Wer würde nicht gerne in der Nacht herumgeistern und junge Mädchen beißen?

Universitätsprofessor Rainer Maria Köppl zum Vampirismus.

Ein Cape und zwei spitze Zähne – und sofort weiß man: Das ist ein Vampir! Vampire sind ein global gültiges visuelles Zeichen. Diese einfach erkennbaren und doch so vieldeutigen Figuren ängstigen und faszinieren uns seit jeher. Der Ursprung des Vampirismus liegt in unserem Nachsinnen über die mögliche Unsterblichkeit der Seele. Da wir nicht wissen, ob es nach dem Diesseits ein Jenseits gibt, erfinden wir Figuren, die in beiden Welten zuhause sind. Zur religiösen Ebene kommen sexuelle Wunschvorstellungen und Ängste: Wer würde nicht gerne in der Nacht herumgeistern und junge Mädchen beißen? Andererseits fürchten wir die Vampir-Vagina der Vamps. Die „Vagina dentata“ (= gezähnte Vagina) ist das wohl klarste Symbol männlicher Kastrationsangst.

Das Kapital als "Vampyr"
Aus politischer Sicht ist Graf Dracula ein Adeliger, der seine Untertanen aussaugt. Auch heute wird der Vampirmythos gerne auf ein populistisches Etikett reduziert, das man vermeintlichen Blutsaugern aufklebt: Immigranten als Vampire, die ins Herz Europas kommen, um unseren Sozialstaat anzuzapfen, Bankmanager als Blutsauger. Schon Karl Marx hat das Kapital als „Vampyr“ bezeichnet. Religion, Sex und Politik: Der Vampir ist eine vieldimensionale Figur. Deshalb ist und bleibt er unsterblich.

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