Linzer Kinder- und Jugendpsychiater kritisiert Keszler: "Dieses Plakat ist respektlos"

Linzer Kinder- und Jugendpsychiater kritisiert Keszler: "Dieses Plakat ist respektlos"

Primar Michael Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz, fordert, dass die Transgender-Plakate zum Life Ball 2014 abgenommen werden: "Toleranz darf nicht auf die Freiheit der sexuellen Orientierung reduziert werden."

Das offizielle Plakat zum Life Ball 2014 , das eine nackten Frauenkörper mit Penis zeigt, erregt weiter die Gemüter. "Ich bin Adam. Ich bin Eva. Ich bin ich." steht auf dem Plakat, das seit seiner Präsentation durch Life-Ball-Organisator Gery Keszler heftig diskutiert wird. Wie weit darf Werbung für eine Veranstaltung, die sich für Toleranz und Gleichberechtigung einsetzt gehen, fragen sich viele.

In Wien wurden zahlreiche Plakate bereits von AktivistInnen übermalt. So trägt die "Eva" auf vielen öffentlich affichierten Plakaten bereits einen schwarzen Mini-Rock. Nun hat sich auch der Linzer Primar Michael Merl, Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Landes-Frauen- und Kinderklinik Linz, in einem offenen Brief an Keszler gewandt. Er fordert im Interesse der Kinder, dass die Plakate abgenommen werden. Eine Reaktion des Life-Ball-Organisationsbüros steht noch aus.

Der Brief des Arztes im Wortlaut:

S.g. Hr. Keszler !

Das Plakatsujet des Lifeball 2014 macht mich betroffen und nachdenklich. Als Kinder- und Jugendpsychiater habe ich täglich mit Kindern und Jugendlichen zu tun, die die Grenzen der Intimität nicht kennen und die oft nicht verstehen, was der Unterschied zwischen Sexualität ohne Liebe und Sexualität in einer Liebesbeziehung ist.

Das Sich-Entblößen vor anderen ist Teil dieses Nichterkennens von Grenzen. Viele Kinder, Jugendliche und ich denke auch Erwachsene leiden darunter, dass andere diese Grenzen des Schamgefühls oder der Intimität nicht respektieren.

Täglich arbeiten meine MitarbeiterInnen und ich daran, das jungen Menschen zu vermitteln oder wieder herzustellen, was zerstört wurde. Dieses Plakat ist respektlos v.a. den Schwächsten der Gesellschaft gegenüber. Durch Conchita Wursts Triumph haben wir gehört, dass Toleranz dort endet, wo jemand anderer Schaden nimmt oder nehmen könnte.

Viele Kinder und Jugendliche haben durch ihre Lebenserfahrung nicht die Distanz und Reflexionsfähigkeit, um mit derart expliziter Kunst umzugehen. Sie würden definitiv Schaden nehmen. Die Entblößung vor anderen in der Öffentlichkeit als Instrument einer falsch verstandenen Toleranz darf nicht die notwendige Achtsamkeit im gesellschaftlichen Umgang außer Kraft setzen. Und Toleranz darf nicht auf die Freiheit der sexuellen Orientierung reduziert werden.

Toleranz brauchen unsere Kinder und besonders die, die es nicht so gut im Leben hatten. Toleranz brauchen auch kranke, verzweifelte Menschen, was immer auch ihr Unglück verursacht haben mag. Im Sinne eines achtsamen und toleranten Umgangs miteinander sollte das Plakat aus dem Straßenbild verschwinden!

Prim. Dr. Michael J. Merl
Abt. f. Kinder- u. Jugendpsychiatrie Landes-Frauen- u. Kinderklinik Linz

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