Uffie überzeugt bei ihrem Debutalbum mit Mehrdeutigkeit und authentischen Texten

Drei Jahre nach ihrem Underground-Hit „Pop the Glock“ brilliert das Pariser Partygirl Uffie mit seinem Debütalbum. Ein komischer Spagat zwischen Sex und Lifestyle-Kritik.

Nonchalantes laissez faire raushängen lassen und zum Inbegriff demonstrativer Wurschtigkeit werden ist jetzt in der Populärkultur nicht besonders schwer. Man bediene sich einfach an dem, was die Setzbaukästen der Posen und Attitüden so hergeben. Wenn man Glück hat und alles passt und man auch noch die nötige Unbeschwertheit mitbringt, ist man zum richtigen Zeitpunkt den Konkurrenten zwei, drei Schritte voraus. Den Rest macht – so wie es sich seit einigen Jahren gehört – der Hype via Internet. Und schon steht man ziemlich cool da.

2007 schlug in dieser Hinsicht die Stunde der heute 22-jährigen Uffie. „Pop the Glock“ hieß der Track, der vor drei Jahren eine kleine Euphorie im Netz auslöste. Die Amerikanerin, die eigentlich auf den Namen Anna-Catherine Hartley hört und die es im zarten Alter von 15 Jahren nach Paris verschlagen hat, wurde von ihrem damaligen Lebensabschnittsdingsbums DJ Faedz überredet, einem Track ihre Stimme zu leihen. Ein bisschen zu singen, ein bisschen zu rappen. Der Clou dabei: Sie kann beides nicht sonderlich super. Aber schwupps, nach ein bisschen Stimmmodulation via Gesangssoftware Auto-Tune und Beat-Reduktion war der Hit fertig. Der sexuell übersteigerte Text, lasziv von einem Teenager vorgetragen, tat sein Übriges dazu, dass beim Hören automatisch gängige Pornocodes abgespult wurden.

Uffie, die aus Florida kommt und in Hongkong aufgewachsen ist, stand danach jedenfalls mit beiden Beinen fest in der Pariser Hipster-Clique rund um die Protagonisten des Elektrolabels Ed Banger. Insofern wichtig, als die lustige Produzenten-, Musiker- und DJ-Partie damals vorgab, wie Beats und Clubmusik in Europa zu klingen hat. Der Hype um Paris als Hochburg der elektronischen Musik ist allerdings ein wenig abgeklungen, und vielleicht hat man den optimalen Zeitpunkt ja verpasst, Uffies Debütalbum „Sex Dreams and Denim Jeans“ zu veröffentlichen.

Verpasst deswegen, da vor allem die kalifornische Altersgenossin Ke$ha und ihr Produzententeam gerade mit dem Uffie-Schmäh (explizite Schilderungen von Partygeschehen, Sex, getunte Stimme, knackige Elektro-Beats) so ziemlich alle wichtigen Charts stürmten und kräftig abcashten. Das Glück scheint also einmal mehr aufseiten der geschäftstüchtigen Epigonen zu sein, die frech und selbstbewusst dem fertigen Produkt das Dollarzeichen gleich in den Künstlernamen einbauten. Pech fürs Original, selber schuld, wenn man zu dröge unterwegs war. Möchte man meinen.

Glamour und Ironie

Aber Uffie, seit Oktober 2009 auch Mutter einer Tochter, ist anders. Sie ist authentisch, ihre Texte sind autobiografisch, und sie hat vor allem doppelbödigen Witz. Sie weiß, wovon sie singt, und macht sich über den Musikbetrieb respektive die hedonistischen Lebensentwürfe ihrer Generation lustig: „I am a rockstar and I party like one. In fact I partied like a rockstar before being one“, rappt sie etwa daher, wohl wissend, dass sie selbst ein gar nicht unbedeutender Teil der oberflächlichen Glitzer-und-Glamour-Welt ist. Ein Ausloten von Grenzen der Selbstironie, die es auch braucht, wenn die junge Dame richtig loslegt und von Paris aus gegen das puritanische Amerika und seinen Way of Life giftet; oder in ihren Worten: „When you don’t like what you see / Hiding’s easy in a SUV.“

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