„Und plötzlich spielt Geld keine Rolle mehr“

„Und plötzlich spielt Geld keine Rolle mehr“

Kaum jemand im Bekanntenkreis von Roland B. weiß über seine Vergangenheit Bescheid. Über Jahre gehörte er zu den erfolgreichsten Koksdealern Österreichs, machte sogar Geschäfte in Tschechien und Kroatien, und hatte Kontakte zu Großhändlern in der Karibik. Vor fünf Jahren stieg er aus dem Geschäft aus – heute will er mit Drogen nichts mehr zu tun haben.

FORMAT: Wer an das Drogen-Geschäft denkt, hat Szenen aus US-Filmen im Kopf. Drogendeals mit Geldkoffern auf abgelegenen Parkplätzen. Gibt’s das auch in Österreich?

Roland B.: Also zumindest nicht bei Koks, Hasch und Ecstasy. Der Umgangston in der Branche ist aber in den letzten Jahren deutlich härter geworden. Gerade wenn es um größere Mengen geht. Vor zehn Jahren war das noch alles recht entspannt. Da hat man fast vergessen, dass man was Illegales macht.

Dealer war ja sicher nicht Ihr Berufswunsch – wie kamen Sie mit der Szene in Kontakt?

Roland B.: Angefangen hat das 1998. In meinem Freundeskreis hatten ein paar Leute angefangen beim Fortgehen immer etwas Koks zu checken. Mir gab das nichts, ich fand die Leute auf Koks immer nur super nervig. Aber als ich sah, dass ein Freund für ein kleines Säckchen seinem Dealer 3.000 Schilling in die Hand drückte, wusste ich: „Das willst du auch.“

Kommt man als „Einsteiger“ denn so einfach an die Ware?

Roland B.: Bei mir war das Zufall. Ich kannte einfach die „richtigen“ Leute. Als Dealer in der Disco stehen wollte ich aber nicht. Ich wollte mehr und wenige Monate später war ich mit einem Kumpel in Spanien und wir kauften von einem Typen ein halbes Kilo Koks.

Wie läuft so ein Deal ab?

Roland B.: Eigentlich genauso, wie man sich das so vorstellt – nur relaxter. Am Vorabend zogen wir mit ihm durch die Clubs von Valencia, am nächsten Tag trafen wir uns auf seiner Yacht am Hafen. Wir tranken etwas, er fragte ob wir etwas für ihn hätten. Wir gaben ihm die Kohle, er uns das Koks.

Hatten Sie nie Angst erwischt zu werden?

Roland B.: Klar hatte ich Anfangs die Hosen voll. Der Puls war ständig auf 180. Aber irgendwann checkst du: „Dir passiert nichts. Keiner weiß was du tust. Die Polizei schon gar nicht.“­ Sobald man das mal begriffen hat, wird al­les ganz einfach.

Hatten Sie denn nie Skrupel Ihren Kunden Drogen anzubieten?

Roland B.: Ich habe ja nie jemanden gezwungen das Zeug zu kaufen. Ich habe aber drauf geachtet, nur an Personen zu verkaufen, die sich das auch wirklich leisten können. Sobald dir jemand etwas anderes als Geld für Koks anbietet, musst du sofort den Kontakt abbrechen.

Wieviel Geld lässt sich in Österreich mit Kokain verdienen?

Roland B.: Sagen wir mal so: Als ich mit dem Dealen anfing, war ich von einem Tag auf den anderen alle Geldsorgen los. Geld spielte einfach keine Rolle mehr. Du kannst dir nämlich immer neues besorgen indem du ein wenig Koks verkaufst. In einem guten Jahr stand am Ende eine halbe Million Euro Gewinn.

Was macht man mit soviel Geld?

Roland B.: Da bei mir die halbe Finanzbranche eingekauft hat, war es nicht schwer, ein paar Deals in die Wege zu leiten. Ich habe von Anfang an versucht mein Geld in Sicherheit zu bringen. Ein fetter Ferrari oder eine Penthouse-Wohnung machen unnötig Wind. Nur im Urlaub hab ich richtig viel Geld ausgegeben. Viel ist am Ende aber nicht übrig geblieben. Geldwäsche ist teuer, und jeder versucht dich über den Tisch zu ziehen.

Gab es nie Probleme mit der Polizei?

Roland B.: Ich glaube, die Polizei hat gar nicht so viel Interesse daran, sich die Kokain-Szene vorzuknöpfen. Was, wenn die einen gut vernetzten Dealer hochnehmen und der auspackt, Namen verrät? Da gäbe es großen Erklärungsnotstand in der Wiener Elite. Aber das war schon ein Grund für meinen Ausstieg. Vor 15 Jahren war die Polizei komplett ahnungslos. So lang du nicht eine Line auf der Motorhaube eines Streifenwagens gezogen hast, haben die dich nicht erwischt. Heute sind sie professioneller. Müssen sie auch sein, weil die Branche viel härter geworden ist. Heute noch zu dealen ist eine sehr, sehr dumme Idee.

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