.

Imagepolitur
„Boxen ist ein Gentleman- und Gentlewoman-Sport“, bricht Trainer Lewis eine Lanze in puncto Gender-Mainstreaming. Es braucht Technik, Körperbeherrschung und vor allem Verstand, um im Ring bestehen zu können. Der große Motivator wehrt sich vor allem auch gegen das Klischee, Boxer seien schlichte Gemüter. „Das glauben immer noch sehr viele Menschen in Österreich“. In Lewis’ Heimat ist man da schon weiter. Dort sind Boxkämpfe Society-Events, und boxende Manager gehören ins typische Bild eines Fitnessstudios. Ob sich der Sport auch hier vom Image des halbseidenen Milieus lösen kann, bleibt abzuwarten. Die Fäuste zu schwingen ist jedenfalls en vogue, und die ersten Schritte sind getan.

Von Dina Elmani und Manfred Gram

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