Thomas Bernhards Lieblingsfotograf Sepp Dreissinger zelebriert den 80er des Autors

Zum 80. Geburtstag von Thomas Bernhard macht eine Ausstellung seines Lieblingsfotografen Sepp Dreissinger die vielen Facetten der „Sphinx von Ohlsdorf“ visuell fassbar.

"Wenn man modisch wird, ist alles aus“, hat Thomas Bernhard seine Verachtung für alles, was gerade Mode war, drastisch ausgedrückt. Nun ist er selbst en vogue: Am 9. Februar hätte er seinen 80. Geburtstag gefeiert. Das bedeutet Würdigungen aller Art, im Theater, im TV, im Buchhandel. Gleich drei Projekte hat Sepp Dreissinger dabei im Rennen.

Der 1946 in Vorarlberg geborene Musiker und Fotograf hat in seiner Laufbahn viele Persönlichkeiten porträtiert, niemanden jedoch so ausführlich wie Thomas Bernhard. Nicht von ungefähr gilt Dreissinger als der Fotograf der berühmtesten Bernhard-Aufnahmen aus den 70er- und 80er-Jahren. Etwa jenes Schnappschusses, der 1988 in Wien am Graben entstand. „Bernhard wollte, dass ich ihn dort auf seiner Lieblingsbank fotografiere. Für ein paar Sekunden haben sich dann Kinder hinter ihn gestellt“, erinnert sich Dreissinger. Es war der letzte Termin des Fotografen mit Bernhard vor dessen Tod 1989.

Mit seinem Journalistenkollegen Kurt Hofmann vom ORF hat Dreissinger den Autor über zehn Jahre lang immer wieder in Obernathal, Ohlsdorf, besucht. „Wenn man Glück hatte, war er zuhause. Er hat uns Tee auf dem Silbertablett serviert, und wir haben geplaudert. Wenn ich gemerkt habe, die Stimmung ist gut, hab ich ihn am Schluss gefragt, ob ich noch ein paar Fotos machen darf. Aber einen Termin mit ihm für ein Shooting auszumachen war praktisch unmöglich.“ Über all die Jahre blieben der Fotograf und der Porträtierte per Sie. „Ich war ja auch nie befreundet mit ihm“, stellt Dreissinger klar. „So wie es war, war es ein toller Zustand, ein sensibles Vortasten.“

Ohne finanzielle Unterstützung von offizieller Seite hat Dreissinger mit Gefährtin Heike Schäfer an einem Film gearbeitet, der Interviews mit 60 Freunden des Dichters, der Familie und Nachbarn zeigt. Und er hat den Band „Was reden die Leute“ zusammengestellt. Die längst überfällige Dreissinger-Fotoschau bei WestLicht in Wien-Neubau beinhaltet neben 80 seiner Arbeiten auch zehn Fotos des 2009 verstorbenen Fotografen Johann Barth, dessen Negative Dreissinger angekauft hat.

Barth hat Bernhard in den 60er-Jahren fotografiert. Er war damals sein Journalistenkollege beim „Demokratischen Volksblatt“ in Salzburg. Gemeinsam hat man Filmkritiken geschrieben. Die Worte des Chefredakteurs „Schreiben S’ doch wie der Barth, Herr Bernhard, damit die Leute wissen, ob sie ins Kino gehen sollen; mit Ihrem pseudopoetischen Anspruch können Sie niemanden anregen“ haben Bernhard allerdings zum abrupten Verlassen der Redaktion veranlasst. Dreissingers persönliches Resümee zu Bernhard bleibt kurz: „Einer wie er fehlt heute der österreichischen Gesellschaft. In seinen Interviews hat er nämlich weder Bundeskanzler noch Präsidenten verschont. Wer bewirkt das heute noch?“

– Michaela Knapp

Sepp Dreissingers Bernhard-Projekte
AUSSTELLUNG: „das führt alles zu nix“ mit Fotos von Sepp Dreissinger & Johann Barth. WestLicht, Schauplatz für Fotografie, ab 4. 2. FILM: Dreissingers vierzigminütiger Trailer zum noch nicht fertigen Film „und, also, aber“ beinhaltet Interviews mit 60 Personen. Präsentiert wird er erstmals am 1. 2. im Radio- Kulturhaus, 20 Uhr.

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