Veteranen-Treffen: Das A-Team ist zurück

Die Kino-Adaption der TV-Kultserie „Das A-Team“ aus den 80er-Jahren vermag die momentane Blockbuster-Krise auch nicht zu beenden. Testosteron, Trash, Explosionen und fliegende Panzer.

Wer gedacht hat, dass es mit der Resteverwertung der 1980er-Jahre vorbei ist, hat sich getäuscht. Nach Musik und Mode bedient sich nun auch Hollywood an dieser Dekade und verwertet alles, was auch nur im Entferntesten kommerziellen Sinn ergibt. Ein Blick ins Kinoprogramm und auf die Startlisten macht es deutlich. " Predator ", " Nightmare on Elm Street ", " Karate Kid " laufen gerade in den Kinos. " Wall Street ", " Tron " und „Conan, der Barbar“ folgen in den nächsten Wochen und Monaten. Steckt die Traumfabrik in einer veritablen Sinnkrise?

Die Blockbuster-Abteilung auf jeden Fall. Das verdeutlicht einmal mehr das cineastische Remake einer Kultserie der 80er-Jahre, „Das A-Team“. Auf 98 Folgen brachte es die Serie, die im Sog von „Knight Rider“ und „MacGyver“ (Kinoprojekte für beide sind ebenfalls im fortgeschrittenen Planungsstadium) zu einem veritablen TV-Hit in den USA avancierte. Vier Army-Soldaten, unehrenhaft entlassen, eilen Unschuldigen zu Hilfe. Mit Grips, Muskeln und ordentlich Munition. In Europa war der Erfolg überschaubar, bis Anfang der 90er der Privatsender RTL das Vietnamveteranen-Team entdeckte und die ganze Woche auf Heavy Rotation spielte. Kultalarm und eine solide Fanbasis resultierten daraus – besonders in Deutschland.

Vielleicht mit ein Grund, dass Teile der Leinwandadaption, die nun ins Kino kommt, auf deutschem Boden in Frankfurt am Main spielen. Nur hätte man am Schneidetisch gerade in dieser Hinsicht ein bisschen besser aufpassen sollen. Es macht nicht unbedingt einen kompetenten Eindruck beim Publikum, wenn die Handlung in Frankfurt am Main ihren Lauf nimmt, allerdings Luftbilder von Köln (sehr prägnanter Dom!) zu sehen sind. Egal. Es geht ja ohnehin um Baller-Baller, Bumm-Bumm und Special Effects. Aber genau hier zeigt sich wieder die momentane Blockbuster-Krise. Die Computertechnologie kann die ärgsten Special Effects machen, tut es auch, aber es bringt nichts, wenn man sich wie Regisseur Joe Carnahan dabei gleichzeitig in einer simpel erzählten Story ohne große Überraschungen verheddert. Bei 110 Millionen Dollar Produktionsbudget will man vielleicht ein wenig auf Nummer sicher gehen.

Schuss ohne Charme

Nicht stumpfsinnig, aber doch irgendwie halbherzig und halbgar werden nun die großen Gesten des Machismo abgefeiert. Und zwar mit deutlicher Schlagseite in Richtung Klischee. Dringend notwendige Selbstironie? Fehlanzeige. Nur weil man sich an den Stoffen der 80er bedient, darf man nicht vergessen, dass dazwischen doch zwei Jahrzehnte lagen, in denen sich nicht nur die Technik, sondern auch der Zugang zur Welt grundlegend geändert haben.

Der neue/alte Plot ist schnell erzählt. Mastermind Colonel John „Hannibal“ Smith (Liam Neeson) und seine drei treuen Gefolgsmänner sind mitten im Irakkrieg und sollen den Händen des Feindes wertvolle Dollar-Druckplatten entreißen. Das gelingt auch; das Quartett wird aber gelinkt, degradiert und landet hinter Gittern. Mithilfe eines zwielichtigen CIA-Agenten wird ausgebrochen. Ab nun geht es darum, den eigenen Namen reinzuwaschen und die Schurken zu Fall zu bringen – eine Frage der Ehre, die aber sukzessive zum aberwitzigen Testosteron-Trash verkommt. Allerdings: So oft hat man einen Panzer auch noch nicht in einen Luftkampf verwickelt gesehen. Das kann nicht jeder militärische Einsatztrupp. Übertreibungen und Pointen wollen dennoch nie wirklich zünden. Und da gehen dann auch die kleinen, sauber geführten Spitzen gegen Irakkrieg und private Sicherheitstrupps ein wenig unter. Ein eigentlich gutes Schauspielerteam vermag leider auch nicht mehr viel zu retten. Die Steilvorlage wurde uncharmant versenkt.

– Manfred Gram

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