Wolfgang Ambros wird 60. Der Austropop-Veteran veröffentlicht seine Biografie

Nicht selten ist es der Fall, dass im Zuge anstehender runder Geburtstage in Männergehirnen Schutzschalter fallen und Sicherungen durchbrennen, wenn man im Abstand der Jahre auf sein Leben zurückblickt. Warum das so ist, weiß man nicht genau, das hat wohl die Biologie so eingerichtet. Außer ein paar Verwandten kriegt das üblicherweise kaum sonst jemand mit. Interessant wird’s, wenn man – gewissermaßen – eine öffentliche Person ist und sein Leben als Buch unter die Leute bringen möchte. Da gehört ein kleiner Skandal, ein würziger Wind zum guten Verkaufston.

Keith Richards etwa stänkerte im Vorjahr in seinen Memoiren über Mick Jaggers Gemächt. Oder Literaturnobelpreisträger Günter Grass: Der erinnerte sich vor fünf Jahren, als seine Memoiren bereits in den Buchhandlungsregalen standen, dass er Mitglied der Waffen-SS war. Das gab ein mordsmäßiges Echo in den Medien und Bestselleralarm in der Sachbuchabteilung.

Wilde Rekonstruktionen

Wolfgang Ambros, der jetzt seine Biografie rausbringt, ist aber nicht Günter Grass und auch kein Keith Richards. Dafür ist der 59-Jährige die Nummer 1 vom Wienerwald. Und steigt im Vorfeld zur Buchveröffentlichung ein wenig seinen alten Weggefährten Rainhard Fendrich an. Dessen Kokainkonsum habe das Trio „A3“, das gemeinsam mit Georg Danzer gebildet wurde, zerstört. Außerdem kriege seine Exfrau Margit hinterfotzigerweise den Hals nicht voll. Frechheit. Skandal. Titelgeschichten am Boulevard. In der Woche der Buchveröffentlichung. Blöder Zufall?

Im Buch kommen jedenfalls sowohl Fendrich als auch Ambros’ langjährige Gattin gut weg. Keine Spur von Abrechnung. Und irgendwie wusste man das mit Fendrichs Affinität zu kolumbianischem Marschierpulver ohnehin. War ja vor Gericht. Die Aufregung vorab schadet nicht, denn Austropop-Veteran Ambros, für viele auch ein Nationalheld, hat eine recht harmlose Bio veröffentlicht.

Es werden aber einige Sachen klar und nochmals festgehalten. Er war einer, der sich in jungen Jahren künstlerisch mutig aus dem Fenster lehnte. Aufbegehrte und nicht nur die obligatorischen langen Haare gegen den Strich bürstete. Im Gespann mit Joesi Prokopetz wurde so neben gehoben Unsinnigem auch Relevantes und Gültiges formuliert. Dass vieles davon unauslöschlich wurde und für immer in der heimischen Après-Ski-Kultur aufging, ist Künstlerpech, das letztlich niemandem weh tut und mit dem man durchaus seinen Frieden schließen kann. Denn die Mühlen des Austropop muss man ja auch erst einmal überleben.

Ambros erzählt in seiner Bio darüber. Im legeren Ton, aufgezeichnet von Andrea Fehringer und Thomas Köpf, lässt er Stationen und einschneidende Erlebnisse seines Lebens Revue passieren. Durchaus privat und persönlich spricht er von seiner behüteten Kindheit, die durch zahlreiche Umzüge geprägt war. Von einer Nahtoderfahrung als Zweijähriger in der Regentonne, Bubenstreichen, seinem spastisch gelähmten Bruder, Begegnungen mit Wildschweinen, Tollkirschenvergiftungen.

Eine vielleicht erlebnisreichere, aber nicht untypische Nachkriegskindheit. Und dann die Infektion mit dem Rock-’n’-Roll-Virus. Dylan war schuld, die Pubertät tat ein Übriges dazu. Vom Lehrerkind Wolfgang zum Problemschüler Ambros. Der wollte Musiker werden, verkaufte Platten, trampte nach London und machte das, was man im Wien der späten 60er und 70er so anstellte. Freundschaftspflege im Hawelka, unfassbar viel bumsen und kiffen – willkommen in der Wiege des Austropop!

Selbst wenn man eine Gangart höher schaltet und beichtet, wie eine gefundene Dose mit LSD-Trips sukzessive weggenascht und teilweise verkauft wurde, wird es nicht mehr skandalöser. Und dass man dann auch irgendwann ein bisschen viel Kokain über einen längeren Zeitraum nimmt, muss sein, schließlich geht’s rasant in Richtung 80er-Jahre. Nur über den Kollegen Alkohol schweigt sich Ambros aus. Das übernimmt wohl in vier Jahren Fendrich zu seinem Sechziger – vorab, versteht sich.

– Manfred Gram

Wolfgang Ambros – Die Biografie

Der Austropop-Veteran wird 60 und steht seit 40 Jahren auf der Bühne. Zeit für einen Rückblick. Seine Karrierestationen, Höhepunkte, Tiefpunkte zum Nachlesen, garniert mit zahlreichen sexuellen Anspielungen, Drogeneskapaden bei der Musterung und ein bisschen Abrechnung. Aber nicht mit den alten Weggefährten. Ueberreuter; € 29,95.

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