Viennale '08: Mit der Kamera in die Welt - Dokufilm-Schwerpunkt auf dem Filmfestival

Wie in den Jahren zuvor legt die Viennale auch heuer wieder einen Schwerpunkt auf Dokufilme.

Der Film „Waltz with Bashir“ ist eine ziemlich merkwürdige Angelegenheit. Was ist er? Eine Dokumentation? Eine Erzählung? Ein Essayfilm? Ein Animationsfilm? Von allem etwas. Vor allem aber ist „Waltz with Bashir“ ein ziemlich starkes Stück Kino. Regisseur Ari Folman erzählt darin, wie er sich daranmachte, seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Er hatte jegliche Erinnerung an die Zeit verloren, als er beim ersten Libanon-Krieg Israels an vorderster Front diente. Er trifft und interviewt Kameraden und Freunde jener Tage, und je mehr er in die Ereignisse von 1982 eindringt, umso schlimmer, brutaler und grausamer werden die Bilder. Der erste Libanon-Krieg war jener Feldzug, der im Gemetzel in den Flüchtlingslagern von Sabra und Shatila gipfelte, als christliche Milizen unter dem Schutz der israelischen Armee ein beispielloses Blutbad unter Palästinensern anrichteten.

Film über Finanzcrash
Wie schon in den letzten Jahren zählen auch heuer wieder Dokumentarfilme zum Schwerpunkt der Viennale, darunter auch einige Arbeiten aus Österreich, das dank Regisseuren wie Nikolaus Geyrhalter, Michael Glawogger oder Hubert Sauper zu den produktivsten und interessantesten Ländern im Doku-Genre gehört. Der neue Film „7915 km“ von Nikolaus Geyrhalter etwa, in dem er die Spuren der Paris-Dakar-Rallye in Afrika verfolgt und schaut, was bleibt, wenn die Rennfahrer und deren Begleittross durchgerast sind. Oder „In die Welt“ von Constantin Wulff, das eine Geburtsklinik in Wien zum zentralen Ort hat. Oder „Let’s Make Money“ von Erwin Wagenhofer, der dem Weg des Geldes im globalisierten Finanzsystem nachspürt und gerade jetzt ziemlich an Aktualität gewonnen hat.

Zwischen den Mauern
Eröffnet wird das Festival am 17. Oktober mit „Entre les murs“, jenem Film von Laurent Cantet, der in diesem Jahr bei den Filmfestspielen von Cannes die Goldene Palme gewonnen hat. „Entre les murs“ ist, wie Cantet sagt, „ein Spielfilm mit dokumentarischer Grundlage“. Es ist die Verfilmung des gleichnamigen Buchs von François Bégaudeau, einem Lehrer, der darin den Alltag einer Schulklasse während eines gesamten Schuljahres beschreibt. Bégaudeau spielt in der Kinoversion die Hauptrolle.

Dralle SS-Soldatinnen für Israelis
Zu den interessantesten Spielfilmen des Festivals zählen „The Wrestler“ von Darren Aronofsky und mit Mickey Rourke, „La silence de Lorna“ von den Brüdern Dardenne, aber auch „Jerichow“ von Christian Petzold oder „Man Jeuk“ von Johnnie To. Tributes sind dem Regisseur Werner Schroeter, dem Musiker Bob Dylan und dem Stadtkino-Betreiber und Verleiher Franz Schwartz gewidmet. Zu den schrägsten Filmen des Festivals gehört ein weiterer Dokumentarfilm aus Israel. „Stalagim – Shoa ve pornographia be’Israel“ von Ari Libsker erzählt von den 60er-Jahren, als pornografische Groschenromane, die in deutschen KZs spielten und sadistische Beziehungen zwischen jüdischen Gefangenen und vollbusigen deutschen Aufseherinnen beschrieben, regen Absatz fanden, und der gewaltigen sexuellen Anziehungskraft draller SS-Soldatinnen auf damalige junge israelische Männer.

Von Gerald Sturz

Leben

Vinyl-Boom bringt Kult-Plattenspieler zurück

Kultur & Style

ePaper Download: Das Ranking der 500 wichtigsten Künstler Österreichs

Kultur & Style

★ David Bowie: Starman, Waiting in the Sky★