Vorleber des Abstiegs: Alexander von
Schönburg im FORMAT-Gespräch über Könige

Alexander von Schönburg, Bestsellerautor und Journalist von blauem Blute, plaudert in seinem neuen Buch über die royale Verwandtschaft und hinterfragt die Idee des Königtums.

Zweifellos. Der Mann hat ein Sensorium für Trends. Ende der 90er-Jahre hat er als Popliterat den New Economists die Welt erklärt, 2003 mit „Der fröhliche Nichtraucher“ ein viel diskutiertes Thema vorweggenommen. Und 2005, lange bevor Kristall-Lady Fiona Swarovski zu Butterbrot und kaltem, klarem Wasser geraten hat, hat Alexander von Schönburg den Bestseller „Stilvoll verarmen“ geschrieben und darin Tipps gegeben, wie man ohne Geld reich wird, und damit Bescheidenheit en vogue gemacht. Sozial absteigen, ohne zugrunde zu gehen? Von Schönburg wusste, wovon er sprach.

Vorleber des Abstiegs
Der heute 39-jährige Journalist und Buchautor heißt eigentlich Alexander Graf von Schönburg-Glauchau, ist der Bruder von Fürstin Gloria von Thurn und Taxis und der Gatte der Großnichte der Queen, Prinzessin Irina von Hessen. „Ich bin so was wie ein Vorleber“, bemüht er gerne den sozialen Abstieg, den seine adeligen Vorfahren bereits seit 500 Jahren durchlebten. Als die FAZ seine Stelle einsparte, verarbeitete der dreifache Vater seine Erfahrungen mit dem Schock eines plötzlich gesperrten Kontos zu einem Buch übers schlichte, aber stilvolle Leben.

Keine Königsschmutzwäsche
Mittlerweile ist von Schönburg redaktionelles Aushängeschild der deutschen „Vanity Fair“ und widmet sich in seinem neuen Buch „Alles, was Sie schon immer über Könige wissen wollten, aber nie zu fragen wagten“ den Ticks seiner royalen Verwandtschaft. Angst, dass er sich mit seinen Enthüllungen von der Gästeliste schreibt, habe er keine. „Das Buch ist ja“, so von Schönburg, „im Kern eine Verherrlichung der Idee des Königtums. Hier wird keine schmutzige Wäsche gewaschen. Wenn ich Anekdoten erzähle, dann immer, um ein Beispiel zu illustrieren.“

Handtaschen-Code der Queen
In der Tat betreibt von Schönburg Indiskretion auf höchstem Niveau: Man erfährt die absurden Essgewohnheiten von Prinz Charles, liest über den hohen Prozentsatz schwuler Dienerschaft oder dass Prinz Philip seine Gattin charmant „Würstchen“ nennt. Auch warum echte Könige keine Kreditkarten und keinen Personalausweis haben und wozu die Queen dann überhaupt eine Handtasche braucht, wird schlüssig erläutert. Wussten Sie etwa, dass mit der Haltung der Tasche bei Staatsempfängen Codes ans Personal transportiert werden? Als hofinternes SOS etwa gilt, nach von Schönburg, wenn die Königin die Handtasche links neben sich auf den Boden stellt.

Falsche Anbiederung
„Königtum ist mehr als eine reine Soap-Opera“, betont der Autor, der den gekrönten Häuptern etwas von ihrer Mystik zurückgeben wollte. „Mich als Snob, wenn Sie so wollen, hat es einfach geärgert, mit welcher Hartnäckigkeit die Spindoktoren heute versuchen, den Königen ein Image als normale Bürger zu verleihen. Die Königin von England wurde gezwungen, zu McDonald’s zu gehen, Mary von Dänemark ließ man beim Müllraustragen fotografieren.“ Das alles sei gezielte Propaganda und krampfhaftes Bemühen, sich beim Volk anzubiedern. Aber genau das, so der Experte, gilt es zu vermeiden: „Wenn man schon ein Staatsoberhaupt mit Jogginghose will, braucht man keinen König mehr, dafür gibt es ja Politiker. Vielleicht besteht ja überhaupt die einzig verbleibende Rolle der Royals darin, den Banalitäten des Alltags entrückt zu sein“, resümiert von Schönburg.

Verlogenes Verhältnis zur Vergangenheit
„Früher sind Könige Allianzen mit benachbarten Reichen eingegangen, heute eine strategische Allianz mit dem einfachen Volk. Ob Kate Middleton oder Mette-Marit – hier funktioniert das Märchen noch: von der Alleinerzieherin zur Prinzessin.“ So erobert man das Herz des Volkes, das inmitten selbst ernannter Stars sichtlich verstärkt Lust an echtem Glanz hat.
Einen Großteil seines Buches über gekrönte Häupter hat von Schönburg im niederösterreichischen Stift Heiligenkreuz geschrieben und dabei beobachtet, dass in Österreich das Verhältnis zum Herrscherhaus äußerst verkrampft ist: „Man will die japanischen Touristen im Sisi-Museum und in Ischl haben, verkapitalisiert also die imperiale Vergangenheit, kriegt aber Bauchkrämpfe, wenn ein Habsburger auftritt. Das ist verlogen.“

Von Michaela Knapp

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