Yoko Ono, Aktionskünstler und Popikone zu Gast in Krems

Yoko Ono, Aktionskünstler und Popikone zu Gast in Krems

Durch ihre Heirat mit John Lennon wurde die Konzeptkünstlerin & Radikalperformerin Yoko Ono endgültig zu einer Ikone der Popgeschichte.

Mit dem Besuch von Yoko Onos Ausstellungseröffnung in Krems erweist Hermann Nitsch auch einer alten Freundin Referenz. Es sind künstlerische Bande aus den 1960er-Jahren, die den österreichischen Schütt- und Aktionskünstler mit der japanisch-amerikanische Popikone verbinden. Damals hat Yoko Ono gemeinsam mit Nitsch und Aktionismus-Kollege Günter Brus performt. Auch Medienkünstlerin Valie Export freut sich auf Yoko Ono, die sie als Mutter der Performance- und Konzeptkunst betrachtet. Für die meisten Menschen ist die Künstlerin aber vorrangig die Lennon-Witwe, immer noch mit dem längst widerlegten Image behaftet, jene Frau zu sein, die 1970 die Beatles zerstört hat.

Dass sich Yoko Ono schon lange vor ihrer Ehe mit John Lennon als Konzeptkünstlerin etabliert hat, die sich vehement für Friedensbewegung und Menschenrechte einsetzte, wird hierzulande gerne vergessen. Die Filmemacherin, Komponistin experimenteller Musik und Sängerin ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen der amerikanischen Fluxus-Bewegung, der gemäß sie Leben und Werk miteinander verbindet. Und das seit über sechs Jahrzehnten!

Die Tochter aus japanischer Bankiers-Familie lernte früh Klavier und hatte bereits im Kindesalter öffentliche Auftritte. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dem sie den Luftangriff auf Tokio miterlebte, folgte sie ihrer Familie in die Vereinigten Staaten, studierte Philosophie und klassischen deutschen Liedgesang. 1956 heiratete Ono den japanischen Komponisten Toshi Ichiyanagi. Bereits zu diesem Zeitpunkt wurde das New Yorker Loft des Paares Treffpunkt der Kunstszene. Nach der Trennung heiratete sie den US-Filmproduzenten Anthony Cox, ihre gemeinsame Tochter Kyoko Chan kam 1963 zur Welt.

Bei der Vorbereitung zu einer Ausstellung in London 1966 lernte die Künstlerin dann John Lennon kennen. 1969 wurde auf Gibraltar geheiratet und das Kreativ-Duo war fortan gemeinsam auf der Bühne, formierte die experimentelle Plastic Ono Band und inszenierte auch sein Privatleben zur Aktionskunst. Wie etwa beim berühmten "Bed-In“ für den Weltfrieden, das sie auch ins Wiener Hotel Sacher führte. 1975 wurde Sohn Sean geboren, fünf Jahre später wurde John Lennon ermordet und die Witwe zog sich aus der Öffentlichkeit zurück.

Neu-Bewertung

Im Zuge der kunsthistorischen Rückblicke Anfang des 21. Jahrhunderts wurde auch Yoko Onos Oeuvre neu bewertet. 2009 wurde sie bei der Biennale in Venedig mit dem Goldenen Löwen für ihr Lebenswerk ausgezeichnet. In Krems macht nun mit der "Half-A-Wind Show“ eine international gefeiert Retrospektive Station. In der Kunsthalle ist die Schau um neue Arbeiten ergänzt, zu sehen. Kuratiert und konzipiert wird sie vom Chef des Hauses, Hans-Peter Wipplinger, der mit Yoko Ono seit dem Jahr 2000 befreundet ist und mit ihr schon an mehreren Projekten gearbeitet hat.

Sie sei keine Diva, aber eine sehr zurückhaltende Künstlerin, die ihre künstlerischen feministischen und politischen Projekte strikt umsetzt, erzählt er über die Zusammenarbeit. "Yoko Ono“, so Wipplinger, "ist niemand, der sich groß amikalisiert. Das Japanische ist omnipräsent in ihrer Lebensphilosophie, auch in der Zurückgenommenheit“. Die immer noch äußerst dynamische 80-Jährige arbeitet an der Umsetzung ihrer Projekte mit einem kleinen Team von sechs Leuten und ohne Galerienvertrag.

Woman Is the Nigger of the World

Ihr umfangreiches Werk wird in Krems nicht chronologisch, sondern in Themenblöcken präsentiert, die anschaulich demonstrieren, wie Ono seit den späten 80er Jahren an ihr Frühwerk anknüpft aber das diesem zugrundeliegende politische und feministische Bewusstsein neu interpretiert. Ein Raum ist ihren Objekten gewidmet, ein anderer beschäftigt sich mit ihren feministischen Positionen. Verstärkt werden die Aussagen durch Onos musikalische Arbeit. In diesem Fall etwa durch den Lennon/Ono-Song "Woman Is the Nigger of the World“ von 1972.

Natürlich ist auch ein Raum den Kooperationen von John und Yoko gewidmet: Auch das legendäre interaktive "Ceiling Painting“ aus dem Jahr 1966 kann man betrachten: "Yes“ steht da auf einem winziger Zettel. Es war Yoko Onos an der Zimmerdecke befestigter Antwort auf John Lennons Heiratsantrag: Um sie zu lesen, musste er auf eine Leiter steigen und ein Vergrößerungsglas zu Hilfe nehmen.

Intervention und Interaktion sowie konzeptuelle philosophische Überlegungen bestimmen Onos Werk, das von der Idee Marcel Duchamps getragen ist, dass es erst der Betrachter ist, der ein Kunstwerk fertig denkt. Kommunikation steht auch im Zentrum der Schau. "Es geht“, so Wipplinger "um Dialog und Partizipation. Die Arbeiten lassen viele Assoziationsebenen zu, sind sinnliche Erlebnisse. Man muss sich auf die Bilder im Kopf einlassen. Yoko Onos Forderung lautet: Raus aus den Formalismen!“

Die Künstlerin lebt bis heute im Dakota Building in New York, jenem Haus, vor dem John Lennon 1980 erschossen wurde. Ihren tatsächlichen 80. Geburtstag am 18. Februar feierte die vitale und äußerst gesundheitsbewusste Lady in einem Gemeinschaftskonzert mit ihrem Sohn Sean in der Volksbühne Berlin. Die Ausstellung in Krems entlässt den Besucher mit der Acht mal acht-Meter Installation: "Morning Beams“ und dem Song "I‘m Not Getting Enough“. Yoko Ono singt darin darüber, wie sehr sie das Leben liebt. Berührend, kitschig wie aufrichtig.

Yoko Ono: Half-A-Wind Show, Kunsthalle Krems, Eröffnungsperformance: 19. 10., 18 Uhr, Minoritenkirche

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