Warum und wie man am besten in Fotokunst investiert

Von den internationalen Toppreisen für Fotokunst sollte man sich nicht abschrecken lassen. Hierzulande gibt’s für Sammler noch ideale Einstiegs-Bedingungen, wie das Festival "Eyes On“ dokumentiert.

Warum und wie man am besten in Fotokunst investiert

Cindy Sherman ist keine Freundin herkömmlicher Schönheit. Die amerikanische Fotokünstlerin findet Schönheit im Hässlichen. Am liebsten, wie sie sagt, "in Bereichen, in denen wir sie zunächst nicht vermuten“. Mit ihren Reflexionen über Alter, Mode, Kosmetikindustrie und Rollenspiel trifft die 58-jährige Künstlerin den Nerv der Zeit. Die Fotoarbeiten ihrer Verwandlungen und brutal schrillen Selbstinszenierungen zählen zu den teuersten am internationalen Kunstmarkt. Im vergangenen Jahr hat ihr Foto "Untitled #96“ 2,4 Millionen Euro bei Christie’s erzielt, der bis dato höchste Preis für eine Fotoarbeit.

Cindy Sherman hat neben Andreas Gursky, Thomas Ruff oder Richard Price der zeitgenössischen Fotografie zu neuem Stellenwert verholfen. Wie die Analysen des Kunstmarktes belegen, hat vor allem die zeitgenössische Fotokunst nicht nur eine beeindruckende Wertentwicklung, sondern auch eine steigende Wertschätzung erlebt. Fotografie ist die am schnellsten wachsende Kunstrichtung. Die Anzahl der Werke hat sich innerhalb der letzten zehn Jahre verdreifacht. Auch hierzulande ist das Interesse am Medium stetig steigend, wie das wachsende Interesse am Festival "Eyes On“ zeigt, das auch heuer den November in Wien zum Fotomonat macht. Hatte das biennal stattfindende Festival im Gründungsjahr 2004 rund 200.000 Besucher, durfte man sich 2010 schon über 350.000 Interessierte freuen.

Dem leidenschaftlichen Sammler und Experten Peter Coeln ist das noch zu wenig. "Österreich ist immer noch ein unterbelichtetes Land, was Fotografie betrifft“, bringt er die Marktlage auf den Punkt. "Aber das Interesse wächst. Dieses Medium hat noch viel Potenzial.“ Und Peter Coeln arbeitet intensiv an der Ausreizung. Der 58-jährige Vizepräsident der Fotografischen Gesellschaft in Wien ist studierter Fotograf und hat seine Leidenschaft zum Beruf gemacht: 1991 gründete er den Leica Shop in Wien, 2001 eröffnete er das Museum WestLicht als Schauplatz für Fotografie, seit 2002 betreibt man auch das Auktionshaus WestLicht. Heuer wurde zudem die Galerie OstLicht eröffnet, wo man sich vor allem der zeitgenössischen Fotografie widmet. Und am 31. Oktober kommt eine Leica-Galerie in der Walfischgasse im ersten Wiener Bezirk dazu.

Dass die Allgegenwart des fotografischen Bildes in Form von Handyfotos oder Digicamshots für Verunsicherung sorgt, was wirklich Wert und Bestand hat, sieht der Fachmann nicht als große Gefahr. "Umso stärker steigt die analoge Fotografie wieder im Stellenwert.“

Sichere Werte

Mit seinem Team beseitigt Coeln gerne Unklarheiten, was das Investment betrifft: "Man darf sich von den Preisen am internationalen Markt nicht abschrecken lassen, hierzulande herrschen noch ideale Bedingungen, um sich mit dem Medium zu befassen. Prinzipiell gilt es, zwei Zugangsweisen zu unterscheiden: jene der zeitgenössischen Fotografie, wo das Medium Mittel zum Zweck ist, und jene der klassischen, wo die Fotoarbeit im Vordergrund steht. Unsere Auktion (23. 11.) zeigt, dass man gerade bei der klassischen Fotografie schon ab 300 Euro werthaltige Kunstwerke erwerben kann. Anfänger sollten sich dabei an etablierte Namen halten, an Vintage Prints, originale Erstabzüge in geringer Auflage mit Signatur und Stempel.“

In der Tat kann man sich bei der Auktion um 2.000 Euro sogar eine Arbeit von Henri Cartier Bresson leisten, findet aber auch eine hochkarätige Auswahl von historischen Größen wie Ansel Adams, Diane Arbus oder Tina Modotti. Aber auch die zeitgenössische Fotokunst garantiert durch etabliertes Editionsmanagement längst höchste Sicherheit und ist mit nummerierten limitierten Auflagen klar geregelt, wie der Fachmann versichert: "Generell gilt: keine Angst vor hohen Auflagen. Auch eine Edition mit 100er-Auflage kann ein guter Wert sein. Natürlich muss die Auflage dann eine Rückwirkung auf den Preis haben.“

Als gutes Investment gelten seit einigen Jahren Polaroids. Die eigenwillige Sofortbild-Ästhetik wurde bereits in den 60er-Jahren von Andy Warhol zum Kultmedium erhoben. Im Zuge des Fotomonats lädt auch die Salzburger Fotografin und Performancekünstlerin Irene Andessner zu einem öffentlichen Shooting (24. & 25. 11.) ins stillgelegten Porträtstudio von Franz Xaver Setzer, der zwischen 1909 und 1939 Bühnenstars sowie Unternehmer und Politiker fotografierte. Andessner hat die Meisterporträts dieser Zeit mit Personen aus der heutigen Kunst- und Kulturszene fotografisch nachgestellt und mit Restbeständen von originalem B&W-Polaroid-Material fotografiert. - Haptik, die überzeugt.

Eyes On: 30. 10. bis 30. 11.
Bereits zum fünften Mal findet das Festival in Wien statt. Heuer machen 225 Ausstellungen Wien im November zur Fotohauptstadt. www.eyes-on.at

DIASHOW: Eyes On Festival 2012

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