Irene Weinfurter ist als Köchin der Natur auf der Spur

Irene Weinfurter ist als Köchin der Natur auf der Spur

Sie diente im Sekretariat von drei Bundeskanzlern. Jetzt hat sich Irene Weinfurter ihren Traum erfüllt: Sie kocht in Schloss Walpersdorf nach alten Rezepten.

Im niederösterreichischen Renaissanceschloss Walpersdorf, der Heimat von Lederleitner Home, scheint die Zeit stillzustehen. In der original erhaltenen Küche mit prächtigem Gewölbe steht die Event-und Kreativköchin Irene Weinfurter, 53, am holzbefeuerten Ofen und zelebriert ihre Kochkünste nach alter Schule. Wenn man ihr zusieht, wie sie Bratenstücke vom Freilandschwein samt köstlichen Semmelknödeln und Sauerkraut auf die Teller türmt, läuft einem sprichwörtlich das Wasser im Mund zusammen. Dabei ist Weinfurter Köchin aus Leidenschaft, Autodidaktin und Spätberufene.

Bis die gebürtige Schwertbergerin ihr Hobby zum Beruf machte, dauerte es immerhin knapp drei Jahrzehnte. Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung holte sie sich internationale Erfahrung bei Friedrich Wiesels Handelsunternehmen Placzek, an dem Martin Schlaffs Vater beteiligt war. "Martin Schlaff hat mir die Angst vor der großen weiten Welt genommen", erzählt sie lachend. Denn in Wahrheit hat sie bei der Handelsfirma nur angeheuert, weil diese am Trattnerhof nahe dem Stephansplatz ansässig war und sie als Zugereiste keine Ortskenntnisse in Wien hatte: "Diese Adresse war sicher." Später wechselte Weinfurter ins Österreichische Verkehrsbüro, jobbte zwei Jahre lang am New Yorker Goethe Institut, bevor sie im Bundeskanzleramt erst unter Franz Vranitzky und dann unter Viktor Klima und Wolfgang Schüssel arbeitete.

2004 war Schluss: "Ich wollte keinem Chef mehr dienen und keine Assistentin mehr sein." Nach kurzer Überlegung fiel der Hobbyköchin ein, dass der Vater meinte: "Essen tun die Leute immer, damit kannst Du nicht untergehen." Also erwarb sie einen alten Peugeot, kaufte sich das erste Geschirr bei Eduscho und begann mit kleinen Caterings bei Familienfeiern. Ganz unbedarft war Weinfurter freilich nicht. Der Vater war Gärnter, die Mutter Köchin im Schloss Schwertberg. "Das hat mich schon als Kind geprägt, und ich habe von meinen Eltern viel fürs Leben mitgenommen."

Der neue Anfang

Die ersten Jahre teilte sich Weinfurter Miete und Küche mit anderen, bis sie sich in der Pasettistraße mit ihrem Unternehmen "Book a Cook" in Wien Brigittenau selbständig machte. Weinfurter wurde unter Barbara von Melle Vorstandsmitglied von Slowfood Wien, einer Organisation, die für genussvolles, bewusstes und regionales Essen steht und eine Gegenbewegung zum Fastfood darstellt.

Den Feinschliff holte sich die passionierte Köchin sukzessive bei internationalen Gastronomen wie etwa Alice Waters, der legendären Vorreiterin der US-Bio-Beweung, deren Restaurant Chez Panisse in Berkeley in Kalifornien bereits mehrfach zum besten Restaurant der USA gewählt wurde. Heute bietet die oberösterreichische Gärntnerstochter Caterings für bis zu 300 Personen an, deren Augenmerk auf Bio-Produkten, in Vergessenheit geratenen Getreidesorten, Gemüse und Kräuter liegt. Ihr Credo: "Rosmarin, Salbei und Basilikum sind das Parfum meiner Küche."

Der langersehnte Traum, in einem Schloss zu kochen, wie einst ihre Mutter, wurde jetzt mit der Einmietung bei den Lederleitners in Walpersdorf wahr. Hier konzentriert sich die Biocatererin auf Koch-und Brotbackkurse, Anbau von Kräutern und Gemüse, Aufzucht von Nutztieren sowie Einkochen und Haltbarmachen von Lebensmittel. "Mir ist es ein Anliegen, vor allem jungen Menschen die Bedeutung von Lebensmitteln wieder nahezubringen", erklärt Weinfurter. "Und bodenständige Küche ist beliebt, weil sie Erinnerungen an die Kindheit weckt." Bevor sie en gros bestellt, besucht die Hobbyköchin ihre regionalen Produzenten lieber selbst. "Das wäre nicht Irene. Ich fahre raus, arbeite am Feld mit, brauche den Kontakt zum Bauern." Die Mühe lohnt offenbar. Denn die von Weinfurter verarbeiteten Ingredienzien zu "Bratl to go", Kalbsgulasch im Glas oder eingelegtem Gemüse gehen weg wie die warmen Semmeln. Nicht zuletzt weil Schloss Walpersdorf am Jakobsweg liegt: "Da kommt immer ein Pilger vorbei, der in mein Leben passt", ist sich Irene Weinfurter sicher.

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