Atempause: Beim Apnoe-Tauchkurs hält FORMAT für drei Minuten die Luft an

Freitauchen in unendlichen Tiefen. Was passiert, wenn sich ein Durchschnittsmensch auf die Spuren von Apnoetauchern wie Jacques Mayol und Herbert Nitsch begibt? FORMAT-Redakteurin Dina Elmani hielt 3,25 Minuten lang die Luft an.

Das Zwerchfell zwickt. Sanft signalisiert es nach einer Minute das Ende der angenehmen "Easy going-Phase" meines Luftanhalteversuchs, der sogenannten statischen Apnoe. Das Ziehen resultiert aus dem steigenden Kohlendioxidgehalt im Blut, der den Atemreiz auslöst und Frischluft einfordert. Mein Gesicht bleibt unbeeindruckt unter Wasser. Schließlich ist es beim Freitauchen das Um und Auf, möglichst lange mit nur einem Atemzug, ohne technischen Firlefanz, im kühlen Nass zu verweilen.

Griechische Vorbilder
Mit angehaltenem Atem abzutauchen war die ursprüngliche Art, Perlen, Muscheln und Krebse zu sammeln. Schon der Historiker Homer soll von Schwammtauchern in 30 Meter Tiefe berichtet haben. Zum ersten Freitauchstar wurde der Grieche Giorgios Haggi Statti, als er im Jahre 1913, mit einem fünfzehn Kilogramm schweren Stein ausgestattet, den auf 70 Meter Tiefe abgesoffenen Anker eines italienischen Kriegsschiffes bergen half. Er konnte sieben Minuten die Luft anhalten.

Der Lungenpacker
Der Österreicher Herbert Nitsch, einer der weltbesten Freitaucher, schafft über neun Minuten. Die Lunge des Extremsportlers mit dem Spitznamen "Roboter" verfügt über ein Volumen von sage und schreibe zehn Litern. Mit der Technik des "Lungen-Packings" kann er durch intensives Luftschlucken weitere fünf Liter dazuquetschen. Diese Methode ist für Normalsterbliche, die über vier bis sechs Liter Lungenvolumen verfügen, jedoch gefährlich, da durch den Druck Lungenrisse entstehen können.

Ruhe in der Struggle-Phase
Nach zwei Minuten zuckt das Zwerchfell stärker. Und ständig. Die motivierenden Satzfetzen "Genug Luft - nicht auftauchen - noch Zeit", gesprochen von Freitauchlehrer Christian Redl, dringen dumpf an mein Ohr. Ich versuche nun, in der "Struggle-Phase" meines Apnoetauchgangs den Atemreiz auszublenden, indem ich wohlige Gedanken generiere und mich trotz sich verkrampfender Magengegend bis in die Zehen entspanne. "Stress und negative Gedanken erfordern viel Sauerstoff", hallen Redls Worte in meinem Kopf. "Je ruhiger der Puls, umso weniger Verbrauch." Seine Schüler lehrt er daher verschiedenste mentale Übungen und meditative Atemtechniken. (Zur Atemtechnik siehe Abschalten: Halt doch die Luft an! )

3,25 Minuten unter Wasser
Mittlerweile revoltiert das Zwerchfell. Und ich verspüre nach schier endlosen Minuten eine wohlige Benommenheit in mir aufsteigen. Rasch beende ich mit einem tiefen Atemzug meine Apnoe, um eine Bewusstlosigkeit, hervorgerufen durch eine Hypoxie - akuten Sauerstoffmangel im Gehirn - abzuwenden. Die Endlosigkeit dauerte 3,25 Minuten. Nach drei Minuten ohne Luft sind Menschen normalerweise tot. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass der Kreislauf bei Apnoeisten aufrecht ist, aber auf Sparflamme läuft. Sonst hätte Statik-Weltmeister Tom Sietas 10,12 Minuten nicht überlebt.

Wichtigste Regel: Nie allein
Neben dem Ausloten der Grenzen und dem Steigern der persönlichen Leistung geht es beim Luftanhalten darum, ein Gefühl für die Symptome des Körpers zu bekommen, um Gefahren, etwa ein Blackout, zu vermeiden. Apnoe-Profi Redl warnt vor der zur Leistungssteigerung oft angewendeten Hyperventilation, da das schnelle Überatmen die Sauerstoffsättigung nur marginal erhöhe, aber den Kohlendioxidspiegel dramatisch senke, weshalb eine Hyperventilation die Atemreizschwelle nach hinten verschiebt. Der Taucher könnte durch Sauerstoffmangel vorzeitig ohnmächtig werden. In zwanzig Meter Tiefe kann das zum Verhängnis werden. So viel zu den Gefahren. Als wichtigste Regel gilt daher: Tauche niemals allein!

Von Dina Elmani

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