Udo Jürgens zum Sieg von Conchita Wurst beim ESC 2014: "Europa hat Toleranz gezeigt"

Udo Jürgens zum Sieg von Conchita Wurst beim ESC 2014: "Europa hat Toleranz gezeigt"

Mit "Merci Cherie" hat Udo Jürgens 1966 Europa verzaubert und erstmals den Song-Contest-Sieg nach Österreich gebracht. 48 Jahre später macht es ihm Conchita Wurst gleich und holt die Krone mit der Powerballade "Rise Like A Phoenix". "Ich hätte mich für jeden gefreut", sagte Jürgens. "Aber ich freue mich in diesem Falle besonders, gerade weil sich so viele aufgeregt haben."

Udo Jürgens, der heuer seinen 80. Geburtstag feiert, wollte sich ursprünglich nicht zum Song Contest äußern, habe er das doch laut seinem Manager "seit 1966 bereits zur Genüge getan". "Doch dieses Jahr ist es sehr interessant, was da passiert ist", meinte Jürgens in Bezug auf "den Wirbel, der um die Person Wurst entstanden ist". Ausfälligkeiten vonseiten Politiker östlicher Länder, aber auch innerhalb Österreichs seien "sehr aufschlussreich" gewesen. "Wie ich diesen Druck gespürt habe, der da auf sie ausgeübt wird, ist meine Sympathie gestiegen. In dem Moment wurde mir klar, dass sie große Chancen hat, und das vielleicht sogar gewinnen wird."

Auch er sei anfangs erschrocken gewesen, als er die von Tom Neuwirth kreierte Kunstfigur Conchita Wurst erstmals in der Zeitung gesehen habe, "sowas ist man ja nicht gewöhnt, eine Frau mit Bart". Auftritte und Aussagen Wursts in der Öffentlichkeit hätten ihn aber überzeugt. "Sie hat das gut gemacht, war glaubwürdig und ernsthaft, und hat am Schluss auch noch ein Statement für Frieden und Zusammengehörigkeit abgegeben", sagte Jürgens. "Das hat mir gefallen. Ob sie einen Bart hat oder nicht, ist letztendlich überhaupt nicht wichtig. Man sollte Menschen so anerkennen, wie sie sind."

Zeichen der Toleranz

"Europa hat viel Toleranz gezeigt", so Jürgens, der sich vor allem über die Höchstpunkteanzahl aus katholischen Ländern wie Spanien und Irland freute, "von denen ich es wirklich nicht erwartet hätte". "Mir kam das vor wie ein Aufschrei nach Freiheit."

Die Austragung des 60. Song Contests in Österreich im nächsten Jahr sei nun jedenfalls "eine große Aufgabe, die der ORF sich da aufgehalst hat, zumal sie so knausrig mit Geld sind oder gar kein Geld haben". Abgesehen davon habe sich seit 1966 viel verändert, "diese Irrsinnssummen, die mittlerweile dafür ausgegeben werden, sind einfach idiotisch". Er rechnet jedenfalls damit, dass man ihn für den Event 2015 "in irgendeiner Form sicherlich anfragt". "Aber das muss man alles abwarten."

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