Warhol-Auktion: 150 Millionen für "Triple Elvis" und "Four Marlons"

Warhol-Auktion: 150 Millionen für "Triple Elvis" und "Four Marlons"

820 Mal so viel Wert wie in den 70er-Jahren: "Triple Elvis" und "Four Marlons" von Andy Warhol wurden für 150 Millionen Dollar versteigert.

Nach fünf Minuten und 14 Sekunden hatte der "Triple Elvis" von Andy Warhol einen neuen Besitzer. Zusammen mit dem Siebdruck "Four Marlons" brachten die beiden Siebdrucke bei einer Christie's-Auktion in New York inklusive Aufschlägen 151,1 Millionen Dollar. In den 70er-Jahren kaufte sie das Spielbankunternehmen Westspiel, jetzt wurden die Arbeiten zu teuer und schlummerten im Tresor. Dem defizitären Unternehmen bleiben nach Abzug des Aufschlags rund 108 Millionen Euro. Die Kulturszene sah im Verkauf einen "Tabubruch".

Nach kaum zehn Minuten war alles vorbei und über 150 Millionen Dollar wechselten ihren Besitzer. Die beiden Warhol-Bilder des nordrhein-westfälischen Casinobetreibers Westspiel haben in New York die Erwartungen übertroffen und wurden für rund 120 Millionen Euro versteigert. Das sind 20 Millionen mehr als erwartet. Und 820 Mal so viel, wie sie Ende der 70er-Jahre gekostet hatten.

Für den Verkäufer Westspiel, eine 100-prozentige Tochter der landeseigenen NRW.Bank, bleiben nach Abzug des Aufschlags für das Auktionshaus umgerechnet rund 108 Millionen Euro. Das sind etwa 8 Millionen Euro mehr, als in Nordrhein-Westfalen erwartet wurde. Das defizitäre Spielbankunternehmen soll mit dem Großteil des Geldes saniert werden. In der Kulturszene war der Verkauf von Kunst aus einem landeseigenen Unternehmen als "Tabubruch" scharf kritisiert worden.

Die Spannung war mit Händen zu greifen. Die Versteigerung der ersten acht Bilder schien fast nur Vorspiel zu sein, auch wenn ein Bild von Seth Price mal eben für 650.000 Euro verkauft wurde - mehr als das Zehnfache des erhofften Preises. Dann kam der erste Warhol, "Triple Elvis".

Für das große Bild mit einem dreifachen Elvis Presley, der mit einem Revolver auf die Bieter zielte, flogen anfangs die Millionen durch den Saal, dann tröpfelte es. Auktionator Jussi Pylkkanen beugte sich immer wieder nach links und rechts, rechts und links, suchte nach Bietern und er fand sie nach und nach. Schließlich schlug er bei 73 Millionen Dollar zu. Mit dem Aufschlag für Christie's muss der Käufer 82 Millionen zahlen. Alles hatte fünf Minuten und 14 Sekunden gedauert - statistisch gesehen fast 160.000 Euro je Sekunde.

Warhols hingen seit Ende der 70er-Jahre in einer Spielbank in Aachen

"Four Marlons" funktioniert nach dem selben Rezept Warhols: Prominente verfremden, vervielfältigen und dann damit Geld verdienen. Das klappte auch 27 Jahre nach dem Tod des Meisters noch mit seinen Werken. Das Bild mit dem vierfachen Marlon Brando, wie die Elvisse gut 2 Meter hoch und 1,70 Meter breit, brachte 69,6 Millionen Dollar, beide zusammen also mehr als 151,5 Millionen. Gekostet hatten die Elvisse einst 85.000, die Brandos 100.000 Dollar.

Wer die Bilder kaufte, war zunächst nicht bekannt. Es handelte sich aber einmal um einen Telefonbieter, einmal um einen Käufer im Saal. Die Bilder gingen damit also vermutlich an zwei Käufer.

151,5 Millionen Dollar: Dafür könnte man 7500 nagelneue VW Golf kaufen oder jeden Aachener einmal nach New York und wieder nach Hause fliegen lassen. Aus Aachen kommen die beiden Bilder auch, denn Ende der 70er-Jahre waren sie gekauft worden, um die dortige Spielbank zu schmücken. In den letzten Jahren hat sich der Markt für Warhols, nach einer langen Schlappe, wieder hervorragend entwickelt. So wurden die Bilder viel zu teuer, um sie ins Casino zu hängen.

Westspiel "sehr zufrieden" mit Auktionsergebnis

Westspiel zeigte sich "sehr zufrieden". Durch den Verkauf könne das Unternehmen seinem "staatlichen Auftrag auch zukünftig gerecht" werden und die Investitionen ohne zusätzliche Belastung des Steuerzahlers bewältigen. Dadurch würden Arbeitsplätze gesichert und neue geschaffen.

Etwa 80,6 Millionen Euro soll Westspiel aus dem Erlös für die Sanierung seiner Spielbanken und den Bau eines neuen Casinos in Köln bekommen. Was mit den restlichen knapp 28 Millionen Euro passiert, ist zunächst unklar. Sollte Westspiel auch 2014 wie in den Vorjahren einen Millionenverlust machen, so würde dieser mit dem Zusatzerlös zunächst ausgeglichen, sagte Westspiel-Sprecher Christof Schramm. Der Rest bleibe im Landeshaushalt. Wie viel Geld das sein wird, werde also erst kommendes Jahr nach der Veröffentlichung des Westspiel-Jahresabschlusses 2014 feststehen.

Finanzminister rechtfertigt Verkauf der Siebdrucke

Der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte im WDR-Hörfunk, der Zusatzerlös sei "eine globale Mehreinnahme im Haushalt" und diene "allgemeinen Aufgaben". Ob das Geld etwa in die Kunstförderung fließe, ließ er offen. "Die Einnahmen des Staates sind nicht genau den Ausgaben zugeordnet." Es gebe auch Aufgaben im Sozial- und Sportbereich.

Zugleich rechtfertigte der Minister den Verkauf der Warhols. Die Spielbanken würden nicht mit Steuergeld saniert. Zugleich sicherte Walter-Borjans zu: "Das Land Nordrhein-Westfalen wird aus seinen Museen überhaupt nichts verkaufen. Auch die Kommunen werden nicht ihre Museen ausräumen."

Die New Yorker Abendauktion stellte mit einem Gesamtumsatz von knapp 853 Millionen Dollar (682 Millionen Euro) nach Angaben von Christie's einen neuen Rekord auf. Dabei lagen die beiden gut 2 Meter hohen und etwa 1,70 Meter breiten Warhols an der Spitze. Andere Warhols waren früher aber schon teurer gewesen.

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